Wie bist du zur Fotografie gekommen?

 

Auch wenn ich meine ersten fotografischen Schritte wahrscheinlich mit den analogen Kameras meines Vaters und meines Großvaters machte, die beide begeisterte Hobbyfotografen waren und auf ihren unzähligen Reisen rund um den Globus fotografierten, lernte ich die Fotografie erst mit Anfang 20 richtig lieben. Als Sohn einer Biologin und eines Geografen, die beide sehr reisefreudig waren, kam ich schon als Kind in ganz Europa herum, und sobald ich unabhängig war, machte ich während meines Studiums auf eigene Faust weiter. Ich flog nach Japan und in die USA, fuhr durch die Alpen und auf die iberische Halbinsel. Da mich die Ikonographie wilder Landschaften schon damals faszinierte, sei es auf den Plattencovern der Metal-Bands, die ich hörte, oder durch die fantastischen Fotos, die ich auf verschiedenen Online-Plattformen oder in den National Geographic-Magazinen meines Vaters fand, nahm ich bald die Kamera mit auf meine Reisen und begann, faszinierende Orte zu suchen und selbst zu erkunden. Seitdem ist mein Fernweh stetig gewachsen. Im Laufe des Studiums der Medienwissenschaften habe ich immer mehr Zeit in die Fotografie investiert, sowohl an der Universität als auch außerhalb. So bin ich nach dem Studium in die Selbstständigkeit gewechselt, zunächst nebenberuflich und jetzt hauptberuflich als Vollzeit-Landschaftsfotograf.

 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Für mich gibt es kein schöneres Gefühl, als irgendwo weit weg von zu Hause, an einem einsamen Ort, ganz in die Landschaft einzutauchen und dieses Hochgefühl mit der Kamera festzuhalten. Aufgrund meiner Vorliebe für die Natur und die Einsamkeit, bin ich mit Leib und Seele Landschaftsfotograf, auch wenn ich hin und wieder in Städten fotografiere, wenn ich gerade nicht weit von zu Hause wegreisen kann. Da ich im bevölkerungsreichsten Areal Europas lebe, ist das Reisen für mich eine Notwendigkeit, um überhaupt zu fotografieren.

 

Die Landschaftsfotografie vereint für mich viele interessante Aspekte: die körperliche Herausforderung des Wanderns und der Erkundung unbekannter Orte, die künstlerische Komponente, aber auch eine technische, wenn es um Ausrüstung und Bildbearbeitung geht. Je nachdem, worauf ich gerade Lust habe, gibt mir dieses Subgenre immer das, was ich brauche. Sei es ein Adrenalinschub beim Fotografieren eines Strandes am Polarkreis, das Austesten meiner Grenzen bei einer mehrtägigen Wanderung im Hochgebirge oder eine entspannte Bearbeitungssitzung am PC bei Kerzenschein mit einem guten IPA.

 

Und schließlich stellte ich irgendwann fest, dass ich nur selten einen anderen ernsthaften Landschaftsfotografen traf, mit dem ich nicht ins Gespräch kam und ein paar Lacher haben konnte. Ich habe auf meinen Reisen, online und bei meinen Workshops und Seminaren so viele tolle Menschen kennen lernen dürfen, ein wahres Privileg. All diese Menschen machen die Landschaftsfotografie für mich nochmal faszinierender!

 

 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?

 

Aus rein fotografischer Sicht war mein bisher größter Erfolg sicherlich meine 8-tägige Trekkingtour entlang des Drakensberg Escarpment direkt an der Grenze zwischen Lesotho und Südafrika, zusammen mit einigen meiner besten Freunde. Das Wetter war phänomenal und trotz der Höhe von durchschnittlich 3000 Metern und 28 kg Gepäck auf dem Rücken konnte ich einige fantastische Bilder von einer absolut andersweltlich anmutenden Landschaft machen. Diese Bilder haben mir zwar nicht besonders viel Geld eingebracht und die Investition kaum wieder reingeholt, aber für mich persönlich war es eine echte Chance zu fotografisch zu wachsen.

 

Meine größte Herausforderung besteht wohl bis heute darin, sich auch für die kleinen Dinge und die nicht so spektakulären Lichtsituationen zu erwärmen. Nach all den unglaublichen Dingen, die ich im Laufe der Jahre sehen und erleben durfte, fühle ich mich manchmal ein wenig desensibilisiert. Ich bin begeistert von exotischen und schwer zugänglichen Orten, aber in den letzten Jahren habe ich – dank Covid – vermehrt in Deutschland fotografiert, was sich für mich schon etwas beengend anfühlt, und ich säße wohl lieber im nächsten Flugzeug auf einem anderen Kontinent. Dabei gibt es so viel Schönes zu sehen und zu fotografieren, auch in Deutschland und seiner Umgebung. Ich denke, meine größte Herausforderung ist es, einen Schritt zurückzutreten und all die Dinge zu betrachten, die man leicht übersieht, und die Kreativität zu finden, mit ihnen zu arbeiten. Vielleicht habe ich schon den nächsten großen Plan nach Covid im Auge, aber bis dahin möchte ich wieder lernen, das zu fotografieren was in meiner Heimat ist, oder die Kamera vielleicht auch einfach mal daheim zu lassen und die Natur ohne mein Handwerkszeug zu erkunden.

 

 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?

 

Natürlich sehe ich viele Arbeiten meiner Kollegen und würde lügen, wenn ich sagte, dass mich nicht auch die Arbeiten von AusnahmekünsterInnen wie Alexandre Deschaumes, Marc Adamus oder Sandra Bartocha inspirieren, aber letzten Endes sind es die Orte selbst, die mich immer und immer wieder dazu bewegen die Haustür zu öffnen und sie zu aufzusuchen. Wenn ich nach zahllosen kleinen Wanderwegen an einem plätschernden Bach in einem verlassenen Alpental stehe oder auf einem Berg samt Blick, den ich noch nie bei anderen FotografInnen gesehen habe, bin ich am glücklichsten. Dafür studiere ich Nächte lang Landkarten und Satellitendaten, suche mir Blicke und Orte raus, die zu mir sprechen und versuche sie zu erreichen. Dazu kommt, dass ich mich noch immer in der Rock- und Metalszene bewege, selbst auch seit 15 Jahren eine Band habe und viele Texte über Naturmetaphorik und die Landschaften der Seele lese und schreibe sowie viel Zeit mit Reise- aber auch Sci-Fi Literatur verbringe. Alles zusammen ergibt wohl meinen unstillbaren Durst nach neuen Orten und Erfahrungen.

 

Was ist deine Herangehensweise? Gibt es etwas, was du während eines Shootings erreichen möchtest (wie zum Beispiel bestimmte Gefühle auszulösen o.ä.) oder spezielle Techniken, die du verwendest?

 

Das ist schwer zu sagen, ich denke bei dem Aufnahmeprozess nicht zu sehr darüber nach, wie das Bild später bei den BetrachterInnen werden könnte. Ich bin meistens zu sehr damit beschäftigt mich über das Licht zu freuen, oder meine Komposition zu optimieren. Ich glaube, dass ich versuche die Lichtstimmung, die Atmosphäre und meine Erfahrung vor Ort authentisch einzufangen. Dabei suche ich mir Landschaften, die mich persönlich reizen, unabhängig von der Außenwirkung. Bei dem Fotografieren selbst, verwende ich nichts Ungewöhnliches: ich arbeite mit einer Vollformat-Kamera, verschiedenen Brennweiten, Filtersystemen und Belichtungsreihen – soweit so banal.

 

Wenn es etwas gibt, wodurch meine Fotografie etwas Eigenständigkeit erhält, was natürlich den BetracherInnen obliegt, ist es, dass ich sehr viel Zeit mit dem bereits erwähnten Location Scouting verbringe und vor Ort meine Kompositionen minutiös umsetze. Dabei versuche ich stets meine Fertigkeiten zu verbessern und mein Auge zu Schulen. Denn ein gutes Auge ist immer noch die wichtigste Eigenschaft eines talentierten Fotografen.

 

 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?

 

Da ich oft für Magazine und auch mit Kunstdrucken für Klienten und Kunden arbeite, ist Farbmanagement für mich ein wichtiger Teil meines künstlerischen Prozesses. Möchten Kunden von mir einen hochwertigen Print erwerben, muss ich von Schritt eins der Bildbearbeitung den korrekten Farbraum und die richtige Darstellung auf dem Bildschirm nutzen, damit alle fortlaufenden Anpassungen von Kontrast und Farbe sich später auf dem jeweiligen Trägermaterial wiederfinden und das Bild die Strahlkraft hat, die ich einfangen wollte, als ich den Auslöser gedrückt habe. Dabei ist ein kalibrierter Monitor für Bildbearbeitung und Soft-Proofing unumgänglich.

 

 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

 

Verbringt nicht zu viel Eurer Zeit damit anderen Fotografen zu folgen, vor allem nicht in den sozialen Medien. Schaut Euch die Werke lieber in Büchern oder auf Homepages an. Der Vergleich seines eigenen Lebens mit Fotografen die andere finanzielle Mittel zur Verfügung haben, kann zu sehr starken negativen Gefühlen führen. Nicht alle von uns haben die gleichen Startbedingungen und einige haben härter für ihren Erfolg zu arbeiten als andere. Jammern hilft nicht, nur dranbleiben und sich nicht davon ablenken lassen, dass andere FotografInnen vielleicht durch Vitamin B oder einen großes Finanzielles Polster Projekte realisieren können, von denen man selbst nicht mal zu träumen wagt. Träumen ist gut und wichtig, aber hart arbeiten ist besser! Nur so kommt man in kleinen Schritten irgendwann zum Ziel. Ich hätte mir vor einigen Jahren auch nicht vorstellen können im Jahr 2022 20 Wochen des Jahres unterwegs zu sein, touren zu leiten, für Magazine zu schreiben und mit Sponsoren zu arbeiten. Wenn überhaupt, dann wird Eure Liebe zu dem, was ihr tut und was ihr der Welt zu zeigen habt, euch dorthin führen, wo ihr hingehört.

 
 

Über den Autor – Nicolas Alexander

 

Nicolas Alexander Otto (*1987) fotografiert seit 15 Jahren, seit 2016 ist er als Dozent für Fotografie und Nachbearbeitung bei verschiedenen öffentlichen Trägern und privaten Agenturen tätig.

 

Er schreibt für verschiedene Fotomagazine und seine Fotos wurden in mehreren internationalen Ausstellungen gezeigt. Er fotografiert im Spannungsfeld zwischen abgelegenen Landschaften und Großstadtdschungel, zwischen Natur und Mensch. Sein ständig wachsender Hunger nach neuen Erfahrungen und neuen Orten treibt ihn dazu, sich hinauszuwagen und Momente für die Tage zu Hause festzuhalten.

 

In einer Welt, die immer schneller und hektischer wird, schaffen sie eine Oase der Ruhe für die Betrachter. Ob Langzeitbelichtungen an der Küste, Nachtaufnahmen in den Bergen, die blaue Stunde über einer Skyline oder der Sonnenaufgang im Wald, Alexander versucht, diese flüchtigen Momente mit ewiger Präzision und dem Streben nach Perfektion zu verewigen und so das Leben anderer zu bereichern.

 

Fotografisches Genre: Landschaftsfotografie

   

Wir haben hier in Norwegen ein Sprichwort: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Ich weiß nicht, wie oft ich das als Kind gehört habe. Schneestürme und eisige Temperaturen waren keine Entschuldigung dafür, nicht zur Schule zu gehen. Zieh dir eine zusätzliche Klamottenschicht an, Kleiner, und los geht’s!

 

Der Heimweg von der Grundschule an strengen Wintertagen gehört zu meinen schönsten Erinnerungen. Es war eiskalt, aber die Welt war unser Spielplatz. Wir liefen lange Strecken nach Hause, oft durch Felder oder Wälder, und bauten unsere kleinen Schneeburgen. Die Zeit verging wie im Flug, und oft kamen wir zitternd und mit blauen Lippen nach Hause. Aber das war nicht schlimm. Wir hatten ein Abenteuer erlebt.

 

Wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, bin ich sehr dankbar dafür, dass ich so naturnah aufgewachsen bin und aus einem Elternhaus komme, in dem wir uns regelmäßig in den Bergen zum Wandern, Angeln, Skifahren, Zelten oder zu anderen Aktivitäten aufgehalten haben.

 

Die Einstellung „Es gibt kein schlechtes Wetter“, die mir schon als Kind vorgelebt wurde, hat mich in vielerlei Hinsicht zu dem Fotografen und Menschen gemacht, der ich heute bin. Sie hat mich dazu gebracht, raues Klima zu schätzen und die Schönheit in Wetterbedingungen zu sehen, bei denen die meisten Menschen es sich lieber vor dem Kamin gemütlich machen.

 

 

Vielleicht bin ich auch deshalb allmählich weiter in den Norden des Landes gezogen und befinde mich jetzt nördlich des Polarkreises. Ein Ort, an dem die Sonne im Winter nicht aufgeht und im Sommer nicht untergeht. Ein Ort, an dem sich die Sonne in den letzten drei Wochen, während ich diese Zeilen hier schreibe, hinter einer dicken Schicht regengefüllter Wolken versteckt hielt.

 

Aus der Sicht eines Landschaftsfotografen ist es ein aufregendes Klima zum Fotografieren. Bei der Fotografie und der Kunst im Allgemeinen geht es oft darum, die eigene Komfortzone zu verlassen und aktiv das Unbehagen zu suchen. Das ist nicht nur für Sie als Schöpfer lohnender, sondern auch für den Betrachter. Bilder, die eine Geschichte erzählen, heben sich in der Regel von der Masse ab. Und die Bilder, die die besten Geschichten vermitteln, sind oft diejenigen, für die man kämpfen musste.

 

Diese Aussage wiederhole ich auch immer wieder in meinen Workshops zur Landschaftsfotografie. In dem Moment, in dem man es sich zu bequem macht, stockt die kreative Entwicklung. An diesem Punkt wird alles einfach nur zur Routine.

 

 

Ich möchte Sie ermutigen, sich einer Landschaft mit der Denkweise eines Kindes zu nähern. Seien Sie neugierig. Seien Sie bereit, sich unwohl zu fühlen.

 

Einige meiner persönlichen Lieblingsbilder stammen aus Tagen, an denen die Couch, eine Tasse heißer Kakao und ein guter Film tausendmal verlockender klangen, als nach draußen zu gehen. Entweder wegen der Kälte, starken Regens oder regelrechten Schneestürmen.

 

Das folgende Bild ist ein gutes Beispiel dafür. Es wurde Anfang Juni in einer abgelegenen Gegend auf den Lofoten aufgenommen. Die Temperatur lag bei knapp 0 Grad Celsius und die Mischung aus Schnee und Regen durchnässte uns bis auf die Knochen. Aber wir ließen uns nicht beirren, schlugen unsere Zelte auf und wanderten in ein Gebiet, in dem bisher nur wenige Menschen waren – ein Gebiet abseits von Wegen und Anzeichen menschlichen Lebens. Es waren die Neugier und der Sinn für Abenteuer, die uns weitergehen ließen. In der Hoffnung, das eine Bild einzufangen, für das sich die ganzen Unannehmlichkeiten lohnen.

 

 

Ich erinnere mich deutlich an einen Moment, in dem meine Beine müde, meine Füße durchnässt waren und meine gute Laune stark nachließ. Es fühlte sich an wie eine Qual, für die man möglicherweise nichts anderes als Kälte und Nässe zurückbekommt. Ich setzte mich hin und nahm mir eine Minute Zeit, um die Umgebung zu beobachten. In diesem Moment flüsterte das kleine Kind in mir: „Komm, Kleiner, lass uns nachsehen, was hinter dem Hügel ist. Das war genau meine Denkweise als Kind, und wie sich herausstellte, hat sie sich all die Jahre später immer noch ausgezahlt.

