Wir leben in einer Welt, in der Blau dominiert – so sehr, dass unser Planet oft als der blaue Planet bezeichnet wird.

 

Wasser prägt unsere Welt in vielerlei Hinsicht: Ozeane umgeben uns, Flüsse schlängeln sich durch die Landschaft, und Eisberge bilden dramatische Formationen in unseren Polarregionen. Regen schafft neues Leben und erhält unsere Existenz. Ohne Wasser gäbe es kein Leben. Die Bedeutung dieser flüssigen Substanz ist für alles Leben hier auf der Erde lebenswichtig. Jeder unserer Tage wird von seiner Existenz bestimmt und beeinflusst.

 

Das Meer hat mich mein Leben lang fasziniert und inspiriert. Da ich auf einer Insel (Großbritannien) lebe, ist die Küste nie zu weit weg, um mal eben hinzufahren, und auch nie allzu weit weg aus meinen Gedanken. Kindheitserinnerungen an Sommertage an der Küste sind mir noch immer im Gedächtnis. Diejenigen, die am Meer leben, haben viele Erinnerungen an die Küste, sowohl weit zurückliegende als auch Erinnerungen aus der Gegenwart. Unsere Verbindung mit dem Meer ruft ein Gefühl des Wohlbefindens, der Faszination und manchmal sogar der Angst hervor.

 

Aus fotografischer Sicht gehe ich an jedes Fotoshooting anders heran, je nach den Bedingungen, die sich zum Zeitpunkt der Aufnahme bieten. Die Wintermonate zeigen hier in der nördlichen Hemisphäre Dramatik und Stimmung, während der Sommer eine eher friedliche und ruhige Szenerie bietet. Jede Jahreszeit gibt dem Fotografen andere kreative Möglichkeiten, den „besonderen Moment“ festzuhalten. Ich fand Wasser schon immer inspirierend zum Fotografieren – die Formen und Texturen sind so reizvoll.

 
 

 
 

Ich persönlich fotografiere Wasser am liebsten bei stürmischem Wetter. Diese wilden Bedingungen können uns als Fotografen vor Herausforderungen stellen, aber die zusätzlichen Anstrengungen lohnen sich, wenn man das Bild im Kasten hat. Der Kampf gegen stürmische Winde und Regen kann entmutigend sein. Schon oft habe ich dann darüber nachgedacht, einfach nach Hause zurückzukehren, selbst während einer Wanderung zu einem vorher definierten Zielpunkt. Nichtsdestotrotz treibt uns das Streben nach dem perfekten Foto immer weiter an.

 

Ich liebe es, Wasser zu fotografieren, vor allem Wellen haben es mir angetan. In den letzten drei Jahren ist das Fotografieren von Wellen fast zu einer Sucht geworden. Gelegentlich beschließe ich, zur Abwechslung Waldszenen zu fotografieren, und dann fahre ich direkt am Wald vorbei und lande an der Küste, um doch wieder Wellen zu fotografieren. Es hat etwas so Faszinierendes, das Brechen der Wellen zu beobachten, dass es fast hypnotisch auf mich wirkt.

 

Besonders die Winterstürme sind ein unglaublicher Anblick. Die meisten der hier gezeigten Bilder wurden in dieser Jahreszeit aufgenommen. Der Nordatlantik kann im Winter besonders wild sein. Tiefdruckgebiete entwickeln sich und nehmen an Schwung zu, bevor sie die Westküste des Vereinigten Königreichs erreichen.

 
 

 
 

Es ist wichtig, sich über die Karten und Vorhersagen auf dem Laufenden zu halten und die Entwicklung dieser Stürme genauestens zu verfolgen. Dieses zusätzliche Wissen hilft bei der Vorhersage der besten Standorte, wenn die Stürme dann auf die Küste treffen. Auch die Bedingungen am Himmel sind wichtig. Wird es dunkle Wolken geben? Wird das Sonnenlicht durchbrechen? Unterschiedliche Bedingungen verändern das Aussehen des Wassers. Tage mit nicht durchgängiger Wolkendecke, die das Licht durchlässt, sind perfekt, um leuchtende Farben einzufangen. Schimmernde Muster sind an Tagen mit Sonnenschein ebenfalls ideal zu fotografieren. Ein bedrohlich-dramatischer Himmel hat den gegenteiligen Effekt und verleiht dem Meer ein düsteres Aussehen. Letztere sind meine Lieblingstage, an denen mir die Fotografie besonders viel Spaß bereitet.

 

Die Natur ist so fesselnd und bringt einen so unglaublich gut wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, dass wir uns oft im Augenblick verlieren. Die Fotografie ist ein ausdrucksstarkes Werkzeug, das viele kreative Möglichkeiten bietet. Die Verschlusszeit ist das wichtigste kreative Werkzeug der Kamera. Wir können längere Verschlusszeiten wählen, um Bewegungen zu verwischen, und kurze Verschlusszeiten, um Bewegungen einzufrieren. Es lohnt sich, beide Techniken vor Ort auszuprobieren, um völlig unterschiedliche Ergebnisse desselben Motivs zu erzielen. Wenn Sie unter hellen Lichtbedingungen fotografieren, benötigen Sie einen Filter für das Objektiv, damit Sie längere Verschlusszeiten realisieren können. Neutraldichtefilter sind dafür die beste Wahl.

 
 

 
 

 

Hier ein Beispiel aus meiner persönlichen Erfahrung bei der Aufnahme von Stürmen: Winterstürme gehen oft mit dicken Wolken und Regen einher. Dies führt zu Problemen bei der Verwendung kurzer Verschlusszeiten, ohne dass man mit viel Licht spielen könnte. Wir haben die Möglichkeiten, den ISO-Wert zu erhöhen oder die Blende zu schließen, um dies auszugleichen. Beides ist mit Nachteilen verbunden und führt zu einem Verlust an Schärfentiefe oder einer Zunahme des sichtbaren Bildrauschens. In solchen Situationen behelfe ich mir oft mit Langzeitbelichtungen.

 
 

 
 

Manchmal kommen die Stürme gar nicht zum erwarteten Zeitpunkt. Anstatt enttäuscht nach Hause zu fahren, fotografiere ich Wasserstrukturen auf der Meeresoberfläche oder suche mit einem Teleobjektiv nach kleineren Details in der Szene. Unabhängig von den Wetterbedingungen gibt es immer etwas zu fotografieren. Manchmal müssen wir nur etwas genauer hinsehen. Ich finde, dass Farbe in meiner fotografischen Arbeit eine wichtige Rolle spielt, und ich verlasse mich auf Datacolor-Produkte für die richtige Farbbalance in meinen Bildern.