 

Ganz gleich, ob Sie Fotograf, Grafikdesigner, Digitalkünstler oder anderweitig kreativ sind, ich empfehle Ihnen dringend, Ihr Handwerk immer mit der Einstellung eines Kindes anzugehen. Halten Sie sich nicht damit auf, alles perfekt zu machen. Seien Sie neugierig und fragen Sie sich: „Was wäre, wenn?“. Manchmal zahlt sich das aus, manchmal aber auch nicht. Der einzige Weg, das herauszufinden, ist, es zu tun.

 

 

Und zu guter Letzt sollten Sie daran denken, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Kleidung.

 
 

Über den Autor – Christian Hoiberg

 

Ich bin Christian Hoiberg, ein international ausgezeichneter norwegischer Landschaftsfotograf. Die Natur und die Fotografie helfen mir dabei abzuschalten, und ich liebe es, die Betrachter meiner Bilder zu den bekannten und unbekannten Orten mitzunehmen, die ich auf dieser Reise besuche.

 

Zurzeit lebe ich auf den malerischen Lofoten und bin umgeben von Bergen, die ich fotografieren und erkunden kann. Wenn ich nicht gerade an einer persönlichen Fotosession teilnehme oder irgendwo in der Arktis Workshops leite, finden Sie mich vor dem Computer, wo ich Lerninhalte vorbereite, die ich für meine CaptureLandscapes-Leser erstelle.

 

Fotografischer Schwerpunkt: Landschaftsfotografie

   

Der Landschaftsfotograf und Datacolor Friends with Vision-Mitglied David Fieldhouse spricht über Bewegung in der Fotografie ‒ vom Versuch, einen präzisen Moment der Stille in der Natur einzufangen, bis hin zur Darstellung der konstanten, dynamischen urbanen Landschaft einer Stadt.

 


 

Als Landschaftsfotograf verbrachte ich so viel Zeit und Aufmerksamkeit damit, ein Bild scharf abzubilden, von den kleinsten Details im Vordergrund bis hin zu den fernen Gipfeln am Horizont, dass mir jedes Konzept, das mit Bewegung zu tun hat, fremd erschien. Warten, bis der Wind nachlässt, damit die Äste der Bäume aufhören zu schwanken, oder das Beschleunigen des Auslösers, um die vorbeiziehenden Wolken „einzufrieren“, waren einige der vielen Techniken, die ich einsetzte, um den gewünschten Look zu erreichen. Als ich jedoch begann, die Stadtlandschaft zu fotografieren, war Stille ein Konzept, das sich plötzlich seltsam fehl am Platz anfühlte.

 
 


 

Rauschender Verkehr, geschäftige Menschen, sogar die wechselnde Neon-Lichtwerbung an den Wänden ‒ die Stadt hat eine ganz andere Dynamik als wenn man am Eingang eines schönen Tals sitzt und darauf wartet, dass das Sonnenlicht den Baum in der Ferne einfängt (auf dem die ganze Komposition sorgfältig aufgebaut ist).

 

Es gibt viele Techniken, die wir anwenden können, um dieses schnelle Tempo einzufangen, aber eine, die ich gerne von Zeit zu Zeit verwende, ist das, was ich als „mäßig lange Belichtung“ bezeichne, besonders bei Nacht. Ich spreche nicht von einer Minute oder zwei oder sogar dreißig Sekunden. In der Stadt bewegen sich die Dinge so schnell, dass keine Spur von der eigentlichen Form übrigbleiben würde. Ich möchte, dass der Betrachter weiß, was er sieht, und nicht nur eine helle Linie auf der Seite, daher reichen oft ein oder zwei Sekunden aus.

 
 


 

Oft als „Light Trails“ bezeichnet, hat die Fotografengemeinschaft sehr geteilte Meinungen dazu. Es ist eine Technik, die viele Amateurfotografen ausprobieren, während sie lernen, den Effekt zu verstehen, den eine Änderung der Verschlusszeit auf das endgültige Bild hat. Mit dem Aufkommen der Digitalkameras ist dies einfacher geworden, da die Ergebnisse sofort auf dem LCD-Display auf der Rückseite der Kamera angezeigt werden. Diese Technik ist sogar mit den heutigen Smartphones möglich. Infolgedessen finden wir viele Beispiele auf SocialMedia-Seiten ‒ einige fantastisch, andere weniger – was vielleicht der Grund dafür ist, dass dieser Trend, wie jeder Trend, oft als Spielerei angesehen wird und von Puristen verpönt ist.

 
 


 

Meiner Meinung nach machen Lichtspuren, sparsam eingesetzt, eine Menge Spaß und das ist es, was 90% der Fotografen von einem Hobby erwarten. Mit Ausnahme eines Stativs ist keine zusätzliche Ausrüstung erforderlich und Lichtspuren bieten eine einzigartige Perspektive auf eine Szene. Sobald Sie die Realität durch Einfrieren (oder zumindest Verlangsamung) der Zeit für diesen kurzen Moment verändert haben, erkennen Sie wunderbar man mit nur wenigen Kniffen man seinen kreativen Spielraum erheblich erweitern kann.

 
 


 

Vielleicht ändern Sie die Farbtöne der Szene, um sie filmischer wirken zu lassen. Vielleicht verändern Sie die Farben in ihrer Gesamtheit oder fügen auffällige Kontraste hinzu. Sie sind nicht mehr gezwungen, dem Betrachter die Realität der Landschaft zu präsentieren, sondern Sie wenden jetzt Techniken an, die den Realismus verändern, um ein Bild zu zeigen, dass das menschliche Auge nicht sehen kann. Vermeiden Sie die Verwendung von Lichtspuren in dem Versuch, eine schlechte Komposition auffälliger zu machen. Arbeiten Sie stattdessen an einer guten Komposition, um ein statisches Bild zu erzeugen, das Ihnen gefällt, und sehen Sie dann, was passiert, wenn Sie mit einem vorbeifahrenden Fahrzeug und einer längeren Verschlusszeit ein wenig Bewegung hinzufügen. Machen Sie es gut, und Sie können fast den Verkehrslärm und eine entfernte Sirene hören.

 
 

Über den Autor – Dave Fieldhouse

 

Ich habe Ende 2012 mit der Fotografie begonnen und seitdem nicht mehr zurückgeblickt. Ich erwarb meine erste DSLR-Kamera und führte ein Online-Diplom durch, um die Grundlagen zu erlernen. Seitdem verbringe ich fast jede freie Minute mit der Fotografie. Die Zeit ist jedoch der limitierende Faktor, sodass Arbeit, Familie und fotografische Ausflüge manchmal schwer unter einen Hut zu bekommen sind. Wenn es die Zeit mal nicht zulässt auf einen Hügel zu steigen, kann ich es trotzdem nicht lassen, und stecke meine Nase in ein Fotobuch oder eine Fotozeitschrift.

   

 

Der Frühling ist schon immer meine Lieblingsjahreszeit gewesen. Er schafft es, alle Bäume in Hülle und Fülle mit Blüten, Farben und Düften zu bedenken, Blumen blühen auf jeder Wiese und auf den Gesichtern aller Menschen ist ein Lächeln der Erleichterung zu sehen. Die Temperaturen steigen an und die Natur erobert sich wie jedes Jahr die Landschaft zurück. Der Schnee schmilzt allmählich, obwohl er dort, wo ich wohne, bis Juni liegen bleibt, und die Seen füllen sich wieder mit Wasser. So kehrt auch der Wunsch in mir zurück, wieder Landschaftsfotos zu machen, und wir beginnen mit der Planung von Wanderungen, um neue Alpenseen zu entdecken, die wir noch nie gesehen haben. Ehe wir uns versehen, ist der wahnsinnige Drang, endlich wieder an und unter den Hängen riesiger Berge zu fotografieren, wieder geweckt.

 

 

Ohne dass es einer Aufforderung bedürfte, sind wir bereit, nach draußen zu gehen und all die wunderbaren Möglichkeiten zu genießen, die die wärmeren Temperaturen und das schmelzende Eis uns bieten. Zuallererst – Klettern! Obwohl der Winter uns Eisklettern und Skifahren beschert, bereitet uns das Felsklettern bei Wärme von Jahr zu Jahr mehr Vergnügen. Das wohl Wichtigste für einen gelungenen Klettertag und gute Fotos sind Freunde. Wenn man mit einem Seil klettert, braucht man mindestens eine weitere Person, die sichert. Sind aber gleich drei oder mehr Leute dabei, ist es noch einfacher, an tolle Fotos zu gelangen, weil man so immer ein Klettermodell hat. Sogar in den letzten Stunden des Tages vor Sonnenuntergang können Sie immer noch neue Orte kletternd erkunden und die goldene Stunde für atemberaubende Bilder nutzen.

 

Für Aufnahmen wie diese empfehle ich, dass Sie eine gute Beziehung zu Ihren Modellen/Freunden haben, damit Sie sie an Orten positionieren können, die eine schöne Bildkomposition ergeben, oder vielleicht sogar den Ort der Aufnahme im Voraus planen. Dies ist überhaupt eine gute Herangehensweise an alle Landschaftsfotos, die Sie im Laufe des Jahres noch machen werden. Versuchen Sie immer, den Standort und die Lichtsituation im Voraus zu studieren und die Standorte zu bestimmen, an denen sich das Motiv noch mehr von der übrigen Landschaft abhebt.

 

 

Vor zwei Jahren habe ich zum Beispiel eine Wanderung zu einem Alpensee in meiner Region organisiert. Wir wussten, dass wir dank der starken Schneeschmelze der Berge, die ein Wasserbecken gebildet hatte, in dem sich die Dolomiten im Hintergrund spiegeln würden, unglaubliche Aufnahmen machen würden. Wir planten das Shooting außerdem so, dass es auf eine Vollmondnacht fiel. Sobald die Sonne untergegangen war, war er da, der Mond mit den ersten Sternen. Wir benutzten ein kleines Funkgerät, um mit dem Modell zu kommunizieren: „Zwei Sekunden lang nicht bewegen…3, 2, 1 und fertig!“ und machten einige unglaubliche Aufnahmen. Ein anderes Mal nutzten wir das leuchtende Grün und die helleren Tage des Frühlings, um einen kleinen See in den Dolomiten zu besuchen und mit ein paar Testaufnahmen ein schönes Bild mit der Spiegelung der Berge im See zu erhalten – trotz des noch hellen Lichts.

 

 

Natürlich kann man auch mal ohne all die sorgfältige Planung ein paar wunderbare Aufnahmen machen. Ich habe eine Menge Fotos in meinem Portfolio, die wir ungeplant gemacht haben, weil wir beschlossen hatten, eine neue Perspektive auf unserer Wanderung auszuprobieren. Wenn man sich an so großartigen Orten wie in den Bergen befindet, ist es besonders wichtig, Fotos aus so vielen verschiedenen Perspektiven wie möglich zu machen – vielleicht nur, um das Motiv und die Berge oder andere, noch viel größere Elemente in Beziehung zueinander zu setzen.

 

Auf einer Wanderung mit einer Gruppe von Freunden bemerkte ich plötzlich, dass die Sonne gerade zwischen den Gipfeln der Dolomiten unterging und einen schmalen Lichtstreifen auf der Wiese zurückließ. Ich zögerte keine Sekunde und bat einige meiner Freunde, langsam weiter dem schlecht markierten Weg zu folgen, und da war die Aufnahme: ein improvisiertes, aber gelungenes Foto.

 

 

Meine Aufnahme „On the Edge“ ist ein weiteres Beispiel dafür, dass ich versucht habe, das Motiv meines Fotos in eine der Landschaft unterlegene Position zu bringen. Es war ein sehr langer Aufnahmetag und wir waren auf dem Weg nach Hause, als ich diesen isolierten Felsturm mit seiner schönen Aussicht auf den Sonnenuntergang im Hintergrund bemerkte. Also positionierten wir das Model direkt an der Kante des Felsens. Unter ihren Füßen war ging es 300 Meter in die Tiefe und sie stand einfach da und bewunderte den Sonnenuntergang.

 

Mit dem Beginn einer neuen Jahreszeit empfehle ich jedem, rauszugehen und so viel wie möglich zu fotografieren! Leider ist dieses Jahr kein Reisejahr, aber nutzen Sie die Gelegenheit, vor der eigenen Haustür auf die Pirsch zu gehen und machen Sie das Beste aus der Situation. Fotografieren Sie die gesamte Schönheit, die auch dieser Frühling bringen wird!

 
 

Über den Autor – Camilla Pizzini

 

 

Camilla Pizzini wurde 1996 in Rovereto, Trentino-Südtirol, Italien, geboren. In ihrer Teenagerzeit hat sie sich in die Fotografie verliebt. Sie erwarb einen Bachelor-Abschluss in Design an der Freien Universität Bozen, der es ihr ermöglichte, ihre Kenntnisse in visueller Kommunikation und zeitgenössischer Kunst zu erweitern.

 

Seitdem arbeitet sie als Fotografin für kommerzielle Aufträge (Firmen-, Event-, Porträt-, Outdoor- und Sportfotografie) und arbeitet an eigenen Projekten.

 

Ihre tägliche Inspiration findet sie in der freien Natur, in den Bergen oder beim Sport.

 

Fotografisches Genre: Outdoor, Landschaft, Sportfotografie

 

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

 

Mein erster Berührungspunkt mit der Fotografie war eher zufällig. Als ich 16 war, bekam mein Bruder eine kleine Bridge-Kamera zum Schulabschluss geschenkt, und ich fing an, damit zu spielen und hier und da, rund um das Haus und im Garten, Details zu fotografieren. Ich verliebte mich sofort in die Bilder, die ich dabei machen konnte. Die Fotografie wurde schnell zu meiner Leidenschaft, und ich wusste, dass ich sie zu meinem Beruf machen wollte: Einige Jahre später begann ich, Fotoshootings zu machen, und ich habe nie damit aufgehört!

 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Ich fotografiere hauptsächlich Landschaft und Natur. Ich betrachte die Natur als mein zweites Zuhause, da ich das Glück hatte, in der Nähe der Dolomiten (UNESCO-Weltnaturerbe) aufzuwachsen. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum ich die Landschaftsfotografie so sehr liebe! Ich versuche, so viel Zeit wie möglich in den Wäldern zu verbringen, denn dort finde ich wieder zu mir selbst. Ich liebe es, neue Umgebungen zu erkunden – mit Menschen, die dieselbe Leidenschaft für Abenteuer teilen. In meinem Berufsleben habe ich mich auf Innenarchitektur-Shootings spezialisiert, sowie auf die Architektur und die Promotion des Gebiets, in dem ich auch lebe.

 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?

 

Meine größte Herausforderung war die Selbstständigkeit, da ich eine sichere Position in der Firma, für die ich gearbeitet habe, verlassen musste. Es war definitiv nicht einfach, mir einen Namen zu erarbeiten, meinen Kundenstamm zu finden und meinen eigenen einzigartigen Stil zu entwickeln. Ich habe noch viel Arbeit vor mir und muss noch viel lernen, aber ich habe das Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin!

 

 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?