 

Wasser ist wirklich eine Inspiration für meine Fotografie. Wir können unbegrenzte Möglichkeiten entdecken, wenn wir uns in unser Handwerk vertiefen, und Wasser bietet uns so viele Gelegenheiten dazu. Dieses Thema fasziniert mich seit vielen Jahren, und ich hoffe, Sie können sich ebenfalls dafür begeistern.

 

 
 

Über den Autor – Mark Dobson

 

Zu Hause im äußersten Südwesten von Cornwall (UK)

 

Fotografie ist eine Vollzeitbeschäftigung und meine Karriere. Meine berufliche Laufbahn begann im Februar 2018. Bisher wurden meine Bilder vom Meer in nationalen Fotomagazinen veröffentlicht, in einer Londoner Galerie ausgestellt und in einem nationalen Wettbewerb ausgezeichnet (Coastal View Winner 2019 - Shipwrecked Mariners Ultimate Sea View Awards).

 

Man findet mich immer in der Nähe des Meeres wo ich in Großbritannien Fotoworkshops an der Küste von Cornwall organisiere und leite und auch in verschiedenen Teilen der Welt. Zurzeit arbeite ich mit anderen britischen Meeresfotografen zusammen und erweitere die Fotoworkshops.

 

Fotografisches Genre: Seelandschaften und Wellenfotografie

   

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Wie bist du zur Fotografie gekommen?

 

Auch wenn ich meine ersten fotografischen Schritte wahrscheinlich mit den analogen Kameras meines Vaters und meines Großvaters machte, die beide begeisterte Hobbyfotografen waren und auf ihren unzähligen Reisen rund um den Globus fotografierten, lernte ich die Fotografie erst mit Anfang 20 richtig lieben. Als Sohn einer Biologin und eines Geografen, die beide sehr reisefreudig waren, kam ich schon als Kind in ganz Europa herum, und sobald ich unabhängig war, machte ich während meines Studiums auf eigene Faust weiter. Ich flog nach Japan und in die USA, fuhr durch die Alpen und auf die iberische Halbinsel. Da mich die Ikonographie wilder Landschaften schon damals faszinierte, sei es auf den Plattencovern der Metal-Bands, die ich hörte, oder durch die fantastischen Fotos, die ich auf verschiedenen Online-Plattformen oder in den National Geographic-Magazinen meines Vaters fand, nahm ich bald die Kamera mit auf meine Reisen und begann, faszinierende Orte zu suchen und selbst zu erkunden. Seitdem ist mein Fernweh stetig gewachsen. Im Laufe des Studiums der Medienwissenschaften habe ich immer mehr Zeit in die Fotografie investiert, sowohl an der Universität als auch außerhalb. So bin ich nach dem Studium in die Selbstständigkeit gewechselt, zunächst nebenberuflich und jetzt hauptberuflich als Vollzeit-Landschaftsfotograf.

 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Für mich gibt es kein schöneres Gefühl, als irgendwo weit weg von zu Hause, an einem einsamen Ort, ganz in die Landschaft einzutauchen und dieses Hochgefühl mit der Kamera festzuhalten. Aufgrund meiner Vorliebe für die Natur und die Einsamkeit, bin ich mit Leib und Seele Landschaftsfotograf, auch wenn ich hin und wieder in Städten fotografiere, wenn ich gerade nicht weit von zu Hause wegreisen kann. Da ich im bevölkerungsreichsten Areal Europas lebe, ist das Reisen für mich eine Notwendigkeit, um überhaupt zu fotografieren.

 

Die Landschaftsfotografie vereint für mich viele interessante Aspekte: die körperliche Herausforderung des Wanderns und der Erkundung unbekannter Orte, die künstlerische Komponente, aber auch eine technische, wenn es um Ausrüstung und Bildbearbeitung geht. Je nachdem, worauf ich gerade Lust habe, gibt mir dieses Subgenre immer das, was ich brauche. Sei es ein Adrenalinschub beim Fotografieren eines Strandes am Polarkreis, das Austesten meiner Grenzen bei einer mehrtägigen Wanderung im Hochgebirge oder eine entspannte Bearbeitungssitzung am PC bei Kerzenschein mit einem guten IPA.

 

Und schließlich stellte ich irgendwann fest, dass ich nur selten einen anderen ernsthaften Landschaftsfotografen traf, mit dem ich nicht ins Gespräch kam und ein paar Lacher haben konnte. Ich habe auf meinen Reisen, online und bei meinen Workshops und Seminaren so viele tolle Menschen kennen lernen dürfen, ein wahres Privileg. All diese Menschen machen die Landschaftsfotografie für mich nochmal faszinierender!

 

 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?

 

Aus rein fotografischer Sicht war mein bisher größter Erfolg sicherlich meine 8-tägige Trekkingtour entlang des Drakensberg Escarpment direkt an der Grenze zwischen Lesotho und Südafrika, zusammen mit einigen meiner besten Freunde. Das Wetter war phänomenal und trotz der Höhe von durchschnittlich 3000 Metern und 28 kg Gepäck auf dem Rücken konnte ich einige fantastische Bilder von einer absolut andersweltlich anmutenden Landschaft machen. Diese Bilder haben mir zwar nicht besonders viel Geld eingebracht und die Investition kaum wieder reingeholt, aber für mich persönlich war es eine echte Chance zu fotografisch zu wachsen.

 

Meine größte Herausforderung besteht wohl bis heute darin, sich auch für die kleinen Dinge und die nicht so spektakulären Lichtsituationen zu erwärmen. Nach all den unglaublichen Dingen, die ich im Laufe der Jahre sehen und erleben durfte, fühle ich mich manchmal ein wenig desensibilisiert. Ich bin begeistert von exotischen und schwer zugänglichen Orten, aber in den letzten Jahren habe ich – dank Covid – vermehrt in Deutschland fotografiert, was sich für mich schon etwas beengend anfühlt, und ich säße wohl lieber im nächsten Flugzeug auf einem anderen Kontinent. Dabei gibt es so viel Schönes zu sehen und zu fotografieren, auch in Deutschland und seiner Umgebung. Ich denke, meine größte Herausforderung ist es, einen Schritt zurückzutreten und all die Dinge zu betrachten, die man leicht übersieht, und die Kreativität zu finden, mit ihnen zu arbeiten. Vielleicht habe ich schon den nächsten großen Plan nach Covid im Auge, aber bis dahin möchte ich wieder lernen, das zu fotografieren was in meiner Heimat ist, oder die Kamera vielleicht auch einfach mal daheim zu lassen und die Natur ohne mein Handwerkszeug zu erkunden.