 

Meine wohl größte Inspirationsquelle ist die Natur selbst: Sie ist schön und kraftvoll, sehr vielfältig und dynamisch. Die Natur schafft es immer noch, mich jedes Mal mit ihrer Ausdruckskraft und der Atmosphäre, die sie schafft, zu überraschen. Die Natur kann mit ihren unterschiedlichen Lichtern zu verschiedenen Tageszeiten ein breites Spektrum an Emotionen entfesseln: von den Orangetönen, die man bei Sonnenuntergang bewundern kann, über die leuchtenden Rottöne bei Sonnenaufgang bis hin zu den warmen Lichtern der goldenen Stunde und den hellen Grüntönen zur Mittagszeit. Wenn man darüber nachdenkt, schenkt uns die Natur ein Open-Air-Kino, das immer anders und nie trivial oder langweilig ist. Das ist alles, was man sich als Fotograf wünschen kann.

 

Was ist deine Herangehensweise?

 

Ich fotografiere für mich, um Erinnerungen zu schaffen und um zu kommunizieren. Wenn ich etwas fotografiere, ist mein Hauptziel, die Emotionen dieses speziellen Moments zu erfassen, um sie demjenigen zu vermitteln, der das Bild betrachtet – auch wenn es erst Jahre später ist. Mit meinen Bildern möchte ich eine Sammlung all jener magischen Momente schaffen, die helfen, sich an Menschen, Orte, Landschaften, Reize und Stimmungen zu erinnern, die die Natur geschaffen hat. Es ist für mich entscheidend, ein ausgewogenes Bild zu schaffen, mit klaren Linien und harmonisch in seinen Details. Ich versuche immer, Aufnahmen zu erstellen, die minimalistisch sind, um dem Betrachter zu helfen, sich auf das zu konzentrieren, was meine Aufmerksamkeit am meisten erregt hat.

 

 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?

 

Da ich beruflich fotografiere, ist Farbe essentiell und grundlegend für meine Bildbearbeitung: Für mich ist ein Bild dann gut gelungen, wenn es die realen Farben so gut wie möglich wiedergibt. Während meines Bearbeitungsworkflows verwende ich einen Laptop und einen Desktop-Bildschirm, die beide mit Kalibrierungstools wie dem SpyderX kalibriert sind, um meinen Kunden realitätsgetreue Bilder liefern zu können.

 

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Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

 

Ich stehe erst am Anfang meiner Karriere, aber ich würde sagen, übe weiter und experimentiere so viel wie möglich, bis du deinen Weg, deinen Stil und deine Nische gefunden hast.

 

Mein Rat wäre, es weiter zu versuchen, niemals aufzugeben und einfach diesen Job zu genießen, der meiner Meinung nach einer der besten ist, den man ergreifen kann!

 
 

Über den Autor – Elisa Fedrizzi

 

Elisa Fedrizzi wurde 1995 in einer kleinen Stadt in Trentino Südtirol (Italien) geboren. Sie stellt sich selbst gerne mit diesem Satz vor: "Kreativer Kopf seit 1995". Sie ist extrem kreativ und freut sich immer auf das nächste Abenteuer.

 

Nach dem Abschluss des naturwissenschaftlichen Gymnasiums machte sie eine Kehrtwende und beschloss, sich kreativeren Fächern zu widmen. Sie schrieb sich an der Akademie der Schönen Künste in Brescia ein und schloss ihr Studium mit einer Innenarchitektur-Diplomarbeit ab, für die sie die Bestnote erhielt (110/110 mit Auszeichnung).

 

Sie hat diesen Schritt nie bereut und nutzte jede Gelegenheit, um mehr über alles, was mit Kunst und Design zu tun hat, zu erfahren. Das führte dazu, dass sie immer mehr dazu lernte und in verschiedenen Bereichen arbeitete: Innenarchitektur, visuelles, urbanes Design, Webdesign, Grafik und alles, was mit Kunst und Kreativität zu tun hat. Die Auseinandersetzung mit so vielen verschiedenen Bereichen inspirierte sie zutiefst, half ihr aber auch zu verstehen, worauf sie sich wirklich spezialisieren wollte: Fotografie, Grafik- und Innendesign.

 

2019 verließ Elisa ihre Stelle in einem Innenarchitekturbüro, um sich als Fotografin und Designerin selbstständig zu machen. Derzeit arbeitet sie mit Architektur- und Designstudios zusammen, wobei sie hauptsächlich bei den Innenarchitekturprojekten, der Erstellung von 3D-Rendering und CAD 2D, Grundrissen, Farb- und Materialauswahl hilft und für den fotografischen Teil die fertigen Innenräume (Privathäuser und Auftragsarbeiten wie Hotels, Restaurants, etc.) fotografiert. Dies ermöglicht es ihr, eine Brücke zwischen den Dingen, die ihr am Herzen liegen, zu schlagen.

   

 

Während der Winter dem Frühling weicht, hat das Jahr 2021 noch immer nicht die Rückkehr zur Freiheit unseres früheren Lebens gebracht, auf die viele von uns so hoffnungsvoll gewartet hatten. Stattdessen waren die ersten 2 Monate dieses Jahres genauso verwirrend und katastrophal wie es das gesamte Jahr 2020 war. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, habe ich einen optimistischen Blick auf die Modeindustrie geworfen und aus meiner Perspektive als Fashion-Fotografin, für die die Ethik der Branche eine wichtige Rolle spielt, einige Entwicklungen identifiziert, die Hoffnung machen.

 

 

In den letzten Jahren habe ich mich umfassend mit unserem Klimanotstand auseinandergesetzt, insbesondere mit dem Einfluss der Modeindustrie auf den Planeten und meine Rolle, die ich als Modefotografin dabei spiele. Ich muss zugeben, dass es eine ziemlich düstere Lernkurve war. Alles von Textilabfällen über schockierende Deponiestatistiken, Dürren, giftigen Farbstoffen und Arbeitern in der Bekleidungsindustrie, die keinen existenzsichernden Lohn erhalten. Dazu kommt die fehlende Transparenz bei all den einzelnen Kleidungsstücken, die um die ganze Welt geschickt werden, damit dort winzige Anpassungen vorgenommen werden, bevor sie überhaupt in den Handel gelangen. Ich bin jedoch voller Hoffnung ob einiger Lösungen, die der Modemarkt hervorgebracht hat.

 

 

Das Mieten von Mode ist auf dem Vormarsch und in einem Markt, in dem übermäßiger Konsum eines der größten Probleme darstellt (laut Oxfam landen allein in Großbritannien jede Woche fast 13 Millionen Bekleidungsartikel auf der Mülldeponie – das sind 336.000 Tonnen pro Jahr) – ist das Mieten eine vielversprechende Alternative. Laut GlobalData wird der Marktwert des Kleiderverleihs in Großbritannien bis 2029 voraussichtlich 2,3 Milliarden Pfund erreichen – ein ziemlich drastischer Anstieg im Vergleich zu den geschätzten 400 Millionen Pfund im Jahr 2019. Covid-19 hat unsere Art und Weise verändert, wie wir einkaufen und wie wir Mode konsumieren. Die Ungewissheit rund um größere Events und die sich verändernde Arbeitswelt hat dazu geführt, dass der Kauf eines Kleidungsstücks dazu führen kann, dass man es zwar besitzt, aber es nirgendwohin ausführen kann. Mit dem Verleih können Sie etwas einmal tragen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Der Verleih von Mode gibt uns den ersehnten Dopamin-Kick, erkennt dabei aber die Neuheiten und Trends an, von denen die Industrie abhängt, und schont gleichzeitig die Umwelt. Es funktioniert für Verbraucher und Designer gleichermaßen; Designer müssen nicht so viele Kleidungsstücke produzieren und Verbraucher müssen nicht den vollen Preis für ein Teil zahlen, das sie nur einmal oder einige wenige Male tragen. Doch das ist nicht das Ende der Kreislaufwirtschaft in der Modeindustrie.

 

 

Der Markt für den Weiterverkauf von Kleidung, insbesondere im Luxus-Segment, hat in letzter Zeit ebenfalls einen enormen Boom erlebt. Laut Vogue Business wird dieser Teil des Marktes bis 2023 einen Wert von 51 Milliarden Dollar erreichen. Bei neuen Kleidungsstücken sind Marken wie Stella McCartney führend bei der Investition in neue Technologien für eine umweltverträglichere und das Tierwohl berücksichtigende Produktion von Kleidung (wie z. B. im Labor gezüchtete Seide und nachbearbeitetes Kaschmir) und reduzieren nicht nur den Abfall, sondern verarbeiten auch Reststücke zu neuer Kleidung.

 

 

Der Markt für den Weiterverkauf von Kleidung, insbesondere im Luxus-Segment, hat in letzter Zeit ebenfalls einen enormen Boom erlebt. Laut Vogue Business wird dieser Teil des Marktes bis 2023 einen Wert von 51 Milliarden Dollar erreichen. Bei neuen Kleidungsstücken sind Marken wie Stella McCartney führend bei der Investition in neue Technologien für eine umweltverträglichere und das Tierwohl berücksichtigende Produktion von Kleidung (wie z. B. im Labor gezüchtete Seide und nachbearbeitetes Kaschmir) und reduzieren nicht nur den Abfall, sondern verarbeiten auch Reststücke zu neuer Kleidung.

 

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Über die Autorin – Holly McGlynn

 

 

Die in Dublin geborene Fotografin und Friends with Vision Mitglied Holly McGlynn ist in London ansässig. Hollys Werke werden in Magazinen wie Cosmopolitan, Grazia und Glamour vorgestellt. Sie hat auch an Projekten für führende Marken wie Faberge, Chanel, Playboy und Levi’s gearbeitet. Farbe spielt eine große Rolle in der Art und Weise wie sie Weiblichkeit und die Wahrnehmung von Frauen in der Modebranche darstellen möchte. In diesem Blog spricht sie über ihre Reise in die Modefotografie und über Fragen der Präsentation in dieser Branche.

   

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Wie bist du zur Fotografie gekommen?

 

Als Jugendlicher hatte ich auf dem Speicher meiner Eltern einen alten Scharz-Weiß-Vergrösserer und Fotopapier gefunden. Ich kaufte mir für wenig Geld eine gebrauchte Spiegelreflexkamera und richtete mir eine Dunkelkammer ein. Das war der Beginn meiner Leidenschaft für Fotografie die bis heute anhält.

 

 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Über viele Umwege bin ich schließlich bei der Reise- und Strassenportrait-Fotografie gelandet. Mich begeistert der Kontakt zu den Menschen. Für ein gutes Portrait reichen manchmal wenige Minuten, manchmal muss über mehrere Tage Vertrauen aufgebaut werden. Ein Lächeln eines alten Menschen ist dabei genauso motivierend wie lachende und glückliche Kindergesichter.

 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?

 

Mittlerweile bin ich Teil einer weltweiten Community im Bereich der Reisefotografie und werde zu Buchprojekten, Kalendern und Ausstellungen eingeladen. Das möchte ich natürlich gerne weiter pflegen und intensivieren.

 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?

 

Zweifelsohne die Magnum Fotografen und Steve McCurry im Besonderen

 

 

Was ist deine Herangehensweise?

 

Für erfolgreiche Reise- und Strassenportrait-Fotografie benötigt man Zeit. Wichtig ist die Menschen und Gesichter zu finden, dafür muss man viel unterwegs sein. Der nächste Schritt ist der Kontakt, hier benötigt man viel Erfahrung. Natürlich muss man ab und zu auch mit Ablehnung rechnen, das muss man respektieren. Kleine Geschenke helfen, wichtig ist aber auch in der jeweiligen Landessprache einige Sätze zu lernen. Für spezielle Fälle, beispielsweise Naturvölker, ist ein Guide unerläßlich.

 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?

 

Akkurate Farben sind vor allem für Hauttöne wichtig. Hier kann es leicht passieren dass man einen leichten Blau- oder Grünstich erhält, der bei der Bildbearbeitung oft nicht sofort auffällt. Wird das Bild veröffentlich und der Farbstich ist im Vergleich zu den anderen Bildern erkennbar dann ist das sehr ärgerlich. Deshalb sollte man immer auf akkurate Farben achten und den Monitor kalibrieren.

 

 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

 

Die Technik sollte in den Hintergrund treten. Ein gutes Bild ensteht nicht auf Grund von technischen Spezifikationen moderner Digital Kameras, die oft gerne ausführlich in Foren diskutiert werden. Natürlich hilft die Beherrschung des fotografischen Handwerks. Es sind aber oft andere Faktoren die ein Bild aus der Masse der Bilderflut herausstechen lassen. Jedes Genre der Fotografie hat dabei ganz eigene Anforderungen, so dass man keinen allgemeinen Ratschlag geben kann. Hilfreich ist, sich von Vorbildern inspirieren zu lassen, aber auch großen Wert auf seinen eigenen wiederkennbaren Stil zu legen.

 
 

Über den Autor – Dietmar Temps

 

Dietmar Temps ist diplomierter Medien- und Photoingenieur sowie ausgebildeter Fotograf mit über 20 Jahren Berufserfahrung in der Medienbranche. Er lebt in Köln, Deutschland. Seine ersten beruflichen Schritte in der Fotografie konnte er als Fotoassisent in ganz Europe sowie in Amerika sammeln. Im Anschluss studierte er Photo- und Medientechnik an der Technischen Hochschule Köln. Aktuell liegt sein Hauptaugenmerk auf der Realisierung von Foto- und Internetprojekten mit einem starken Fokus auf Reisefotografie, Social Networking und Video Streaming.

 

Auf seinem Travel-Blog schreibt er über seine Fotoreisen an die schönsten Flecken dieser Erde, die er in den zurückliegenden Jahren unternommen hat. Darunter waren viele Reisen nach Afrika, Süd Amerika und Asien.

 

Auf seiner Webseite finden sich zahlreiche Foto-Serien seines fotografischen Schaffens das in Bildbänden, Magazinen und Travel Blogs veröffentlicht wurde.

   

Die Planung und Durchführung eines Fotoshootings kann wie eine Mammutaufgabe wirken. Es ist ein bisschen so wie ich mich gerade fühle, wenn ich auf dieses leere Dokument auf meinem Computermonitor starre und weiß, dass ich die Seite mit Worten füllen muss. Dieser Startmoment ist durchaus entmutigend! Aber das muss so nicht sein – jede einzelne Phase eines Shootings kann angenehm, erfreulich und etwas ganz Besonderes sein. Sie können jeden einzelnen Schritt davon genießen und lieben – Sie müssen nur lernen, wie.
 

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Planung

 

Manche Menschen planen für ihr Leben gern, andere hassen es. Ich bin eine bekennende Planungsliebhaberin. Es gibt nichts, was ich mehr liebe, als am Anfang des Jahres ein neues Tagebuch aufzuschlagen und meine Ziele aufzuschreiben. Aber vielleicht graust es Ihnen bei dem Gedanken! Wie kann man also lernen, den Planungsprozess zu genießen? Egal, ob Sie ein persönliches Projekt aufnehmen oder etwas für einen Kunden planen, Sie müssen sich dafür Zeit und Raum geben. Ich weiß, dass das nicht immer möglich ist, denn manchmal finden Shootings unfassbar kurzfristig statt. Die Planung eines Shootings kann eine Mammutaufgabe sein und viele unbekannte Variablen mit sich bringen, die sich auf das Shooting selbst auswirken. Tun Sie sich selbst und Ihrem Kunden einen Gefallen, indem Sie sich so viel Zeit wie möglich nehmen, jeden Aspekt Ihres Shootings in Ruhe und ohne Stress zu planen, damit das Shooting selbst möglichst reibungslos abläuft.