 

 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?

 

Natürlich sehe ich viele Arbeiten meiner Kollegen und würde lügen, wenn ich sagte, dass mich nicht auch die Arbeiten von AusnahmekünsterInnen wie Alexandre Deschaumes, Marc Adamus oder Sandra Bartocha inspirieren, aber letzten Endes sind es die Orte selbst, die mich immer und immer wieder dazu bewegen die Haustür zu öffnen und sie zu aufzusuchen. Wenn ich nach zahllosen kleinen Wanderwegen an einem plätschernden Bach in einem verlassenen Alpental stehe oder auf einem Berg samt Blick, den ich noch nie bei anderen FotografInnen gesehen habe, bin ich am glücklichsten. Dafür studiere ich Nächte lang Landkarten und Satellitendaten, suche mir Blicke und Orte raus, die zu mir sprechen und versuche sie zu erreichen. Dazu kommt, dass ich mich noch immer in der Rock- und Metalszene bewege, selbst auch seit 15 Jahren eine Band habe und viele Texte über Naturmetaphorik und die Landschaften der Seele lese und schreibe sowie viel Zeit mit Reise- aber auch Sci-Fi Literatur verbringe. Alles zusammen ergibt wohl meinen unstillbaren Durst nach neuen Orten und Erfahrungen.

 

Was ist deine Herangehensweise? Gibt es etwas, was du während eines Shootings erreichen möchtest (wie zum Beispiel bestimmte Gefühle auszulösen o.ä.) oder spezielle Techniken, die du verwendest?

 

Das ist schwer zu sagen, ich denke bei dem Aufnahmeprozess nicht zu sehr darüber nach, wie das Bild später bei den BetrachterInnen werden könnte. Ich bin meistens zu sehr damit beschäftigt mich über das Licht zu freuen, oder meine Komposition zu optimieren. Ich glaube, dass ich versuche die Lichtstimmung, die Atmosphäre und meine Erfahrung vor Ort authentisch einzufangen. Dabei suche ich mir Landschaften, die mich persönlich reizen, unabhängig von der Außenwirkung. Bei dem Fotografieren selbst, verwende ich nichts Ungewöhnliches: ich arbeite mit einer Vollformat-Kamera, verschiedenen Brennweiten, Filtersystemen und Belichtungsreihen – soweit so banal.

 

Wenn es etwas gibt, wodurch meine Fotografie etwas Eigenständigkeit erhält, was natürlich den BetracherInnen obliegt, ist es, dass ich sehr viel Zeit mit dem bereits erwähnten Location Scouting verbringe und vor Ort meine Kompositionen minutiös umsetze. Dabei versuche ich stets meine Fertigkeiten zu verbessern und mein Auge zu Schulen. Denn ein gutes Auge ist immer noch die wichtigste Eigenschaft eines talentierten Fotografen.

 

 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?

 

Da ich oft für Magazine und auch mit Kunstdrucken für Klienten und Kunden arbeite, ist Farbmanagement für mich ein wichtiger Teil meines künstlerischen Prozesses. Möchten Kunden von mir einen hochwertigen Print erwerben, muss ich von Schritt eins der Bildbearbeitung den korrekten Farbraum und die richtige Darstellung auf dem Bildschirm nutzen, damit alle fortlaufenden Anpassungen von Kontrast und Farbe sich später auf dem jeweiligen Trägermaterial wiederfinden und das Bild die Strahlkraft hat, die ich einfangen wollte, als ich den Auslöser gedrückt habe. Dabei ist ein kalibrierter Monitor für Bildbearbeitung und Soft-Proofing unumgänglich.

 

 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

 

Verbringt nicht zu viel Eurer Zeit damit anderen Fotografen zu folgen, vor allem nicht in den sozialen Medien. Schaut Euch die Werke lieber in Büchern oder auf Homepages an. Der Vergleich seines eigenen Lebens mit Fotografen die andere finanzielle Mittel zur Verfügung haben, kann zu sehr starken negativen Gefühlen führen. Nicht alle von uns haben die gleichen Startbedingungen und einige haben härter für ihren Erfolg zu arbeiten als andere. Jammern hilft nicht, nur dranbleiben und sich nicht davon ablenken lassen, dass andere FotografInnen vielleicht durch Vitamin B oder einen großes Finanzielles Polster Projekte realisieren können, von denen man selbst nicht mal zu träumen wagt. Träumen ist gut und wichtig, aber hart arbeiten ist besser! Nur so kommt man in kleinen Schritten irgendwann zum Ziel. Ich hätte mir vor einigen Jahren auch nicht vorstellen können im Jahr 2022 20 Wochen des Jahres unterwegs zu sein, touren zu leiten, für Magazine zu schreiben und mit Sponsoren zu arbeiten. Wenn überhaupt, dann wird Eure Liebe zu dem, was ihr tut und was ihr der Welt zu zeigen habt, euch dorthin führen, wo ihr hingehört.

 
 

Über den Autor – Nicolas Alexander

 

Nicolas Alexander Otto (*1987) fotografiert seit 15 Jahren, seit 2016 ist er als Dozent für Fotografie und Nachbearbeitung bei verschiedenen öffentlichen Trägern und privaten Agenturen tätig.

 

Er schreibt für verschiedene Fotomagazine und seine Fotos wurden in mehreren internationalen Ausstellungen gezeigt. Er fotografiert im Spannungsfeld zwischen abgelegenen Landschaften und Großstadtdschungel, zwischen Natur und Mensch. Sein ständig wachsender Hunger nach neuen Erfahrungen und neuen Orten treibt ihn dazu, sich hinauszuwagen und Momente für die Tage zu Hause festzuhalten.

 

In einer Welt, die immer schneller und hektischer wird, schaffen sie eine Oase der Ruhe für die Betrachter. Ob Langzeitbelichtungen an der Küste, Nachtaufnahmen in den Bergen, die blaue Stunde über einer Skyline oder der Sonnenaufgang im Wald, Alexander versucht, diese flüchtigen Momente mit ewiger Präzision und dem Streben nach Perfektion zu verewigen und so das Leben anderer zu bereichern.