 

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Genauso wichtig ist es, darüber nachzudenken, wann Sie sich am besten konzentrieren können. Sind Sie ein Morgenmensch oder ein Nachtschwärmer? Ich weiß, dass ich morgens am produktivsten bin, also plane ich für meine Vormittage die Aufgaben, die mehr Konzentration erfordern. Alles, was schwierig ist und viel Energie erfordert, wird in der Regel als erstes am Morgen erledigt. Wenn ich um etwas Schwieriges gebeten werde (z. B. einen Kostenvoranschlag für einen Auftrag zu erstellen) und es ist spät am Tag, funktioniert mein Gehirn einfach nicht und ich empfinde die Aufgabe als kompliziert und frustrierend. Wenn ich aufwache und sie gleich morgens erledige, fällt es mir viel leichter. Ich mag es auch, wenn mein Büro ruhig ist (etwas, worüber mein Freund und ich uns damals in Lockdown 1.0 unterhalten mussten, als er zum ersten Mal von zu Hause aus arbeitete!). Wenn ich plane, kann ich keine Musik laufen lassen und keine Podcasts hören. Vielleicht ist das bei Ihnen anders! Denken Sie darüber nach, wie Ihre Umgebung sein sollte, und tun Sie Ihr Bestes, um Ihren Arbeitsbereich so gut wie möglich auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen.

 

Shooting

 

Es wäre schön, wenn jedes Shooting, das wir durchführen, nichts als reine Freude wäre, aber leider kann die Arbeit am Set sehr stressig sein. Es gibt Dinge, die Sie tun können, um Shootings so stressfrei wie möglich zu gestalten. Der Schlüssel liegt in der Planung. Um einen möglichst entspannten Shooting-Tag zu haben, muss man gut organisiert sein. Ich dachte immer, ich könnte einfach mit einer vagen Vorstellung von dem, was wir machen würden, am Set auftauchen, improvisieren und etwas Tolles produzieren. Damit habe ich mich allerdings geirrt. Die Magie nimmt dann ihren Lauf, wenn man sich vor dem Shooting die Zeit nimmt, alles zu planen. Ich spreche davon, die Belichtung zu planen, zu wissen, wie viele Aufnahmen nötig sind, sich schon im Vorfeld Gedanken über die Storyline zu machen und sicherzustellen, dass man nicht nur alle benötigten Utensilien dabei hat, sondern auch, dass das Equipment einwandfrei funktioniert. Ich persönlich bin ein Freund davon, Shotlists für mich selbst zu erstellen. Meine Zeichnungen sind zumeist schrecklich (meist von Strichmännchen), aber es ist egal, wie sie aussehen. Wichtig ist nur, dass ich mir vor dem Shooting-Tag die Zeit genommen habe, mir für jede Aufnahme Komposition, Posen, Requisiten und Belichtung zu überlegen. Wenn es dann an der Zeit ist, die Kamera in die Hand zu nehmen, weiß ich genau, was ich zu tun habe.

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Zudem empfehle ich Ihnen, sich einen Zeitplan für den Tag zu erstellen, sofern das möglich ist. Ich habe vor etwa zwei Jahren damit angefangen, und diese Vorgehensweise hat sich für mich absolut bewährt. Ich plane den Tag komplett durch, angefangen damit, wann jeder einzelne am Set ankommen sollte, von wann bis wann Make-Up und Haare gemacht werden sollten, bis hin zur Planung, wie viel Zeit jede Aufnahme in Anspruch nehmen sollte. Ich weiß, das klingt nach einer Menge Arbeit, aber es lohnt sich zu 100 %, sich die Zeit dafür zu nehmen. Ich schicke meine Timeline an alle, die am Shooting beteiligt sind, und alle sagen, dass sie unglaublich hilfreich ist und ihnen hilft, den Überblick zu behalten. Mein zusätzlicher Tipp: Nehmen Sie sich mehr Zeit, als Sie denken. Es ist besser, früh fertig zu werden, als Überstunden zu machen!

 
 

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Nachbearbeitung

 

Ich muss gestehen, dass die Nachbearbeitung eines Shootings der Schritt ist, mit dem ich am meisten zu kämpfen habe. Generell bin ich kein Fan davon, stundenlang am Computer zu sitzen und ich mag Hautretusche überhaupt nicht. Aber auch hier habe ich Mittel und Wege gefunden, diesen Teil des Workflows angenehm zu gestalten. Ich habe gelernt, was für mich funktioniert, und Sie können das auch. Zuallererst sollten Sie sich einen guten Schreibtischstuhl besorgen. Wenn Sie stundenlang am Schreibtisch sitzen, müssen Sie es nicht nur bequem haben, sondern auch Ihr Rücken wird es Ihnen danken! Legen Sie gute Musik auf oder hören Sie sich einen tollen Podcast an (ich genieße gerade sehr „The Exposed Negative“ von Greg Funnell und Tom Barnes). Ich weiß, dass manche Leute gerne Filme oder Youtube-Videos anschauen… das geht mir ein bisschen zu weit. Das schaffe ich nicht ganz! Aber wenn das für Sie funktioniert, machen Sie es.

Und schließlich: Investieren Sie in Ihre Fähigkeiten. Nehmen Sie sich die Zeit, zu lernen, wie Ihre Software funktioniert und sie wirklich zu verstehen. Wenn Sie genau wissen, wie etwas funktioniert, sind Sie tausend Mal schneller fertig und empfinden viel weniger Frustration. Investieren Sie also diese Zeit, um zu lernen, wie Sie die Ihnen zur Verfügung stehenden Werkzeuge richtig benutzen.

 
 
Model: Lindsey Isla

 

Da ich als Konzertfotograf mit Acts wie AC/DC, Rammstein, Genesis und vielen anderen mehr weltweit auf Tournee gehe, sind Konzerte bzw. Tourneen eine wichtige Einnahmequelle für mich. Insoweit hat Covid19 nicht nur einen großen, sondern einen fast fatalen Einfluss auf mein Kerngeschäft und damit auf mein Einkommen. Auch meine Arbeit als Lead Photographer für das weltweit wohl erfolgreichste Make-Over-Event „Princess for One Day“ ist durch den vorzeitigen, gesetzlich vorgeschriebenen Tourneeabbruch zum Erliegen gekommen.

 

 

Obwohl die meisten diesjährigen Workshops abgesagt wurden und es unwahrscheinlich scheint, dass es dieses Jahr wieder internationale Konzerte geben wird, habe ich meinen Erfolg aus meiner umfangreichen Business-Lecture Tour auf 1:1 Coachings ausgeweitet, um meine 40+ Jahre Erfahrung an junge Talente weiter zu geben. Unser ehrgeiziges Ziel ist es, trotz Corona den Umsatz des Vorjahres in den nächsten 12 Monaten um 25% zu steigern, und zwar jeweils für die nächsten drei Jahre.

 

 

Glücklicherweise besteht ein großer Teil meines Geschäftsmodells darin, meine Bilder weltweit zu lizensieren und ich konnte in dieser auf vielen Ebenen recht ruhigen Zeit diesen Teil meines Business weiter ausbauen. Da auch meine Workshops abgesagt wurden, hatte ich etwas mehr Zeit, mich auf neue Themen zu fokussieren und mein Ziel, mit anderen Fotografen ein neues, nie da gewesenes Fotoportal aufzubauen, wieder aufnehmen (nach meinem Schlaganfall letztes Jahr musste ich mich aus diesem Projekt zurückziehen).

 

Ich habe neue Techniken in der Postproduktion erforscht und an völlig neuen fotografischen Themen – so z.B. der Foodfotografie – gearbeitet, die ich bis dahin nie verfolgt habe.

 

 

Mein Rat an andere Fotografen in diesen schweren Zeiten ist, den Kopf nicht hängen zu lassen! Es ist eine harte Zeit für alle, und es besteht kein Zweifel, dass uns noch weiterhin herausfordernde Zeiten bevorstehen. Glauben Sie weiterhin an Ihre Arbeit und schaffen Sie weiterhin Bilder, die Sie glücklich machen! Nutzen Sie diese Zeit, um über Ihre Kunst nachzudenken und vielleicht die Postproduktion nachzuholen. Diese Zeiten können sich auch bestens dafür eignen, alte Bilder neu zu bearbeiten. Ich empfehle auch, einen Teil dieser Zeit damit zu verbringen, etwas Neues zu lernen, egal ob es sich dabei um fotografische Techniken oder geschäftliche Dinge handelt. Versuchen wir, uns auf die positiven und nicht nur auf die negativen Aspekte dieser Pandemie zu konzentrieren. Wir werden das schaffen!

 
 

Über den Autor – Guido Karp

 

Guido Karp, geboren 1963 in Rheinland-Pfalz, ist einer der international erfolgreichsten Musik-Fotografen. Er lebt und arbeitet mit seiner Frau Nicole in Los Angeles, Kalifornien. Über 5000 Konzerte und mehr als 1000 LP/CD/ DVD Cover hat er bislang fotografiert, u.a. für Robbie Williams, Michael Jackson, AC/DC, Rolling Stones, Tina Turner, Rammstein, Genesis, PUR, Helene Fischer, Die Flippers…

   

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Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

 

Schon als Kind mochte ich Küstenwanderungen und besuchte Naturschutzgebiete und hatte immer eine Kamera dabei. Meine High School hatte eine Dunkelkammer und mein Kunstlehrer war ein leidenschaftlicher Fotograf, der mich immer ermutigte, meinem Hobby nachzugehen, und eine große Inspiration für mich war. Er erlaubte mir, in den Pausen und zur Mittagszeit die Dunkelkammer zu benutzen und mich für den Kurs GCSE Photography vorzuschlagen, was am Ende meine beste Schulnote war. Das Portfolio, das ich aufgebaut hatte, war stark genug, um mir einen Platz auf dem renommierten heutigen The Arts Institute in Bournemouth zu sichern. Ich habe in den frühen 90ern meinen Abschluss gemacht und dann in verschiedenen fotografischen Jobs gearbeitet, darunter in einem Geschäft für High Street-Fotografie, einem Studio und einer Dunkelkammer. Hochzeiten und Porträts ließen mein Herz nie wirklich höherschlagen, aber in dieser Zeit kaufte ich meinen ersten Computer, Scanner und Drucker und begann damit, alte Fotos (mit Photoshop Version 2) wiederherzustellen und zum ersten Mal digital zu drucken.

 

 

Was ist Ihr fotografischer Schwerpunkt und was hat Sie motiviert, sich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Ich fand irgendwann meine wahre Leidenschaft, als ich anfing, ernsthaft Landschaften zu fotografieren. Dies war zu der Zeit, als ich auf digitale Fotografie umstieg und in der ersten Version von Adobe Lightroom die RAW-Konvertierung lernte. Ich mochte die Freiheit und Kreativität, die die digitale Verarbeitung ermöglichte, und war mehr denn je von der Fotografie begeistert.

 

Was ist bisher Ihr größter Erfolg oder Ihre größte Herausforderung?

 

Mein erster großer Meilenstein war der Gewinn der Kategorie Internationaler Gartenfotograf des Jahres 2012. 2015 wurde ich zum Landschaftsfotografen des Jahres gekürt. Diese und weitere Erfolge haben mich motiviert, weiter zu machen und andere Menschen über alle Aspekte des Fotografierens, Verarbeitens und Druckens zu unterrichten.

 

Wer und/oder was inspiriert Sie am meisten?

 

Das Wetter, die Dramatik einer Szenerie und die sich ständig ändernde Landschaft inspirieren mich permanent. Die wechselnden Farben im Laufe des Jahres faszinieren mich. Mit der gestiegenen Nachfrage über Social Media ist der Konsum von Bildern so hoch wie nie zuvor. Ich lasse mich von der atemberaubenden Arbeit inspirieren, die ich jeden Tag von Freunden und auch mir unbekannten Fotografen sehe, aber mein eigener Stil und meine eigene Richtung sind für mich von grundlegender Bedeutung.

 

Was ist Ihre Herangehensweise? Gibt es etwas, was Sie während eines Shootings erreichen möchten (wie zum Beispiel bestimmte Gefühle auszulösen o.ä.) oder spezielle Techniken, die Sie verwenden?

 

Mein oberstes Ziel ist es, eine emotionale Reaktion auf meine Bilder zu erzeugen. Ich bin nicht bestrebt, einen formelhaften Ansatz zu finden und Techniken zu ändern, die den jeweiligen Bedingungen entsprechen und das Licht und den Ort an einem bestimmten Tag optimal nutzen. Es ist mir wichtig, auf die Szene einzugehen, um sie am Ende in nur zwei Dimensionen zu vermitteln. Da ich drucke, denke ich oft von Anfang an darüber nach, wie die Szene auf Papier aussehen könnte, was Einfluss darauf haben kann, wie ich mein Bild aufbaue und aufnehme.

 

 

Warum sind akkurate Farben in Ihrem Workflow wichtig?

 

Schon während meines Studiums am Art College war ich bei Farben penibel und habe es sehr genossen, Dinge „genau so“ zu hinbekommen. Bei der Verarbeitung von RAW-Dateien ist ein präziser Farbmanagement-Workflow sehr wichtig, damit ich die richtige Stimmung für mein endgültiges Bild erzielen kann. Daher benutze ich den SpyderX. Benutzerdefinierte Farbprofile für die Papiere, auf denen ich drucke, ermöglichen mir einen „Softproof“ meiner Bilder, wodurch ich weniger Tinte und Papier verschwenden muss.
 

Haben Sie Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

 

Ich würde empfehlen, zuerst die Grundlagen zu lernen. Verwenden Sie den manuellen Modus und verstehen Sie die Beziehung zwischen Blende, Verschlusszeit und ISO. Sehen Sie sich einige der Bilder an, die Sie zum ersten Mal dazu bewegt haben, eine Kamera in die Hand zu nehmen. Denken Sie darüber nach, was Sie an diesen Bildern fasziniert. Ist es der Ort, das Licht, die Jahreszeit, das Wetter oder der Bildaufbau? Suchen Sie diese Elemente und planen Sie. Verwenden Sie Apps, um zu bestimmen, zu welcher Tages- und Jahreszeit Sie die besten Chancen haben, diese Komponenten zusammenzuführen. Durchforsten Sie die Wettervorhersagen und gehen Sie vor die Tür um zu testen. Egal wie gut Ihre Bildbearbeitungsfähigkeiten werden, Sie brauchen immer einen guten Bildaufbau und gutes Licht. Wenn Sie mit der Zeit bei der Bearbeitung Ihrer Bilder besser werden, werden Sie dankbar dafür sein, dass Sie sich alte Bilder wieder heraussuchen und sie erneut bearbeiten können.

 
 

Über den Autor – Andy Farrer

 

Andy ist professioneller Landschaftsfotograf, Fine Art Drucker und Fototrainer, der Fotoworkshops in Großbritannien und im Ausland leitet. Er wohnt an der legendären Jurassic Coast in Dorset, Großbritannien, und leidet daher nicht an einem Mangel an Weltklasse-Kulissen, um seiner Leidenschaft für die Erkundung der freien Natur nachzugehen. Sein beeindruckendes Portfolio ist bekannt für seine sorgfältig ausbalancierten Kompositionen und das feine Spiel von Farbe und Tonalität. Er ist bestrebt, die Essenz der Szene zu vermitteln und dem Betrachter das Gefühl zu geben, mit ihm dort gewesen zu sein. 2015 wurde Andy zum Landschaftsfotografen des Jahres gekürt.

 

Fotografisches Genre: Landschaftsfotografie

   

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Biografie: Ich bin Landschaftsfotograf und lebe in der schönen Grafschaft Devon in England. Ich bin jedoch im schottischen Hochland aufgewachsen und hier haben sich die Wurzeln meiner Leidenschaft für die Natur entwickelt. Es war ein idyllischer Ort, um inmitten von Bergen und Seen aufzuwachsen.

 

Nach der Schule zog ich in eine Großstadt und verlor die Verbindung zur Natur. Erst nach einem weiteren Jahrzehnt entdeckte ich meine Liebe zur Natur wieder. Ich entdeckte bald, dass die digitale Fotografie es mir ermöglichte, die Schönheit, die ich sah, festzuhalten und mit der Welt zu teilen.

 

Meine Leidenschaft für die Fotografie wird nur durch meine Liebe zur Natur übertroffen. Ich liebe es, draußen zu sein, und trotz des Elends dieser 3 Uhr morgens Weckrufe gibt es manchmal nichts Besseres, als den Beginn eines neuen Tages zu fotografieren. Meine Freude an der Fotografie geht über die Kamera hinaus und ich bin begeistert davon, Abzüge zu erstellen und meine Abenteuer auf meinem YouTube-Kanal zu teilen.

 

Fotografietyp: Landschaften

 

Wie bist du in die Fotografie eingestiegen?
Mein Einstieg in die Fotografie war ein sehr allmählicher Prozess, der sich mit zunehmendem Interesse an der Natur entwickelte. Meine erste Kamera war eine einfache Filmkamera, mit der ich meine Reisen dokumentierte.

 

 

Als ich anfing, die Hügel und Berge der schottischen Highlands zu erkunden, kam ich zu meiner ersten digitalen Spiegelreflexkamera. An diesem Punkt begann ich mich wirklich für die Kunst der Fotografie zu interessieren. Ich sah so viele erstaunliche Natursehenswürdigkeiten, dass ich sie richtig dokumentieren und mit der Welt teilen wollte.

 

Vor etwa 5 Jahren entschied ich mich, dass ich meine Fotografie ernst nehmen würde, und so begann ich hart zu arbeiten, um mein Handwerk zu verfeinern. Die harte Arbeit hat sich gelohnt, aber das einfache Vergnügen, schöne Bilder von der freien Natur aufzunehmen, treibt meine Fotografie bis heute an.

 

Welche Art von Fotografie machst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?
Mein Schwerpunkt liegt sehr stark auf der Landschaftsfotografie. Im Laufe der Jahre habe ich mich von vielen Landschafts- und Outdoor-Fotografen inspirieren lassen. Sie haben mich nicht nur motiviert, die natürliche Welt zu erforschen, sondern auch zu fotografieren. Es ist jetzt meine Hoffnung, dass meine Fotografie andere Menschen inspirieren wird, ihre natürliche Umgebung zu erkunden.

 

 

Was war deine größte Leistung oder dein größtes Hindernis auf dem Weg dorthin?

Meine bisher größte Errungenschaft war die Platzierung beim Wettbewerb Scottish Landscape Photographer of Year. Ich bin in Schottland aufgewachsen und so war es sehr befriedigend, eine meiner schottischen Landschaftsaufnahmen in einem Buch über die schottische Landschaft erscheinen zu lassen.

 

Wer und/oder was inspiriert dich am meisten?
Landschaftsfotografie kann schwierig sein. Viele frühe Morgenstunden oder späte Tage, aber was mich inspiriert, ist die Aufregung von allem. Sie können die Wettervorhersage nach Belieben überprüfen, aber es gibt immer das unbekannte Element, das eine langweilige Szene in etwas Spektakuläres verwandeln kann. Es ist das Gefühl, dass die nächste Aufnahme etwas Magisches festhällt, das mich inspiriert.

 

Was ist dein Ansatz?
Gibt es etwas Bestimmtes, das du während eines Shootings erreichen willst (z.B. bestimmte Gefühle auslösen, etc.) oder gibt es bestimmte Techniken, die du verwendest? Ich bin ständig auf der Suche nach gutem Licht. Das gibt es in vielen Formen, nicht nur in dramatischen Sonnenaufgängen. Ohne gutes Licht liefern selbst die stärksten Kompositionen kein gutes Foto. Licht kann einer Landschaftsaufnahme wirklich Tiefe und Kontrast verleihen. Ich verbringe fast so viel Zeit mit der Planung eines Shootings wie mit dem Fotografieren.

 

 

Warum ist die genaue Farbgebung in deinem Workflow wichtig?
Farbe war mir schon immer wichtig. Schon bevor ich mit der Veröffentlichung meiner Arbeiten begann, wollte ich sicherstellen, dass die Farbe auf meinen Fotos korrekt ist. Die Farbgenauigkeit ist für mich umso wichtiger geworden, seit ich Drucke mache und meine Bilder in Zeitschriften veröffentlicht werden.

 

Irgendwelche Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade erst ihre Karriere beginnen?
Praxis! Übe Deine Fotografie so oft Du kannst. Selbst wenn das Wetter übel ist, gehe mit Ihrer Kamera raus. Fotografie ist eine Fähigkeit, und wie jede andere Fähigkeit musst du sie üben. Wenn Du die ideale Bedingungen für ein Foto vorfindest, muss die Handhabung der Kamera leicht von der Hand gehen. Die Kamera muss quasi Teil Deines Körpers werden.

 

Kamtschatka – für Naturliebhaber, Globetrotter und Fotografen klingt der Name wie Musik in den Ohren. Die russische Halbinsel spielt ganz oben mit bei den großen Sehnsuchtszielen. Mit einer der letzten wirklich wilden Landschaften unserer Erde braucht Kamtschatka sich nicht hinter Top-Fotodestinationen wie Patagonien oder Island zu verstecken. Nur ist hier viel weniger los und man muss nicht mit zig anderen Fotografen um die besten Fotoplätze buhlen. Kamtschatka stand deshalb schon lange auf der Wunschliste von mir.

 

Vorposten zwischen den Welten

 

Kamtschatka liegt für den Mitteleuropäer so ziemlich am anderen Ende der Welt. Gut 9000 Kilometer, ungefähr zwölf Stunden Flug und elf Zeitzonen trennen die russische Halbinsel von Deutschland. Kamtschatka liegt im Fernen Osten, ist äußerster Vorposten Eurasiens, gelegen zwischen dem Beringmeer, dem Nordpazifik und dem Ochotskischen Meer. Im Süden ist Japan nicht mehr fern, im Osten grenzt sie an Alaska. In Zeiten des Kalten Krieges war Kamtschatka der östlichste Zipfel des Eisernen Vorhangs. Hier fand das einzige direkte Vis-a-vis der beiden Großmächte UdSSR und USA auf ihren eigenen Territorien statt. Aufgrund dieser exponierten Lage war die Halbinsel über 50 Jahre lang striktes militärisches Sperrgebiet. Nur einige ausgewählte Bürger der UdSSR durften das Gebiet mit einer Sondergenehmigung betreten. Erst seit 1990 ist die Kamtschatka-Halbinsel überhaupt für Besucher zugänglich, der Tourismus steckt bis heute noch in den Kinderschuhen.

 

 

Wo Einsamkeit nicht nur ein Werbeslogan ist

 

Wie die meisten Besucher erreichen wir die Halbinsel über den Flughafen Elisowo bei Petropawlowsk-Kamtschatski, der mit ca. 180.000 Einwohnern größten Stadt Kamtschatkas. Die Kapitale liegt malerisch an der Awatcha-Bucht, einem der weltweit größten Naturhäfen. Weniger idyllisch ist der Stadt selbst: riesige marode Plattenbausiedlungen und die ein oder andere Lenin-Statur lassen einem den Atem der Sowjetära noch ganz deutlich spüren und versprühen einen etwas morbiden Charme. Doch wir sind ja auch nicht für einen hippen Städtetrip hier. Am Horizont erinnern uns die gewaltigen, schneebedeckten Bergsilhouetten von Avachinsksy und Koryaksky daran, weshalb wir eigentlich hergekommen sind.

 

Unser Ziel ist die archaische Vulkanlandschaft Kamtschatkas und eine noch weitgehend intakte, echte Wildnis. Und davon gibt es hier reichlich. Mit 370.000 km² ist die ostsibirische Halbinsel gute fünf Prozent größer als ganz Deutschland. Doch gerade einmal 300.000 Einwohner verteilen sich auf die riesige Fläche, wovon der überwiegende Teil in der Inselhauptstadt lebt. Folglich trifft man unterwegs nicht viele Menschen, dafür aber auf viel Einsamkeit, Natur und Wildlife.

 

Abenteuer-Modus an

 

Das passende Gefährt für Wildnis-Abenteuer ist ein alter russischer KAMAZ-Truck. Dabei handelt es sich um einen umgebauten Militärtransporter, der mit 6 Rädern und Allradantrieb gerade recht für das schwierige Terrain Kamtschatkas ist. Er wird unser Wohnzimmer für die nächsten zwei Wochen sein. „Namaste“ steht vorn auf dem Truck. Vielleicht deshalb, weil unser Fahrer Andrej eine Art Local Hero ist. Er gilt nämlich als einer der versiertesten Fahrer auf der Insel und wird in den nächsten Tagen auch wahnwitzigste Strecken mit unserem motorisierten 6WD-Monster meistern.

 

Taiga und Tundra

 

Unendliche Weite. Dass das hier nicht nur eine Werbeplattitüde aus dem Reisekatalog ist, davon können wir uns gleich am ersten Tag der Tour überzeugen. Mehr als 700 Kilometer holpern wir über schnurgerade, scheinbar endlose Wellblechpisten durch die Taiga, die für Sibirien so typische Landschaft, die man aber auch in Alaska oder Nordnorwegen findet. Taiga (тайга) bedeutet auf Russisch so viel wie „undurchdringlicher, sumpfiger Wald“. Die Kulisse macht ihrem Namen alle Ehre. Stundenlang rauscht das liebliche, aber immer selbe Bild an uns vorbei: Birke, Zirbelkiefer, Birke, Zirbelkiefer. Die grüne Monotonie hat fast schon eine hypnotische Wirkung auf mich. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen, nur alle paar Stunden taucht ein kleines Dorf aus dem Nichts auf. Dann und wann wird die Fahrt unterbrochen, weil Baumstämme oder dichte Vegetation die Piste versperren. Wenn wir dann aussteigen und in den morastigen Boden einsinken, erwarten uns schon Heerscharen von blutrünstigen Moskitos, die sich hier pudelwohl fühlen. Genauso wohl wie der Braunbär, das Wahrzeichen Kamtschatkas. Wir bekommen ihn aber heute nicht zu Gesicht. Noch nicht.

 

Nach zehn Stunden wird der Wald plötzlich lichter, die Vegetation immer karger, die Blicke öffnen sich. Wir haben die Tundra erreicht. Irgendwann kommen wir an einem reißenden, aschgrauen Strom an. Etwas mulmig ist uns schon zumute, als Andrej unseren Truck durch die tobenden Fluten manövriert und das ganze Fahrzeug bedrohlich vibriert und gluckert, als würde es gleich in Millionen Einzelteile zerbersten. Nachdem wir diese Barriere geschafft haben, geht es dann nur noch steil bergauf.

 

 

Gelandet auf einem anderen Planeten

 

Als wir schließlich oben auf dem Hochplateau ankommen, wähnen wir uns auf einen anderen Planeten. Nicht von ungefähr diente die Mondlandschaft hier oben den russischen Kosmonauten als Übungsterrain für ihre Weltraummissionen. Pechschwarzer Vulkansand soweit das Auge reicht, dazwischen immer wieder unwirklich scheinende, neongrüne Moosformationen. Über uns düstere Wolken, aus denen hier und da feurig leuchtende Bergkuppen auftauchen. Begleitet von peitschenden Orkanböen und feinem Regen bauen wir unser Basecamp auf. Bevor es steht, müssen wir aufpassen, dass uns die Zeltbahnen nicht vom Wind aus der Hand gerissen werden. Ein Gutes hat der Orkan, er vertreibt zum Abend die dunklen Wolken, sodass unserem ersten Shooting nichts im Wege steht. Gut so, denn hier oben finden wir ein wahres Paradies für die Landschaftsfotografie vor.

 

Himmlische Hölle

 

Mit mehr als 300 Vulkanen – 30 davon sind noch aktiv – wird Kamtschatka auch als „Land des Feuers und des Eises“ bezeichnet. Genaugenommen ist es das vulkanischste Gebiet auf dem eurasischen Kontinent überhaupt. Wirklich eine himmlische Hölle. Und wir sind mitten drin, im Naturpark Kljutschewskoi. Seit 1996 steht diese Vulkanregion zusammen mit anderen Schutzgebieten Kamtschatkas auf der UNESCO-Weltnaturerbe-Liste. Der Star ist der namensgebende Kljutschewskoi, der mit stolzen 4835 Metern höchste Vulkan Eurasiens.

 

Er ist nicht nur einer der größten, sondern auch einer der aktivsten Vulkane der Welt. Im Durchschnitt bricht er alle paar Jahre aus. Momentan gönnt er sich aber eine Ruhepause und wir campen direkt am Rand seiner weit auslaufenden Flanken. Nachdem wir ihn erst gar nicht zu Gesicht bekommen, weil er sich in dicke Nebelschwaden hüllt, empfängt er uns eines Morgens glühend und mit Entourage aus UFO-Wolken. Aber auch viele andere seiner insgesamt 11 vulkanischen Geschwister nehmen wir ins Visier, wie den Tolbatschik oder den Kamen.

 

Das ganze Gebiet ist gerade einmal schätzungsweise 5000 Jahre alt, geologisch gesehen also noch im Kindesalter und damit entsprechend aktiv. Alle paar Jahre gibt es Eruptionen, Lavaströme und Erdbeben und formen die bizarre Landschaft immer wieder neu. Die Natur zerstört und erschafft: neues Leben und eine unendliche Vielfalt von Motiven für uns Landschaftsfotografen.

 

Wir sehen verbrannte Erde und tote Wälder, bestaunen unzählige Vulkanschlote, die in den unglaublichsten Farben leuchten. Erleben majestätische Blicke auf schneebedeckte Vulkankegel, die mit ihrer perfekten Dreiecksform wie gemalt aussehen. Sie werden eingerahmt durch die sanft gewellten, saftig grünen Tundraberge.

 

Wir haben ein Tet-a-tet mit der Sibirischen Unterwelt, denn auch unter der Oberfläche hat Kamtschatka fotografisch einiges zu bieten. Zum einen gibt es bizarr geformte Lavahöhlen, die sich bei den letzten Eruptionen durch flüssiges Magma gebildet haben. Eine andere unterirdische Attraktion sind die blau schimmernden, tropfenden Eishöhlen unter den vergletscherten Vulkanen. Beides ideale Spots, um unseren Fotos mit etwas Lightpainting einen speziellen Touch zu verleihen.

 

Auch auf tierisches Leben treffen wir immer wieder. Die allgegenwärtigen Ziesel erfreuen uns immer wieder mit ihren frechen Späßen. Hier und da pfeift ein Murmeltier aus seinem Erdloch. Und schließlich treffen wir auch auf das Wahrzeichen Kamtschatkas: der Sibirische Braunbär geht mehrmals auf Tuchfühlung mit uns, zum Glück immer in gebührender Entfernung.

 

 

Mutnowski und Gorely

 

Nach einigen Tagen reisen wir in eine andere Region im Süden Kamtschatkas. Wieder geht es hunderte Kilometer durch die unendliche Taiga. Das ist es uns aber wert, denn eine Trekkingtour in das Innere des Vulkans Mutnowski gilt vielen Kamtschatka-Reisenden als einer der Höhepunkte. Dieses Gebiet ist vulkanisch äußerst aktiv, überall zischt und raucht es. Holpernd geht es über Blocklavaströme und Schneefelder bis direkt zum Fuß des 2323 m hohen Vulkans.