 

Fotografisches Genre: Landschaftsfotografie

   

Wir haben hier in Norwegen ein Sprichwort: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Ich weiß nicht, wie oft ich das als Kind gehört habe. Schneestürme und eisige Temperaturen waren keine Entschuldigung dafür, nicht zur Schule zu gehen. Zieh dir eine zusätzliche Klamottenschicht an, Kleiner, und los geht’s!

 

Der Heimweg von der Grundschule an strengen Wintertagen gehört zu meinen schönsten Erinnerungen. Es war eiskalt, aber die Welt war unser Spielplatz. Wir liefen lange Strecken nach Hause, oft durch Felder oder Wälder, und bauten unsere kleinen Schneeburgen. Die Zeit verging wie im Flug, und oft kamen wir zitternd und mit blauen Lippen nach Hause. Aber das war nicht schlimm. Wir hatten ein Abenteuer erlebt.

 

Wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, bin ich sehr dankbar dafür, dass ich so naturnah aufgewachsen bin und aus einem Elternhaus komme, in dem wir uns regelmäßig in den Bergen zum Wandern, Angeln, Skifahren, Zelten oder zu anderen Aktivitäten aufgehalten haben.

 

Die Einstellung „Es gibt kein schlechtes Wetter“, die mir schon als Kind vorgelebt wurde, hat mich in vielerlei Hinsicht zu dem Fotografen und Menschen gemacht, der ich heute bin. Sie hat mich dazu gebracht, raues Klima zu schätzen und die Schönheit in Wetterbedingungen zu sehen, bei denen die meisten Menschen es sich lieber vor dem Kamin gemütlich machen.

 

 

Vielleicht bin ich auch deshalb allmählich weiter in den Norden des Landes gezogen und befinde mich jetzt nördlich des Polarkreises. Ein Ort, an dem die Sonne im Winter nicht aufgeht und im Sommer nicht untergeht. Ein Ort, an dem sich die Sonne in den letzten drei Wochen, während ich diese Zeilen hier schreibe, hinter einer dicken Schicht regengefüllter Wolken versteckt hielt.

 

Aus der Sicht eines Landschaftsfotografen ist es ein aufregendes Klima zum Fotografieren. Bei der Fotografie und der Kunst im Allgemeinen geht es oft darum, die eigene Komfortzone zu verlassen und aktiv das Unbehagen zu suchen. Das ist nicht nur für Sie als Schöpfer lohnender, sondern auch für den Betrachter. Bilder, die eine Geschichte erzählen, heben sich in der Regel von der Masse ab. Und die Bilder, die die besten Geschichten vermitteln, sind oft diejenigen, für die man kämpfen musste.

 

Diese Aussage wiederhole ich auch immer wieder in meinen Workshops zur Landschaftsfotografie. In dem Moment, in dem man es sich zu bequem macht, stockt die kreative Entwicklung. An diesem Punkt wird alles einfach nur zur Routine.

 

 

Ich möchte Sie ermutigen, sich einer Landschaft mit der Denkweise eines Kindes zu nähern. Seien Sie neugierig. Seien Sie bereit, sich unwohl zu fühlen.

 

Einige meiner persönlichen Lieblingsbilder stammen aus Tagen, an denen die Couch, eine Tasse heißer Kakao und ein guter Film tausendmal verlockender klangen, als nach draußen zu gehen. Entweder wegen der Kälte, starken Regens oder regelrechten Schneestürmen.

 

Das folgende Bild ist ein gutes Beispiel dafür. Es wurde Anfang Juni in einer abgelegenen Gegend auf den Lofoten aufgenommen. Die Temperatur lag bei knapp 0 Grad Celsius und die Mischung aus Schnee und Regen durchnässte uns bis auf die Knochen. Aber wir ließen uns nicht beirren, schlugen unsere Zelte auf und wanderten in ein Gebiet, in dem bisher nur wenige Menschen waren – ein Gebiet abseits von Wegen und Anzeichen menschlichen Lebens. Es waren die Neugier und der Sinn für Abenteuer, die uns weitergehen ließen. In der Hoffnung, das eine Bild einzufangen, für das sich die ganzen Unannehmlichkeiten lohnen.

 

 

Ich erinnere mich deutlich an einen Moment, in dem meine Beine müde, meine Füße durchnässt waren und meine gute Laune stark nachließ. Es fühlte sich an wie eine Qual, für die man möglicherweise nichts anderes als Kälte und Nässe zurückbekommt. Ich setzte mich hin und nahm mir eine Minute Zeit, um die Umgebung zu beobachten. In diesem Moment flüsterte das kleine Kind in mir: „Komm, Kleiner, lass uns nachsehen, was hinter dem Hügel ist. Das war genau meine Denkweise als Kind, und wie sich herausstellte, hat sie sich all die Jahre später immer noch ausgezahlt.

 

Ganz gleich, ob Sie Fotograf, Grafikdesigner, Digitalkünstler oder anderweitig kreativ sind, ich empfehle Ihnen dringend, Ihr Handwerk immer mit der Einstellung eines Kindes anzugehen. Halten Sie sich nicht damit auf, alles perfekt zu machen. Seien Sie neugierig und fragen Sie sich: „Was wäre, wenn?“. Manchmal zahlt sich das aus, manchmal aber auch nicht. Der einzige Weg, das herauszufinden, ist, es zu tun.

 

 

Und zu guter Letzt sollten Sie daran denken, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Kleidung.

 
 

Über den Autor – Christian Hoiberg

 

Ich bin Christian Hoiberg, ein international ausgezeichneter norwegischer Landschaftsfotograf. Die Natur und die Fotografie helfen mir dabei abzuschalten, und ich liebe es, die Betrachter meiner Bilder zu den bekannten und unbekannten Orten mitzunehmen, die ich auf dieser Reise besuche.

 

Zurzeit lebe ich auf den malerischen Lofoten und bin umgeben von Bergen, die ich fotografieren und erkunden kann. Wenn ich nicht gerade an einer persönlichen Fotosession teilnehme oder irgendwo in der Arktis Workshops leite, finden Sie mich vor dem Computer, wo ich Lerninhalte vorbereite, die ich für meine CaptureLandscapes-Leser erstelle.

 

Fotografischer Schwerpunkt: Landschaftsfotografie

   

Der Landschaftsfotograf und Datacolor Friends with Vision-Mitglied David Fieldhouse spricht über Bewegung in der Fotografie ‒ vom Versuch, einen präzisen Moment der Stille in der Natur einzufangen, bis hin zur Darstellung der konstanten, dynamischen urbanen Landschaft einer Stadt.

 


 

Als Landschaftsfotograf verbrachte ich so viel Zeit und Aufmerksamkeit damit, ein Bild scharf abzubilden, von den kleinsten Details im Vordergrund bis hin zu den fernen Gipfeln am Horizont, dass mir jedes Konzept, das mit Bewegung zu tun hat, fremd erschien. Warten, bis der Wind nachlässt, damit die Äste der Bäume aufhören zu schwanken, oder das Beschleunigen des Auslösers, um die vorbeiziehenden Wolken „einzufrieren“, waren einige der vielen Techniken, die ich einsetzte, um den gewünschten Look zu erreichen. Als ich jedoch begann, die Stadtlandschaft zu fotografieren, war Stille ein Konzept, das sich plötzlich seltsam fehl am Platz anfühlte.

 
 


 

Rauschender Verkehr, geschäftige Menschen, sogar die wechselnde Neon-Lichtwerbung an den Wänden ‒ die Stadt hat eine ganz andere Dynamik als wenn man am Eingang eines schönen Tals sitzt und darauf wartet, dass das Sonnenlicht den Baum in der Ferne einfängt (auf dem die ganze Komposition sorgfältig aufgebaut ist).

 

Es gibt viele Techniken, die wir anwenden können, um dieses schnelle Tempo einzufangen, aber eine, die ich gerne von Zeit zu Zeit verwende, ist das, was ich als „mäßig lange Belichtung“ bezeichne, besonders bei Nacht. Ich spreche nicht von einer Minute oder zwei oder sogar dreißig Sekunden. In der Stadt bewegen sich die Dinge so schnell, dass keine Spur von der eigentlichen Form übrigbleiben würde. Ich möchte, dass der Betrachter weiß, was er sieht, und nicht nur eine helle Linie auf der Seite, daher reichen oft ein oder zwei Sekunden aus.

 
 


 

Oft als „Light Trails“ bezeichnet, hat die Fotografengemeinschaft sehr geteilte Meinungen dazu. Es ist eine Technik, die viele Amateurfotografen ausprobieren, während sie lernen, den Effekt zu verstehen, den eine Änderung der Verschlusszeit auf das endgültige Bild hat. Mit dem Aufkommen der Digitalkameras ist dies einfacher geworden, da die Ergebnisse sofort auf dem LCD-Display auf der Rückseite der Kamera angezeigt werden. Diese Technik ist sogar mit den heutigen Smartphones möglich. Infolgedessen finden wir viele Beispiele auf SocialMedia-Seiten ‒ einige fantastisch, andere weniger – was vielleicht der Grund dafür ist, dass dieser Trend, wie jeder Trend, oft als Spielerei angesehen wird und von Puristen verpönt ist.

 
 


 

Meiner Meinung nach machen Lichtspuren, sparsam eingesetzt, eine Menge Spaß und das ist es, was 90% der Fotografen von einem Hobby erwarten. Mit Ausnahme eines Stativs ist keine zusätzliche Ausrüstung erforderlich und Lichtspuren bieten eine einzigartige Perspektive auf eine Szene. Sobald Sie die Realität durch Einfrieren (oder zumindest Verlangsamung) der Zeit für diesen kurzen Moment verändert haben, erkennen Sie wunderbar man mit nur wenigen Kniffen man seinen kreativen Spielraum erheblich erweitern kann.

 
 


 

Vielleicht ändern Sie die Farbtöne der Szene, um sie filmischer wirken zu lassen. Vielleicht verändern Sie die Farben in ihrer Gesamtheit oder fügen auffällige Kontraste hinzu. Sie sind nicht mehr gezwungen, dem Betrachter die Realität der Landschaft zu präsentieren, sondern Sie wenden jetzt Techniken an, die den Realismus verändern, um ein Bild zu zeigen, dass das menschliche Auge nicht sehen kann. Vermeiden Sie die Verwendung von Lichtspuren in dem Versuch, eine schlechte Komposition auffälliger zu machen. Arbeiten Sie stattdessen an einer guten Komposition, um ein statisches Bild zu erzeugen, das Ihnen gefällt, und sehen Sie dann, was passiert, wenn Sie mit einem vorbeifahrenden Fahrzeug und einer längeren Verschlusszeit ein wenig Bewegung hinzufügen. Machen Sie es gut, und Sie können fast den Verkehrslärm und eine entfernte Sirene hören.

 
 

Über den Autor – Dave Fieldhouse

 

Ich habe Ende 2012 mit der Fotografie begonnen und seitdem nicht mehr zurückgeblickt. Ich erwarb meine erste DSLR-Kamera und führte ein Online-Diplom durch, um die Grundlagen zu erlernen. Seitdem verbringe ich fast jede freie Minute mit der Fotografie. Die Zeit ist jedoch der limitierende Faktor, sodass Arbeit, Familie und fotografische Ausflüge manchmal schwer unter einen Hut zu bekommen sind. Wenn es die Zeit mal nicht zulässt auf einen Hügel zu steigen, kann ich es trotzdem nicht lassen, und stecke meine Nase in ein Fotobuch oder eine Fotozeitschrift.

   

 

Der Frühling ist schon immer meine Lieblingsjahreszeit gewesen. Er schafft es, alle Bäume in Hülle und Fülle mit Blüten, Farben und Düften zu bedenken, Blumen blühen auf jeder Wiese und auf den Gesichtern aller Menschen ist ein Lächeln der Erleichterung zu sehen. Die Temperaturen steigen an und die Natur erobert sich wie jedes Jahr die Landschaft zurück. Der Schnee schmilzt allmählich, obwohl er dort, wo ich wohne, bis Juni liegen bleibt, und die Seen füllen sich wieder mit Wasser. So kehrt auch der Wunsch in mir zurück, wieder Landschaftsfotos zu machen, und wir beginnen mit der Planung von Wanderungen, um neue Alpenseen zu entdecken, die wir noch nie gesehen haben. Ehe wir uns versehen, ist der wahnsinnige Drang, endlich wieder an und unter den Hängen riesiger Berge zu fotografieren, wieder geweckt.