 

Über eine Schneise in der Kraterwand betreten wir das Innere des Kraters. Aus Öffnungen im Gletscher steigen gewaltige Wasserdampfsäulen in den subarktischen Himmel. Und noch tiefer, in diese von Feuer und Eis gestaltete Welt, führt uns der Pfad hinein bis zu den Fumarolenfeldern, zu bunten Säurepools mit giftig-grünen Schwefelablagerungen und blubbernden Schlammvulkanen. Den Abschluss des Trekkings bildet der hinterste Kratersee, dessen schwefelsäurehaltiges, türkises Wasser durch kunterbunte Wände eingerahmt wird und in den ein Hanggletscher kalbt. Auf der anderen Seite klettern wir über Seile hinauf in schwindelerregende Höhen und blicken direkt hinein in den dampfenden Krater. Zu Sonnenuntergang besuchen wir noch einen Canyon in den ein gut 200 Meter hoher Wasserfall in die Tiefe rauscht.
Zum Abschied, nach einer ziemlich kurzen Nacht, erklimmen wir noch den Gorely, der nur durch ein Tal getrennt auf der anderen Seite liegt. Um 2 Uhr morgens schrillt gnadenlos der Wecker durch die Einsamkeit. Es ist stockfinster, nebelig, furchtbar kalt und ich torkle vor Müdigkeit. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um den ziemlich steilen Weg zum Krater auf gut 1900 m hinaufzuwandern. Gut drei Stunden und über tausend Höhenmeter später kommen wir gerade noch rechtzeitig bei Tagesanbruch oben am Vulkankrater an. Doch oh weh, es ist alles zugenebelt. Keine zehn Minuten lichtet sich der Nebel und die Sonne geht als glühender Feuerball auf, eingerahmt von einem riesigen purpurroten Haloring. Die nächsten 30 Minuten ändert das Licht fast sekündlich die Farbe, lässt die Wolken regelrecht brennen und taucht die urzeitliche Berglandschaft immer wieder in neue Stimmungen. Für Sekunden geben die Nebelschwaden immer wieder Blicke auf die höchsten Vulkankegel frei. Schließlich berühren die ersten Sonnenstrahlen den Boden und das Licht der goldenen Stunde zaubert neue Fotomotive. Was für ein Abschied von dieser bizarren, wunderschönen Insel aus Feuer und Eis.

 

David Köster ist Datacolor Friends with Vision-Fotograf und nutzt zur Nachbearbeitung seiner Bilder einen kalibrierten Monitor. Zum Einsatz kommt hier ein SpyderX Elite.

 
  Über den Autor – David Koester  
David Koester Photography

David Köster ist ein deutscher Landschaftsfotograf, Fototrainer und Buchautor. Seine Bilder bestechen durch wilde, epische Naturszenerien. Köster erstellt mithilfe dramatischer Perspektiven, stimmungsvoller Bildsprache und dem systematischen Einsatz natürlichen Lichts Kunstwerke, die häufig wie gemalte Bilder wirken und nicht wie Fotos. David wurden bereits mehrere internationale Auszeichnungen für seine künstlerischen Bilder verliehen, die überwiegend von Agenturen, Verlagen und Onlinemedien auf der ganzen Welt verwendet werden. Seit 2015 gibt David auch Landschaftsfotografie-Workshops. Im Januar 2019 erscheint sein neues Buch über die Kunst der Landschaftsfotografie, erhältlich im Humboldt Verlag.

   

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Wie bist du zur Fotografie gekommen?

 

Der Funke für die Fotografie entfachte sich auf Reisen durch Südostasien. Das Erlebnis fühlte sich an, als müsste es durch Bilder dokumentiert werden, und eine Kamera wurde gekauft, um die besonderen Momente festzuhalten. Das Eintauchen in die freie Natur durch alle Elemente ist sehr reizvoll und der Gedanke, der meine Fotografie bis in die Gegenwart antreibt.

 

Welche Art von Fotografie machst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Das Meer ist faszinierend und Küstenszenen sind meine persönliche Präferenz. Die vielen verschiedenen Stimmungen des Ozeans, von den ruhigen und gelassenen bis hin zu den dramatischen und kraftvollen, die die Küste immer liefert.

 

Was war deine größte Leistung oder dein größtes Hindernis auf dem Weg dorthin?

 

Die größte Herausforderung bei meinem fotografischen Schaffen ist zweifellos die Gischt der aufgewühlten See. Wenn du nicht aufpasst, ruiniert die Gischt dein Bild samt Kameraausrüstung!

 

 

Wer und/oder was inspiriert dich am meisten?

 

Der größte Teil meiner Inspiration kommt aus dem Meer. Vor allem, wenn die atlantischen Wettersysteme starke Stürme erzeugen, überwiegen der Nervenkitzel und die Aufregung bei weitem die Aussicht, sich auf den Weg zu machen und gegen die Elemente zu kämpfen. Keine Welle ist wie die andere, jede Welle ist einzigartig, und das ist aus fotografischer Sicht besonders attraktiv.

 

Was ist Ihr Ansatz? Gibt es etwas Bestimmtes, das Dich während eines Shootings zu erreichen versuchen (z.B. bestimmte Gefühle auslösen, etc.) oder gibt es bestimmte Techniken, die du anwendest?

 

Es wird oft an ein Bild gedacht, bevor man sich auf den Weg zu einem Shooting macht. Es geht nur darum, die Vision in die Realität umzusetzen. Dies wird oft mit Kameratechniken wie der kreativen Nutzung der Verschlusszeit erreicht. Die Aufnahme der richtigen Bewegung, die gut im Bild funktioniert, steht immer ganz oben auf der Liste. Alles andere basiert dann darauf. Die richtige Perspektive der Welle zu erhalten ist ebenfalls sehr wichtig und trägt zu einem guten Bild bei. Der nützlichste Rat für die Wellenfotografie ist, mehr Zeit damit zu verbringen, die Wellen zu beobachten, anstatt tatsächliche Fotos zu machen. Erfahren Sie, wie Wellen interagieren und welche Muster sie erzeugen. So erhalten Sie ein Gespür dafür, wann Sie am besten den Auslöser drücken.

 

Warum ist die genaue Farbgebung in Deinem Workflow wichtig?

 

Die Grundlagen der korrekten Farbbalance sind für die Fotografie unerlässlich und geben dem Bild die Wirkung und Farbe, die für den endgültigen Druck notwendig ist. Farben sind so wichtig und wenn Ihr System vollständig kalibriert ist, haben Sie den optimalen Bezugspunkt und die Gewissheit, dass das Endergebnis korrekt ist.

 

 

Irgendwelche Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade erst ihre Karriere beginnen?
Der Markt wird überschwemmt mit fantastischen Bildern. Als Fotograf seinen eigenen Stil zu finden, ist nicht etwas, das erzwungen werden kann. Sie müssen zwar dran arbeiten, doch irgendwann ist er dann da, bevor Sie merken, dass es tatsächlich passiert ist. Wenn die Arbeit eines Fotografen inspiriert, sollten Sie verstehen und untersuchen, warum seine Arbeit so ansprechend ist. Die Schaffung ihres eigenen Stils ist ihr Alleinstellungsmerkmal und verschafft ihnen somit einen Vorteil in einer hart umkämpften Branche.

Mark Dobson benutzt für die Kalibrierung seines Monitors einen SpyderX Elite

 
 

Über den Autor – Mark Dobson

 

Zu Hause im äußersten Südwesten von Cornwall (UK)

 

Fotografie ist eine Vollzeitbeschäftigung und meine Karriere. Meine berufliche Laufbahn begann im Februar 2018. Bisher wurden meine Bilder vom Meer in nationalen Fotomagazinen veröffentlicht, in einer Londoner Galerie ausgestellt und in einem nationalen Wettbewerb ausgezeichnet (Coastal View Winner 2019 - Shipwrecked Mariners Ultimate Sea View Awards).

 

Man findet mich immer in der Nähe des Meeres wo ich in Großbritannien Fotoworkshops an der Küste von Cornwall organisiere und leite und auch in verschiedenen Teilen der Welt. Zurzeit arbeite ich mit anderen britischen Meeresfotografen zusammen und erweitere die Fotoworkshops.

 

Fotografisches Genre: Seelandschaften und Wellenfotografie

   

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Wie bist Du in die Fotografie eingestiegen?

 

Ich war schon immer ein kreativer Mensch. Ich habe früher Musik geschrieben, bevor die Fotografie mein Leben überholte. Über ein Familienmitglied kam ich in Kontakt mit Drohnen. Als ich zum ersten Mal zusah, wie es flog und die Perspektiven sah, die man einfangen kann, war ich begeistert! Ich wusste, dass ich so eine haben musste, um meinen kreativen Durst zu stillen!

 

Sandrush

 

Sandrush.jpg:
Glaubst du, der Surfer weiß, dass er von einer riesigen Sandwolke aufgefressen wird? Das ist es, was ich an der „Top-Down“-Perspektive aus einer Drohne liebe, die Welt so zu sehen, wie man sie nicht vom Boden aus sehen würde. Die Farben, Formen und Texturen des Meeres von hier oben scheinen nie zu enttäuschen.

 

Der Sand wurde von einer vorbeiziehenden Welle vom Meeresboden aufgewirbelt und formte diese riesige, seepferdchenförmige Sandwolke. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Surfer von der Anwesenheit der Sandwolke nichts weiß, nicht dass es ihm Schaden zufügen könnte, mehr von dem Punkt aus gesehen, dass es einfach ein ziemlich faszinierendes Bild wurde!

 

Es war ziemlich spektakulär, die Sandwolke wachsen und Gestalt annehmen zu sehen, kurz nachdem die Welle vorbei war. Bei diesem Bild kam es vor allem auf Geduld und Timing an. Ich wollte wirklich diese Trennung zwischen Meer, Surfer und Sandwolke erreichen. Wäre die die Aufnahmen zu früh entstanden, hätte die Sandwolke weder so groß ausgesehen noch die gleiche Form gehabt. Etwas zu spät und der Surfer wäre von der Wolke eingeschlossen worden.

 

Welche Art von Fotografie machst Du und was hat dich motiviert, Dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Ich denke, was mich bei der Luftbildfotografie am meisten motiviert, sind die Perspektiven, die man einfangen kann und die damit verbundene Freiheit. Es gibt bereits ein massives Gefühl der Freiheit an der Küste, aber die Verwendung einer Drohne zum Erkunden macht das Gefühl viel intensiver. Außerdem fühlt es sich für mich viel kreativer an. Bilder und Winkel aufnehmen, die man im täglichen Leben nicht sieht.

 

Ich bin ein großer Fan von Meereslandschaften und es ist erstaunlich, wie unterschiedlich das Meer von oben nach unten aussehen kann. Ich finde es aufregend, auf dem Weg nach draußen und ohne zu wissen, auf welche coolen abstrakten Aufnahmen man stoßen kann. Jeder Tag ist anders und es gibt immer ein Juwel zu finden.

 

Was war Deine größte Leistung oder Dein größtes Hindernis auf dem Weg dorthin?

 

Meine PFCO (Genehmigung für den kommerziellen Betrieb) zu erhalten, war eine ziemlich große Leistung für mich, da es mir erlaubte, meine Bilder zu verkaufen und kommerziell mit der Drohne zu arbeiten.

 

Um ehrlich zu sein, habe ich das Gefühl, dass meine ganze Reise bisher eine große Leistung für mich war. Ich habe das Gefühl, dass ich in kurzer Zeit ziemlich weit gekommen bin. Wenn du mir vor zwei Jahren gesagt hättest, dass ich meine Arbeit verkaufen, Bilder in Galerien zeigen und mit großen Marken zusammenarbeiten würde, hätte ich dir nie geglaubt. Natürlich war die Reise nicht ganz einfach, es war definitiv auch eine Lernkurve.

 

St ives

 

St. Ives ist für mich wahrscheinlich einer der schönsten Orte in Cornwall. Mit seinem malerischen Hafen, den Quirky-Gebäuden und den atemberaubenden Stränden gibt es so viele Fotomöglichkeiten.

 

Ich wollte zeigen, wie farbenfroh St. Ives sein kann, denn wenn die Sonne hier untergeht, werden die Farben wirklich so satt und lebendig, dass man sich wie eine Biene fühlt, wie hypnotisiert von all den schönen Blumen.

 

Natürlich gibt es hier nicht jeden Abend schöne Sonnenuntergänge (leider)…… Man muss die Bedingungen so nehmen wie sie sind und hoffen, dass Mutter Natur dich vielleicht auch einfach beschenkt. Der Zufall oder das Glück spielen meiner Fotografie auch eine Rolle.

 

Das Wichtigste für mich bei Landschaftsaufnahmen aus der Luft ist eine gute Beleuchtung. Wenn ich mit einer Komposition zufrieden bin, versuche ich, die Landschaft den Rest der Geschichte erzählen zu lassen…. Ich benutzte einen Polarpro Gradientenfilter, um etwas Licht vom Himmel fernzuhalten, um ein weniger kontrastreiches und flacheres Bild zu erhalten. Auf diese Weise kann ich verhindern, dass ich nicht zu viel Rauschen ins Bild bekomme, wenn ich die Schatten im Vordergrund aufstelle.

 

Tidal Pools

 

Gezeitenbecken an den Sandbänken der Kamelmündung. Während sich die Flut zurückzieht, wird in der Mitte der Mündung eine riesige Sandbank sichtbar. Der Sand wird von den laufenden Gezeiten geformt und hinterlässt diese eher exotisch aussehenden Gezeitenbecken.

 

Bei Ebbe bleiben die Boote gestrandet zurück. Die Menschen habe dann nichts besseres zu tun als sich alte Geschichten zu erzählen, ihre Boote zu reinigen und auf die einsetzte Flut zu warten, die ihre Boote wieder zum Schwimmen bringt.

 

Wer und/oder was inspiriert Dich am meisten?

 

Es gibt definitiv andere Fotografen da draußen, die mich inspirieren, kreativ zu werden, aber im Prinzip bin ich alleine schon durch meinen Drang inspiriert, mich zu verbessern und einfach jeden Tag etwas dazuzulernen. Ich bin auch sehr inspiriert von meiner Umgebung. Der Ozean ist ein erstaunlicher Ort, wie man in seiner Nähe sein kann und sich nicht inspiriert fühlt, das könnte ich nicht nachvollziehen.

 

Was ist Ihr Ansatz? Gibt es etwas Bestimmtes, das Du während eines Shootings erreichen willst (z.B. bestimmte Gefühle auslösen, etc.) oder gibt es bestimmte Techniken, die Du verwendest?

 

Für mich hängt es wirklich vom Tag ab. Ich fotografiere hauptsächlich Küstenbilder, so dass das Meer eines Tages flach und ruhig sein kann, an einem anderen Tag könnte es rau und riesig sein. Ich versuche wirklich nur zu improvisieren und auf dem aufzubauen, was bereits da ist.

 

Wenn sich viel Wasser bewegt, kann ich versuchen, eine Belichtung von 1-3 Sekunden aufzunehmen und mich auf die Energie und Bewegung des Meeres zu konzentrieren. An einem ruhigen Tag werde ich eher einen Landschaftsansatz verfolgen und mich mehr auf die Umgebung konzentrieren. Manchmal kann ich mich an einen Ort mit einer bestimmten Aufnahme im Hinterkopf begeben, um dann leider festzustellen, dass es nicht funktionieren wird, wie ich es beabsichtigt habe, oder ich könnte eine viel interessantere Aufnahme finden. Ich denke, es gibt viele Faktoren, die bei einer Aufnahme ins Spiel kommen; das Wetter, die Tageszeit, die eintreffende Flut, die Wellengröße oder der Wellengang sind nur einige Beispiele.