 

 

Ohne dass es einer Aufforderung bedürfte, sind wir bereit, nach draußen zu gehen und all die wunderbaren Möglichkeiten zu genießen, die die wärmeren Temperaturen und das schmelzende Eis uns bieten. Zuallererst – Klettern! Obwohl der Winter uns Eisklettern und Skifahren beschert, bereitet uns das Felsklettern bei Wärme von Jahr zu Jahr mehr Vergnügen. Das wohl Wichtigste für einen gelungenen Klettertag und gute Fotos sind Freunde. Wenn man mit einem Seil klettert, braucht man mindestens eine weitere Person, die sichert. Sind aber gleich drei oder mehr Leute dabei, ist es noch einfacher, an tolle Fotos zu gelangen, weil man so immer ein Klettermodell hat. Sogar in den letzten Stunden des Tages vor Sonnenuntergang können Sie immer noch neue Orte kletternd erkunden und die goldene Stunde für atemberaubende Bilder nutzen.

 

Für Aufnahmen wie diese empfehle ich, dass Sie eine gute Beziehung zu Ihren Modellen/Freunden haben, damit Sie sie an Orten positionieren können, die eine schöne Bildkomposition ergeben, oder vielleicht sogar den Ort der Aufnahme im Voraus planen. Dies ist überhaupt eine gute Herangehensweise an alle Landschaftsfotos, die Sie im Laufe des Jahres noch machen werden. Versuchen Sie immer, den Standort und die Lichtsituation im Voraus zu studieren und die Standorte zu bestimmen, an denen sich das Motiv noch mehr von der übrigen Landschaft abhebt.

 

 

Vor zwei Jahren habe ich zum Beispiel eine Wanderung zu einem Alpensee in meiner Region organisiert. Wir wussten, dass wir dank der starken Schneeschmelze der Berge, die ein Wasserbecken gebildet hatte, in dem sich die Dolomiten im Hintergrund spiegeln würden, unglaubliche Aufnahmen machen würden. Wir planten das Shooting außerdem so, dass es auf eine Vollmondnacht fiel. Sobald die Sonne untergegangen war, war er da, der Mond mit den ersten Sternen. Wir benutzten ein kleines Funkgerät, um mit dem Modell zu kommunizieren: „Zwei Sekunden lang nicht bewegen…3, 2, 1 und fertig!“ und machten einige unglaubliche Aufnahmen. Ein anderes Mal nutzten wir das leuchtende Grün und die helleren Tage des Frühlings, um einen kleinen See in den Dolomiten zu besuchen und mit ein paar Testaufnahmen ein schönes Bild mit der Spiegelung der Berge im See zu erhalten – trotz des noch hellen Lichts.

 

 

Natürlich kann man auch mal ohne all die sorgfältige Planung ein paar wunderbare Aufnahmen machen. Ich habe eine Menge Fotos in meinem Portfolio, die wir ungeplant gemacht haben, weil wir beschlossen hatten, eine neue Perspektive auf unserer Wanderung auszuprobieren. Wenn man sich an so großartigen Orten wie in den Bergen befindet, ist es besonders wichtig, Fotos aus so vielen verschiedenen Perspektiven wie möglich zu machen – vielleicht nur, um das Motiv und die Berge oder andere, noch viel größere Elemente in Beziehung zueinander zu setzen.

 

Auf einer Wanderung mit einer Gruppe von Freunden bemerkte ich plötzlich, dass die Sonne gerade zwischen den Gipfeln der Dolomiten unterging und einen schmalen Lichtstreifen auf der Wiese zurückließ. Ich zögerte keine Sekunde und bat einige meiner Freunde, langsam weiter dem schlecht markierten Weg zu folgen, und da war die Aufnahme: ein improvisiertes, aber gelungenes Foto.

 

 

Meine Aufnahme „On the Edge“ ist ein weiteres Beispiel dafür, dass ich versucht habe, das Motiv meines Fotos in eine der Landschaft unterlegene Position zu bringen. Es war ein sehr langer Aufnahmetag und wir waren auf dem Weg nach Hause, als ich diesen isolierten Felsturm mit seiner schönen Aussicht auf den Sonnenuntergang im Hintergrund bemerkte. Also positionierten wir das Model direkt an der Kante des Felsens. Unter ihren Füßen war ging es 300 Meter in die Tiefe und sie stand einfach da und bewunderte den Sonnenuntergang.

 

Mit dem Beginn einer neuen Jahreszeit empfehle ich jedem, rauszugehen und so viel wie möglich zu fotografieren! Leider ist dieses Jahr kein Reisejahr, aber nutzen Sie die Gelegenheit, vor der eigenen Haustür auf die Pirsch zu gehen und machen Sie das Beste aus der Situation. Fotografieren Sie die gesamte Schönheit, die auch dieser Frühling bringen wird!

 
 

Über den Autor – Camilla Pizzini

 

 

Camilla Pizzini wurde 1996 in Rovereto, Trentino-Südtirol, Italien, geboren. In ihrer Teenagerzeit hat sie sich in die Fotografie verliebt. Sie erwarb einen Bachelor-Abschluss in Design an der Freien Universität Bozen, der es ihr ermöglichte, ihre Kenntnisse in visueller Kommunikation und zeitgenössischer Kunst zu erweitern.

 

Seitdem arbeitet sie als Fotografin für kommerzielle Aufträge (Firmen-, Event-, Porträt-, Outdoor- und Sportfotografie) und arbeitet an eigenen Projekten.

 

Ihre tägliche Inspiration findet sie in der freien Natur, in den Bergen oder beim Sport.

 

Fotografisches Genre: Outdoor, Landschaft, Sportfotografie

 

 

Es ist nie zu spät, neu anzufangen.

 

Wir schreiben das Jahr 1993 und ich war 20, irgendwo in den Schützengräben in der Nähe des Flughafens von Sarajevo, mittendrin in dem Krieg, der schließlich das ehemalige Jugoslawien zerfallen ließ. Ich erinnere mich, wie ich die UN-Flugzeuge sah, die die belagerte Stadt verließen, und mir wünschte, ich könnte mich irgendwie in einen Vogel verwandeln und von den schrecklichen Umständen des Bürgerkriegs entfliehen, um irgendwo anders neu anzufangen.

 

Ich wusste damals nicht, dass es häufig reicht, sich selbst an einem bestimmten Ort zu visualisieren, und wenn man fest daran glaubt, wird das Leben einen Weg finden, diese Vorstellung für einen wahr werden zu lassen.

 

Das ist buchstäblich die einzige Erklärung, die ich dafür habe, dass ich, nachdem ich irgendwie einen verheerenden Bürgerkrieg in meiner Heimat Bosnien überlebt hatte, nicht nur einen Ausweg finden, sondern später auch eine Traumkarriere erleben konnte, die es mir ermöglichte, das zu tun, was ich liebe, und nebenbei die Welt zu bereisen.

 

Mein erstes Jahrzehnt in den USA Mitte der neunziger Jahre bedeutete einen Neuanfang in meinem Leben. Ich passte mich der neuen Kultur an und arbeitete in Gelegenheitsjobs, um mich über Wasser zu halten. Irgendwann bekam ich eine der ersten Point-and-Shoot-Digitalkameras und das war dann wohl der eigentliche Neuanfang. Zu dieser Zeit lebte ich im wunderschönen Pazifischen Nordwesten, und so war es ein Leichtes, meine Angelausrüstung durch eine Kameraausrüstung zu ersetzen und die zeitlose Schönheit der Landschaften des Evergreen State einzufangen.

 
 

 

Als Nächstes stand ein weiterer Neuanfang für mich an – als ich 30 wurde, schrieb ich mich als Erstsemesterstudent an einer Kunstschule ein. Die Entscheidung, wieder die Schulbank zu drücken, gehört definitiv zu den besseren, die ich auf meinem Weg getroffen habe. Am Art Institute erlernte ich den technischen Teil des Fotografiehandwerks kennen. Ich hatte das Glück, mehrere Preise zu gewinnen, die mich auf meinem Weg zu einem erfolgreichen Profifotografen bestärkten. Einige dieser frühen Bilder sind immer noch ein wichtiger Teil meines Portfolios.

 
 

 

Wenn der Besuch der Schule selbst nicht ganz ausgereicht hat, um meine Karriere voranzutreiben, so hat aber dann die Teilnahme an einer Reality-TV-Show zum Thema Fotografie sicherlich geholfen – ein weiterer Neuanfang. Nur wenige Monate nach dem Schulabschluss wurde ich mit einem Dutzend anspruchsvoller fotografischer Herausforderungen konfrontiert und wurde dabei rund um die Uhr gefilmt. Das war eine wahre Feuertaufe. Da ich einen Krieg erlebt habe, macht mir Druck nichts aus und ich komme mit sehr wenig Schlaf aus. Diese Erfahrungen haben mir geholfen, die Tortur des Reality-TVs zu überstehen und ich habe diese Prüfung mit Bravour bestanden, wie diese Bilder zeigen.

 
 

 

Obwohl ich die Show nicht gewann, erkannte ich, dass ich in die Welt der kommerziellen Fotografie gehörte und dass dieses Wissen an sich von unschätzbarem Wert war.

 

Meine nächste Herausforderung war der Versuch, das Gelernte in tatsächlich zahlende Kunden umzusetzen. Glücklicherweise sprachen meine Fotos für sich selbst, und ich erwischte den Social-Media-Wahn gleich zu Beginn, was es mir ermöglichte, Nike, Playboy und andere große Namen viel früher als erwartet auf meiner Kundenliste zu begrüßen.

 
 

 

Das Geschäft lief gut, aber mir reichte das noch nicht. Immer hungrig nach einer neuen Herausforderung, verließ ich Seattle, zog nach Los Angeles und begab mich auf den größten Kreativmarkt der Welt. Es dauerte genau 5 Jahre von der Idee des Umzugs bis zur Eröffnung meines Studios in der blühenden Innenstadt von Los Angeles. In dieser Zeit habe ich einige meiner besten persönlichen Arbeiten geschaffen.

 
 

 

Das Ende des letzten Jahrzehnts inspirierte mich dazu, mich auf meine Wurzeln zu besinnen und wieder die Schönheit in Reisen, Menschen und Landschaften zu suchen. Die kommerzielle Arbeit hatte meine Kreativität ein wenig ermüdet, also verabschiedete ich mich vom schnelllebigen Stadtleben und beschloss, mich mehr auf Landschaften zu konzentrieren. Wieder einmal verwirklichte sich die Idee des Neuanfangs, wie diese Bilder zeigen.

 
 

 

Wir haben unseren Planeten über längere Zeit hinweg nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst, und das hat uns in letzter Zeit immer wieder eingeholt. Ich habe das Gefühl, dass die Menschheit am Anfang einer großen und schwierigen Übergangsphase steht. Allerdings hatte ich bisher das Glück, vergangene Krisen gemeistert zu haben und es wird hoffentlich auch bei dieser nicht anders sein. Möchten Sie den nächsten Teil meiner Geschichte hören, freue ich mich, wenn Sie auch meinen nächsten Beitrag im Datacolor-Blog lesen.

 
 

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Wie bist du zur Fotografie gekommen?

 

Mein erster Berührungspunkt mit der Fotografie war eher zufällig. Als ich 16 war, bekam mein Bruder eine kleine Bridge-Kamera zum Schulabschluss geschenkt, und ich fing an, damit zu spielen und hier und da, rund um das Haus und im Garten, Details zu fotografieren. Ich verliebte mich sofort in die Bilder, die ich dabei machen konnte. Die Fotografie wurde schnell zu meiner Leidenschaft, und ich wusste, dass ich sie zu meinem Beruf machen wollte: Einige Jahre später begann ich, Fotoshootings zu machen, und ich habe nie damit aufgehört!

 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Ich fotografiere hauptsächlich Landschaft und Natur. Ich betrachte die Natur als mein zweites Zuhause, da ich das Glück hatte, in der Nähe der Dolomiten (UNESCO-Weltnaturerbe) aufzuwachsen. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum ich die Landschaftsfotografie so sehr liebe! Ich versuche, so viel Zeit wie möglich in den Wäldern zu verbringen, denn dort finde ich wieder zu mir selbst. Ich liebe es, neue Umgebungen zu erkunden – mit Menschen, die dieselbe Leidenschaft für Abenteuer teilen. In meinem Berufsleben habe ich mich auf Innenarchitektur-Shootings spezialisiert, sowie auf die Architektur und die Promotion des Gebiets, in dem ich auch lebe.

 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?

 

Meine größte Herausforderung war die Selbstständigkeit, da ich eine sichere Position in der Firma, für die ich gearbeitet habe, verlassen musste. Es war definitiv nicht einfach, mir einen Namen zu erarbeiten, meinen Kundenstamm zu finden und meinen eigenen einzigartigen Stil zu entwickeln. Ich habe noch viel Arbeit vor mir und muss noch viel lernen, aber ich habe das Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin!

 

 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?