 

Warum ist die genaue Farbgebung in Deinem Workflow wichtig?

 

Ich verkaufe meine Bilder und zeige meine Arbeiten in Galerien, so dass ich sehr genau weiß, wie wichtig eine genaue Farbe ist. Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Bild drucken zu lassen, um dann herauszufinden, dass die Farben weit entfernt sind oder der Kontrast einfach nicht stimmt. Du kannst dir eine Menge Zeit und Mühe sparen, indem du deinen Bildschirm von Anfang an kalibrierst.

 

Tidal Islands

 

Die Ebbe an der Camel-Mündung bietet einige erstaunliche abstrakte Ausblicke von oben. Während sich das Wasser mit der abklingenden Flut zurückzieht, beginnen sich die Sandbänke in der Mitte der Mündung langsam zu zeigen. Die Muster und Texturen des neu entstandenen Sandes können wirklich ein etwas surreal wirkendes Bild ergeben. Ich denke, das Boot fügt hier eine schöne Größe hinzu und lässt einen vielleicht fragen, ob dies ein Ort ist, den man tatsächlich zu Fuß erkunden kann?

 

Obwohl die Komposition sehr einfach ist, habe ich das Gefühl, dass sie stimmig ist. Der Blick des Betrachters wird von oben links durch die Strukturen im Sand nach rechts unten geführt.

 

Seascape

 

Irgendwelche Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade erst ihre Karriere beginnen?

 

Hab keine Angst, anders zu sein. Wenn du wirklich willst, dass sich deine Arbeit von der Masse abhebt, dann ist es ratsam nicht der Masse zu folgen.

 

Gleichzeitig musst du Freude an dem haben, was du tust. Finde deinen Stil, der dir gefällt und denke darüber nach, wie du ihn verfeinern und besonders machen kannst. Es wird nicht über Nacht passieren und du wirst einige Misserfolge auf dem Weg haben, aber es geht darum, aus den Fehlern zu lernen und sich zu verbessern. Vor allem… genieße diese Reise.

 

Warren kalibriert seinen Monitor mit einem Spyder X Elite.

 
 

Über den Autor – Matt Warren

 

Ich bin ein professioneller Drohnenfotograf und bildender Künstler mit Sitz in Cornwall UK. Die meiste Zeit verbringe ich damit, die riesige Küstenlinie zu erkunden und einzigartige Perspektiven für meine Fotografie zu finden. Ich bin wirklich in den Ozean verliebt und denke, dass es ein erstaunliches Motiv ist du ideal für die Drohnenfotografie.

 

Die Küste von Cornwalls kann sehr dramatisch sein und mit ihren ständigen Wetteränderungen bedeutet dies, dass keine zwei Tage gleich sind.

 

Meine Bilder sind lebendig und oft traumhaft. Für mich ist die Aufnahme des Bildes erst der Anfang. Der größte Teil der Arbeit wird in der Bearbeitungsphase erledigt, wo ich versuche, dem Bild noch mehr Leben einzuhauchen und ihm meinem eigenen Stil zu geben.

 

Ich biete Drucke zum Kauf an und meine Arbeiten sind in vielen lokalen Galerien ausgestellt. Ich mache auch viele kommerzielle Luftaufnahmen für Marken/Firmen.

 

Fotografietyp: Drohnenfotografie/Videografie

   

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Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

 

Ich habe 2013, als meine erste Tochter geboren wurde, angefangen, mit einer DSLR zu fotografieren. Wie so viele andere Väter wollte ich das Heranwachsen meiner Familie dokumentieren. Meine Frau hat Kunst studiert und daher ein sehr künstlerisches Auge und ich habe das Glück, mit ihr jemanden zu haben, der mir ehrliche Kritik gibt. In den Anfängen habe ich mich jeden Tag mit der Fotografie auseinandergesetzt und mir selbst vieles beigebracht und auch täglich geübt.

 

Was ist Ihr fotografischer Schwerpunkt und was hat Sie motiviert, sich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

2015 traf ich zwei aufstrebende Fotografen, die mir ihre Leidenschaft für Architekturfotografie weitergaben. Durch ihre Inspiration habe ich gelernt, auf Symmetrie zu achten und besonderen Wert auf meine Komposition und Linienführung zu legen. Wir leben in London und haben alle Arten von Architektur. Wir finden oft ein klassisches Juwel inmitten moderner Wolkenkratzer. Ich bin London sehr dankbar, weil es meine Leidenschaft für dieses Genre weiter befeuert.

 

 

Was ist bisher Ihr größter Erfolg oder Ihre größte Herausforderung?

 

Eine der größten Herausforderungen ist es, einen völlig leeren Raum zu fotografieren und weil es so schwierig ist, bereite ich mich genau vor, um die besten Bedingungen zu nutzen, d.h. ich versuche, die Tage für meine Besuche zu nutzen an denen am wenigsten los ist, und früh aufzustehen, um als Erster vor Ort zu sein. In London können Innenräume deshalb besonders schwierig zu fotografieren sein, weil häufig die Verwendung von Stativen nicht erlaubt ist. Das Positive an diesen Restriktionen aber ist, dass ich mich mein Fotografieren in London dazu gezwungen, eine ruhige Hand für eine lange Belichtungszeiten zu entwickeln.

 

Wer und/oder was inspiriert Sie am meisten?

 

Ich suche oft Inspiration in Gemälden, Filmen und im Gaming. Ich habe schon in jungen Jahren angefangen zu spielen, und ich denke, es hat meine Fotografie mehr beeinflusst als jede andere Kunstform.

 

Was ist Ihre Herangehensweise?

 

Gibt es etwas Bestimmtes, das du während eines Shootings erreichen willst (z.B. bestimmte Gefühle auslösen, etc.) oder gibt es bestimmte Techniken, die du verwendest?

 

Meine Arbeiten bewegen sich zwischen Realismus und Fantasie. Historische Gebäude wie Kathedralen oder Musiktheater erinnern oft an unsere Geschichte – sie sind an sich zeitlos und in vielerlei Hinsicht wie aus einer anderen Welt.

 

Mit der vertikalen Panoramafotografie (Vertorama) können wir einen dreidimensionalen Raum in seiner Gesamtheit betrachten und uns eine Sicht / Perspektive geben, die über das hinausgeht, was das Auge sehen kann. Es entkoppelt uns von der Realität, spielt mit unserer Wahrnehmung von Form und Gestalt und schafft ein Gefühl für eine andere Welt.

 

Ich hoffe, durch meine Fotografie dem Betrachter Fantasiefragmente zu vermitteln und sie zu ermutigen, einen kurzen Augenblick aus ihrer Realität herauszutreten.

 

 

Warum sind akkurate Farben in Ihrem Workflow wichtig?

 

Ich drucke meine Arbeiten regelmäßig, präzise Farben sind mir daher sehr wichtig. Ein Bildschirm, der die Farben akkurat wiedergibt, erleichtert die diesen Prozess erheblich. Der subtile Unterschied in der Tonalität eines Bildes kann eine ganz andere Stimmung / Botschaft vermitteln.

 

Haben Sie Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

 

Obwohl mein Hauptwerk architektonisch ausgerichtet ist, fotografiere ich gerne Stadtlandschaften und Straßenfotografie. Die Technik für meine Panoramen habe ich in der Landschaftsfotografie gelernt. Die Techniken, die wir aus anderen Fotografie-Genres lernen, können überall angewendet werden. Ich denke, das Experimentieren mit verschiedenen Formen der Fotografie hilft uns dabei, uns weiterzuentwickeln und kreativ zu bleiben.

 

Peter kalibriert seinen Monitor mit dem SpyderX Elite.

 
 

Über den Autor – Peter Li

 

Peter Li ist ein mehrfach ausgezeichneter Fotograf mit Wohnsitz in London. Sein Architektur-Fotografie erhielt den 1. Platz in der Kategorie Architektur bei den Epson International Pano Awards 2018 und wurde bei den Sony World Photography Awards 2018 ausgezeichnet. Seine Arbeiten wurden bereits in der Times, Time Out London sowie in verschiedenen Fotografie- und Kunstpublikationen veröffentlicht.

 

Fotografisches Genre: Panorama-Architektur-Fotografie

   

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Wie bist du in die Fotografie eingestiegen?

 

Meine erste Kamera erwarb ich im Jahr 201. Es war ein Zufall, ich wollte eine bessere Kamera als mein Handy, um Fotos von meinen Kindern zu machen und so entwickelte sich die Leidenschaft für die Fotografie sehr schnell.

 

Welche Art von Fotografie machst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Ich mache 90% der Zeit Landschaftsaufnahmen. Ich bin von dem Gefühl getrieben, um 5 Uhr morgens im Freien zu sein, in der Natur, einen Sonnenaufgang zu drehen und es gibt niemanden auf der Welt, die Welt schläft noch. Das ist der Moment, in dem ich am intensivsten spüre, dass ich lebe.

 

Northern Light
G2 aurora borealis Sturm im Nationalpark Liesjärvi, Finnland.

 

Was war deine größte Leistung oder dein größtes Hindernis auf dem Weg dorthin?

 

Meine größte Errungenschaft war die Möglichkeit, andere auf ihrem Weg, während sie mit der Fotografie beginnen, unterrichten und begleiten zu können. Normalerweise an sehr coolen Orten wie Island oder den Färöer-Inseln. Ich hatte auf meiner Fotoreise nicht viele Hindernisse, aber ich kann sagen, wenn man wirklich etwas will, wird einen auf dem Weg zu diesem Ziel nichts aufhalten. Ich bin persönlich finde aber, dass ich noch angekommen bin.

 

Wer und/oder was inspiriert Sie am meisten?

 

Am Anfang ließ ich mich von anderen tollen Fotografen wie Elia Locardi und Michael Shainblum inspirieren, aber die größte Inspiration kommt von dem Gefühl, in der Natur zu sein.

 

Was ist Ihr Ansatz?

 

Gibt es etwas Bestimmtes, das du während eines Shootings erreichen willst (z.B. bestimmte Gefühle auslösen, etc.) oder gibt es bestimmte Techniken, die du verwendest?
Definitiv verfolge ich immer das Gefühl, den Moment in der Zeit einzufangen oder das perfekte Licht zu verfolgen. Meistens gelingt es mir nicht, aber das ist Teil des Spiels.

 

 

Warum ist die genaue Farbgebung in Deinem Workflow wichtig?

 

Ich drucke meine Fotos, also bedeutet ein farbgenauer Monitor so viel. Im Ernst, bis ich meinen Monitor zum ersten Mal mit Spyder4 kalibriert habe, habe ich nicht verstanden, wie wichtig das ist.

 

Irgendwelche Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade erst ihre Karriere beginnen?

 

Vergleiche dich nicht mit anderen, es wird immer jemanden geben, der besser ist als du. Wahrscheinlich wurde es schon oft gesagt, aber geh einfach raus und fotografiere, keine Entschuldigung!

Valentino kalibriert seinen Bildschirm in der Zwischenzeit mit einem SpyderX Elite.

 
 

Über den Autor – Valentino Valkaj

 

Valentino Valkaj ist ein international tätiger Fotograf und Videofilmer. Mitbegründer eines Reisebüros, das Fototouren in den nordischen Ländern führt.

 

Fotografietyp: Landschaft / Outdoor

   

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Wie bist du in die Fotografie eingestiegen?

 

Architektur hatte schon immer einen großen Einfluss auf mein Leben von Kindesbeinen an, und so wurde das Fotografieren von Gebäuden für mich als Student zu einem großen Anziehungspunkt. Vor 10 Jahren bekam ich meine erste DSLR-Kamera. Ich experimentierte zuerst mit Fassadenfotos, bevor ich meine Motivwahl auf breitere Stadtbilder ausweitete.

 

Welche Art von Fotografie machst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Mein Interesse an Gebäuden ist die Basis und eine solide Grundlage. Heutzutage bin ich aber sehr daran interessiert, einen viel mutigeren, urbaneren Fotostil zu entwickeln. Ich liebe es, Motive zu finden, die der normale Stadtbesucher nicht sieht, sei es aus niedrigen Straßenperspektiven, Langzeitbelichtungen von Busspuren oder auf Dächern.

 

Was war deine größte Leistung oder dein größtes Hindernis auf dem Weg dorthin?

 

Ich habe festgestellt, dass eines der schwierigsten Hindernisse für mich darin besteht, mich von anderen abzuheben und einzigartige Perspektiven in einer der am meisten fotografierten Städte der Welt zu finden.

 

 

Wer und/oder was inspiriert Sie am meisten?

 

Es gibt keine einzelne Person, die meine Fotografie inspiriert. Ich lasse mich gerne von anderen Fotografen in der Online-Community oder von Leuten, mit denen ich in London fotografiere, inspirieren.

 

Was ist Ihr Ansatz? Gibt es etwas Bestimmtes, das du während eines Shootings erreichen willst (z.B. bestimmte Gefühle auslösen, etc.) oder gibt es bestimmte Techniken, die du verwendest?

 

Heutzutage versuche ich, einem Großteil meiner fotografischen Arbeit ein Gefühl der Bewegung zu vermitteln, sei es durch Langzeitbelichtungen oder durch clevere Kompositionen mit Menschen.

 

Warum ist die genaue Farbgebung in deinem Workflow wichtig?

 

Mir ist es wichtig, dass die Töne und die Atmosphäre des ursprünglichen Ortes in meinem endgültigen Bild korrekt wiedergegeben werden. Ein genauer Monitor stellt sicher, dass ich die Fotos farbgetreu halten kann.

 

Irgendwelche Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade erst ihre Karriere beginnen?

 

Mein größter Ratschlag wäre, weiterzumachen, da es sich um eine Karriere handelt, die viel Ausdauer erfordert. Suche weiter, um deine Fähigkeiten zu verbessern, gehe zu Workshops und lerne von den besten Leuten da draußen.

 

Chris nutzt einen SpyderX Elite zur Monitorkalibrierung.

 
 

Über den Autor – Chris Dalton

 

Chris Dalton ist ein professioneller Fotograf und Architekt mit Sitz in London. Er ist spezialisiert auf Stadtlandschaft und Porträtfotografie, wobei in der Zwischenzeit mehr und mehr Bilder entstehen, in dem beide Disziplinen auf kunstvolle Weise verbunden werden.

 

Als Autodidakt begann Chris zunächst als Architekturstudent mit dem Fotografieren von Gebäuden, bevor er sich in einen eher urbanen Stil der Fotografie begab. Seine Fotografien bieten dem Betrachter eine einzigartige und frische Perspektive auf London, mit spannenden Kompositionen und atemberaubenden Stadtlandschaften. Sein Werk ist bekannt für seine lebendigen Farben, seine perfekte Symmetrie und den künstlerischen Einsatz der langen Verschlusszeit. Gelegentlich sieht man ihn liegend auf dem Boden um z.B. einen Kanaldeckeln auf künstlerische Art und Weise in Szene zu setzen!

 

Chris hat bei vielen Organisationen in ganz Großbritannien Anerkennung gefunden, darunter Time Out, Visit London, The Metro und Transport for London.

 

Derzeit ist er Botschafter von Samyang Lenses, Brand Ambassador der Xiaomi Studios und leitet Workshops in London für diejenigen, die den Umgang mit ihren Kameras erlernen möchten.

 

Genre: Stadtlandschaften

   

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Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?
 
Ich fing aus Langeweile an zu fotografieren. Ich platzte vor Leidenschaft und Kreativität aus allen Nähten, aber ich hatte keine handwerklichen Fähigkeiten. Auch fühlte ich mich zur Fotografie hingezogen, weil ich Augenblicke festhalten wollte. Und so habe ich in der letzten Grundschulklasse versucht, meine Sommerferien auf den Bildern festzuhalten.

 

 

Was ist Ihr fotografischer Schwerpunkt und was hat Sie motiviert, sich auf dieses Genre zu konzentrieren?
 
In meiner langen Karriere als Fotograf habe ich praktisch jedes Genre der Fotografie ausprobiert, von Werbung über Mode, Akt bis hin zur Landschaftsfotografie. Außerdem hat mich die Filmschule gelehrt, Generalist zu sein.
 
Ich bin ein Künstler, ein Propagator der Fotografie. Ich teile mein Wissen mit anderen und vor allem reise ich. Mittlerweile habe ich auch 6 Bücher über Fotografie veröffentlicht, von denen ich einige mit meinen eigenen Fotos illustriert habe. Ich bin ein paar Mal um die Welt gereist, habe unter den schlechtesten Bedingungen fotografiert, war bei 14 Dakars und fünfmal so vielen vergleichbaren Rallyes. Ich fotografierte die schnellsten Yachten der Welt, brach mir den Rücken, musste mir das Auge nähen lassen, verlor fast mein Schultergelenk und konnte meine Knie nicht mehr beugen. Ich hatte Lyme-Borreliose, Tropenruhr und Giardia lamblia. Ich kam in engen Kontakt mit einem Skorpion, tropischen Ameisen, einer Schlange. Ich ließ mich von ein paar Hunden beißen, weil ich sie so liebe. Ich habe hunderte wundervolle Menschen getroffen. Ich hatte mehrere Ausstellungen. Ich war das Gesicht der Weltpremiere der neuen revolutionären Generation von Sony-Kameras während der Photokina. Ich sprach mit einer Menge Journalisten aus der ganzen Welt über Fotografie. Ich war Juror bei vielen renommierten

 

 

Fotowettbewerben. Mein neugieriger Blick hat mich in mehreren Ländern ins Gefängnis gebracht. Ich habe viele meiner Sammlerfotos verkauft (darunter eines für 60.000 Polnische Sloty), und der gesamte Erlös ging an Bedürftige. Ich hatte insgesamt eine fantastische Zeit.

 

Was ist bisher Ihr größter Erfolg oder Ihre größte Herausforderung?
 
Ich habe nicht das Gefühl, etwas Außergewöhnliches in der Fotografie erreicht zu haben. Ich betrachte sie nicht als Sport, bei dem man Lorbeeren gewinnt. Fotografie ist meine Leidenschaft und in diesem Sinne liegt mein wohl größter Erfolg darin, dass ich noch immer mit so viel Freude bei der Sache bin. Dass sie mir nach 30 Jahren noch immer nicht langweilig geworden ist – und ich hatte viele Leidenschaften, die verebbt sind oder durch neue ersetzt wurden. Fotografie ist immer noch meine Nummer eins.

 

 

Wer und/oder was inspiriert Sie am meisten?
 
Mich inspiriert, was um mich herum passiert. Licht, Menschen, Reisen, Action und die Schönheit dieser Welt.

 

Was ist Ihre Herangehensweise?
 
Woran?

 

 

Warum sind akkurate Farben in Ihrem Workflow wichtig?
 
Farbe ist mir deshalb so wichtig, weil ich sehr sinnlich und sensibel bin. Ich fühle das Leben mit all meinen Sinnen, und Vision und Image sind wesentlich. Ich sehe in Farbe und fotografiere daher auch so. Ich habe eine gewisse Farbintelligenz. Aus dem gesamten Farbspektrum, das uns umgibt, kann ich Bilder mit sehr kontrollierter Farbgebung herausarbeiten. Und umgekehrt: Manchmal sehe ich Farben dort, wo es keine zu geben scheint.
Aus diesem Grund ist die Farbwiedergabe für mich von entscheidender Bedeutung, wie ein gut positioniertes Fadenkreuz für einen Scharfschützen. Es dürfen keine Fehler passieren.

 

 

Haben Sie Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die am Anfang ihrer Karriere stehen?
 
Bilder in der Fotografie sollten logisch aufgebaut werden, indem Schritt für Schritt die Harmonie der Komposition hergestellt wird. Sie sollten in Symbiose mit der Technik leben und alle verfügbaren technischen Mittel einsetzen, um das Bild zu erstellen. Sie sollten die Beziehung zwischen der Technik und ihrer Wirkung kennen. Dies nennt man geschickten Umgang mit bildsprachlichen Elementen – Elementen wie Licht, Perspektive, Farbe, Schärfentiefe und Bewegung. Wie meistert man dies? Der Schlüssel liegt darin, viel zu fotografieren und die Auswirkungen der einzelnen Elemente ständig zu analysieren. Warum ist ein bestimmtes Foto so, wie es ist? Warum sieht es so aus und nicht anders? Sobald Sie die Antworten darauf gefunden haben, können Sie bewusster fotografieren. Und noch eine wichtige Sache … das Bild wird aufgenommen, wenn wir den Auslöser drücken, nicht, wenn wir die Datei in eine Kreativsoftware hochladen.

 

Jacek verwendet für seinen fotografischen Workflow Datacolor Equipment wie den SpyderX Elite

 
  About the Author – Jacek Bonecki  

Jacek Bonecki, Jahrgang 1969, ist Fotograf und Fotopromoter mit Hintergrund in der Kinematografie, Fernsehproduzent und Journalist. Er wirkte an mehreren hundert Fernsehproduktionen mit und stellt seine Fotografien im In- und Ausland aus. Er hielt Vorlesungen an vielen Fotoschulen in Polen. Zudem gibt er Fotoworkshops, die bei seinen Teilnehmern sehr beliebt sind. Angetrieben von seiner Leidenschaft für das Reisen, bereiste er über hundert Länder auf sechs Kontinenten. Zudem hat er mehrere Bücher zum Thema Fotografie geschrieben: Der Fotografische Reisende, Dakar-Stopp, Fotograf unterwegs, Fotografieren mit dem Smartphone, Die Trägheit des Smartphones oder wie man fotografiert und filmt.

   

Articles from Jacek Bonecki

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
 
Im Jahre 2006 entstand das Interesse an der Fotografie. Damals besuchte ich mit meiner Frau das erste Mal Island und kaufte mir im Vorfeld eine DSLR. Seitdem bin ich nicht mehr davon los gekommen.

 


 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?
 
Mein Schwerpunkt liegt in der Landschaftsfotografie. Meine Entwicklung der Fotografie ging über Sport und Tiere in Richtung Landschaft. Dort bin ich nun fest verwurzelt und es gibt nichts Schöneres als einen wundervollen Sonnenauf- oder Sonnenuntergang an einem schönen Ort.

 


 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?
 
Sicherlich ist der Kategorie Gewinn der Sony World Photographie Awards in 2016 der größte Erfolg. Dieser Wettbewerb gilt als der größte der Welt. Damals wurde mein Bild aus 130000 Bilder ausgewählt.
 
Meine größte Herausforderung ist jedes Mal nach neuen Blickwinkeln/Kompositionen zu suchen. Es ist nicht immer leicht etwas „Neues“ zu finden.

 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?
 
Es gibt niemand Spezielles der mich inspiriert, es gibt sehr viele sehr gute Fotografen. Letztlich ist es immer wieder die Natur die mich besonders inspiriert.

 


 

Was ist deine Herangehensweise? Gibt es etwas, was du während eines Shootings erreichen möchtest (wie zum Beispiel bestimmte Gefühle auszulösen o.ä.) oder spezielle Techniken, die du verwendest?
 
Ich möchte mit meinen Bildern Emotionen auslösen. Die Schönheit der Natur unserer Erde festgehalten in einem Moment auf einem digitalen Chip. Ich hoffe es gibt noch viele Augenblicke in meinem Leben in dem ich einen fantastischen Sonnenaufgang sehe und festhalten kann.
Die Vorbereitung hierfür ist oft viel aufwändiger als man denkt. Die Planung umfasst: Wie komme ich hin, wann ist die beste Zeit, wo steht die Sonne und wie sind die Wetterbegebenheiten.

 


 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?
 
Farbmanagement ist sehr wichtig. Ich kalibriere meinen Monitor regelmäßig, nur so kann eine richtige und naturgetreue Farbwiedergabe gewährleistet werden.

 


 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?
 
Nicht aufgeben, anderen über die Schulter schauen, Tutorials anschauen, Workshops besuchen und Fragen stellen!

 
  About the Author – Markus van Hauten  
 

Die Bilder von Markus van Hauten zeigen zumeist beeindruckende Landschaften, die den Betrachter in den Bann ziehen und bei denen seine Faszination für die Schönheit der Natur sich auch auf andere überträgt. Markus, der erst 2006 die Fotografie für sich entdeckte, wurde in den letzten Jahren bei verschiedenen nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet und konnte auch bei unserem Wettbewerb zur Reise- und Landschaftsfotografie 2017 bereits mit einem Bild aus Island überzeugen. Auch wenn er die Fotografie nicht Hauptberuflich betreibt, zeugen seine Bilder von unglaublicher Leidenschaft, dem Blick für das Bild und dem handwerklichen Können, seine Visionen umzusetzen. Wir freuen uns daher sehr, ihn als Datacolor Friend with Vision begrüßen zu können.

   

Articles from Markus van Hauten

 

Die Ballettfotografie ist eine ganz besondere Art der Fotografie.

 

Nur wenige Bruchteile einer Sekunde entscheiden oftmals über ein Foto und ob der Zeitpunkt der Auslösung der Richtige war. Umso wichtiger ist hier der Dialog und das Zusammenspiel von Tänzerin und Fotograf.

 

Die Dynamik von Bewegung und Eleganz kann man ideal mit langen Kleidern oder Tüchern festhalten, die dem Foto das gewisse Etwas geben.

 

Wichtig dabei ist aber auch eine Blitzanlage, die sehr kurze Abbrennzeiten vorzuweisen hat, damit diese schnelle Dynamik eingefroren und somit optimal dargestellt werden kann.

 

Tänzer und Tänzerinnen aus dem Ballett haben eine enorme Körperbeherrschung und Ausdauer, sodass es immer wieder aufs Neue ergiebig und kreativ ist, mit solchen Personen zu arbeiten.

 

Vor Ort ist mir neben der Absprache und Vorbereitung zum Styling natürlich die Technik zur weiteren und späteren Verarbeitung wichtig.

 

Hier verlasse ich mich zur Findung des korrekten Weissabgleichs auf den Spyder Cube, sowie den Spyder Checkr, die ich vor den eigentlichen Aufnahmen einsetze. Damit habe ich eine optimale Referenz und kann meine weiteren Fotos darauf aufbauen und abgleichen, was den Workflow enorm erleichtert und viel Zeit spart. Gerade, wenn man auf Farbechtheit (z.B. bei Kollektionsshootings) angewiesen ist, kommt man um diesen Punkt nicht herum.

 

Interessant und nochmal ausschlaggebend wird dieser Punkt, wenn man mit mehreren Kamerasystemen arbeitet, die untereinander variieren.

 

So bringt man später alles wieder auf einen Nenner und muss nicht jedes Foto einzeln anfassen und korrigieren.

 

 

Beim Fotografieren versuche ich, das maximale aus Kamera und Technik zu holen. Für mich ist ein gutes Foto vor Ort die optimale Basis für die Nachbearbeitung und somit für ein zufriedenstellendes Endergebnis.

 

Ich möchte meine Bilder nicht erst später in der Nachbearbeitung toll finden, sondern mein Bestreben ist es, bereits bei der Produktion ein ausgreiftes Bild im Kasten zu haben, das später nur noch optimiert, aber nicht kreiert wird.
Das ist mein Anspruch an mich selbst als Fotograf, aber auch meinen Kunden gegebenüber.

 

Jedes Bild durchläuft einen gewissen Teil an Bildnachbearbeitung, aber es sind nie Montagen oder zusammengesetzte Werke.

 

Warum SpyderX Capture Pro? Seit ein paar Monaten ist der neue SpyderX Elite auf dem Markt. Ich hatte das Glück in testen zu dürfen… erstaunlich dabei ist vor allem seine Geschwindigkeit, mit der man den Monitor kalibrieren kann. Im Vergleich zum Vormodell ist er wesentlich schneller geworden, was die Produktivität in der Nachbearbeitung enorm steigert. Dieses Gerät nutze ich zur Kalibrierung meines Bildschirms und würde es als absolutes “must-have” bezeichnen. Jetzt folgt der die Produktzusammenstellung SpyderX Capture Pro, zu deren Lieferumfang Color Management-Equipment gehört für die Kamerakalibrierung, sei es der Autofokus, die Farbe oder einfach nur um den Weißpunkt richtig zu setzen. Das finde ich, ist ein ziemlich gutes Paket, das einfach vieles von dem beinhaltet, was ich tagtäglich auch brauche.

 

Link: https://spyderx.datacolor.com/de/shop/

 
 

Über den Autor – Sascha Hüttenhain


 

Sascha Hüttenhain wird im südlichen Nordrhein-Westfalen geboren. Dort aufgewachsen, entdeckt er den Bezug zur Fotografie und beginnt, seine Ideen und Inspirationen in künstlerischen Bildern auszudrücken. Anfangs arbeitet er für verschiedene Fotografen und begleitet sie bei deren täglicher Arbeit, bis ihn sein Weg in die Selbständigkeit führt. Seitdem ist er als freischaffender Fotograf mit Fotostudio in Frankfurt und Siegen tätig und bedient nationale und internationale Kunden. Die Mischung aus technischem Verständnis und Kreativität entspricht seinen persönlichen Fähigkeiten und Interessen. Sein Stil wird oftmals als reduziert, jedoch aufs Wesentliche beschränkt, bezeichnet. Der Fokus seiner Arbeit liegt vor allem in den Bereichen Lifestyle, Werbung, People und Mode, welche er on Location oder im Studio umsetzt.

 

“Harte Kanten, zarte Formen- Sascha Hüttenhain liebt solche Kontraste. Mit Vorliebe plaziert der Fotograf seine Modelle zwischen kubischen Elementen im Studio oder wenn er on location arbeitet. Gerne nutzt er auch Accessoirs aus der Arbeitswelt für seine Inszenierungen. Doch solches Beiwerk bildet ebenso wie die Umgebung lediglich den Hintergrund, vor dem sich die Körper seiner Modelle wie aus Licht und Schatten gemeisselte Skulpturen abheben. Grossen Wert legt er auch darauf, dass das Model zu seiner Idee passt: “Ich mache nie Fotos mit einem beliebigen Model, denn jeder Mensch hat durch seinen Körper und Ausstrahlung eine Sprache, die ich mit meinen Fotos zum Ausdruck bringen möchte.” Sascha Hüttenhain folgt mit seinen Darstellungen den Regeln der klassischen Fotografie. Wenige Elemente genügen, nichts Störendes soll von den Modellen ablenken. Seine Bilder bestechen durch äusserste Klarheit, Brillanz und Schärfe. Sie strahlen eine sparsame, kühle Erotik aus, die Modelle wirken unnahbar, wie Skulpturen. Man sieht: hier feiert ein Fotograf den Körper als Kunstwerk.”

 

Website: www.huettenhain.com
Email: info@huettenhain.com
Facebook: https://www.facebook.com/huettenhain
Instagram: @saschahuettenhain

 

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