 

Meine wohl größte Inspirationsquelle ist die Natur selbst: Sie ist schön und kraftvoll, sehr vielfältig und dynamisch. Die Natur schafft es immer noch, mich jedes Mal mit ihrer Ausdruckskraft und der Atmosphäre, die sie schafft, zu überraschen. Die Natur kann mit ihren unterschiedlichen Lichtern zu verschiedenen Tageszeiten ein breites Spektrum an Emotionen entfesseln: von den Orangetönen, die man bei Sonnenuntergang bewundern kann, über die leuchtenden Rottöne bei Sonnenaufgang bis hin zu den warmen Lichtern der goldenen Stunde und den hellen Grüntönen zur Mittagszeit. Wenn man darüber nachdenkt, schenkt uns die Natur ein Open-Air-Kino, das immer anders und nie trivial oder langweilig ist. Das ist alles, was man sich als Fotograf wünschen kann.

 

Was ist deine Herangehensweise?

 

Ich fotografiere für mich, um Erinnerungen zu schaffen und um zu kommunizieren. Wenn ich etwas fotografiere, ist mein Hauptziel, die Emotionen dieses speziellen Moments zu erfassen, um sie demjenigen zu vermitteln, der das Bild betrachtet – auch wenn es erst Jahre später ist. Mit meinen Bildern möchte ich eine Sammlung all jener magischen Momente schaffen, die helfen, sich an Menschen, Orte, Landschaften, Reize und Stimmungen zu erinnern, die die Natur geschaffen hat. Es ist für mich entscheidend, ein ausgewogenes Bild zu schaffen, mit klaren Linien und harmonisch in seinen Details. Ich versuche immer, Aufnahmen zu erstellen, die minimalistisch sind, um dem Betrachter zu helfen, sich auf das zu konzentrieren, was meine Aufmerksamkeit am meisten erregt hat.

 

 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?

 

Da ich beruflich fotografiere, ist Farbe essentiell und grundlegend für meine Bildbearbeitung: Für mich ist ein Bild dann gut gelungen, wenn es die realen Farben so gut wie möglich wiedergibt. Während meines Bearbeitungsworkflows verwende ich einen Laptop und einen Desktop-Bildschirm, die beide mit Kalibrierungstools wie dem SpyderX kalibriert sind, um meinen Kunden realitätsgetreue Bilder liefern zu können.

 

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Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

 

Ich stehe erst am Anfang meiner Karriere, aber ich würde sagen, übe weiter und experimentiere so viel wie möglich, bis du deinen Weg, deinen Stil und deine Nische gefunden hast.

 

Mein Rat wäre, es weiter zu versuchen, niemals aufzugeben und einfach diesen Job zu genießen, der meiner Meinung nach einer der besten ist, den man ergreifen kann!

 
 

Über den Autor – Elisa Fedrizzi

 

Elisa Fedrizzi wurde 1995 in einer kleinen Stadt in Trentino Südtirol (Italien) geboren. Sie stellt sich selbst gerne mit diesem Satz vor: "Kreativer Kopf seit 1995". Sie ist extrem kreativ und freut sich immer auf das nächste Abenteuer.

 

Nach dem Abschluss des naturwissenschaftlichen Gymnasiums machte sie eine Kehrtwende und beschloss, sich kreativeren Fächern zu widmen. Sie schrieb sich an der Akademie der Schönen Künste in Brescia ein und schloss ihr Studium mit einer Innenarchitektur-Diplomarbeit ab, für die sie die Bestnote erhielt (110/110 mit Auszeichnung).

 

Sie hat diesen Schritt nie bereut und nutzte jede Gelegenheit, um mehr über alles, was mit Kunst und Design zu tun hat, zu erfahren. Das führte dazu, dass sie immer mehr dazu lernte und in verschiedenen Bereichen arbeitete: Innenarchitektur, visuelles, urbanes Design, Webdesign, Grafik und alles, was mit Kunst und Kreativität zu tun hat. Die Auseinandersetzung mit so vielen verschiedenen Bereichen inspirierte sie zutiefst, half ihr aber auch zu verstehen, worauf sie sich wirklich spezialisieren wollte: Fotografie, Grafik- und Innendesign.

 

2019 verließ Elisa ihre Stelle in einem Innenarchitekturbüro, um sich als Fotografin und Designerin selbstständig zu machen. Derzeit arbeitet sie mit Architektur- und Designstudios zusammen, wobei sie hauptsächlich bei den Innenarchitekturprojekten, der Erstellung von 3D-Rendering und CAD 2D, Grundrissen, Farb- und Materialauswahl hilft und für den fotografischen Teil die fertigen Innenräume (Privathäuser und Auftragsarbeiten wie Hotels, Restaurants, etc.) fotografiert. Dies ermöglicht es ihr, eine Brücke zwischen den Dingen, die ihr am Herzen liegen, zu schlagen.

   

 

Während der Winter dem Frühling weicht, hat das Jahr 2021 noch immer nicht die Rückkehr zur Freiheit unseres früheren Lebens gebracht, auf die viele von uns so hoffnungsvoll gewartet hatten. Stattdessen waren die ersten 2 Monate dieses Jahres genauso verwirrend und katastrophal wie es das gesamte Jahr 2020 war. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, habe ich einen optimistischen Blick auf die Modeindustrie geworfen und aus meiner Perspektive als Fashion-Fotografin, für die die Ethik der Branche eine wichtige Rolle spielt, einige Entwicklungen identifiziert, die Hoffnung machen.

 

 

In den letzten Jahren habe ich mich umfassend mit unserem Klimanotstand auseinandergesetzt, insbesondere mit dem Einfluss der Modeindustrie auf den Planeten und meine Rolle, die ich als Modefotografin dabei spiele. Ich muss zugeben, dass es eine ziemlich düstere Lernkurve war. Alles von Textilabfällen über schockierende Deponiestatistiken, Dürren, giftigen Farbstoffen und Arbeitern in der Bekleidungsindustrie, die keinen existenzsichernden Lohn erhalten. Dazu kommt die fehlende Transparenz bei all den einzelnen Kleidungsstücken, die um die ganze Welt geschickt werden, damit dort winzige Anpassungen vorgenommen werden, bevor sie überhaupt in den Handel gelangen. Ich bin jedoch voller Hoffnung ob einiger Lösungen, die der Modemarkt hervorgebracht hat.

 

 

Das Mieten von Mode ist auf dem Vormarsch und in einem Markt, in dem übermäßiger Konsum eines der größten Probleme darstellt (laut Oxfam landen allein in Großbritannien jede Woche fast 13 Millionen Bekleidungsartikel auf der Mülldeponie – das sind 336.000 Tonnen pro Jahr) – ist das Mieten eine vielversprechende Alternative. Laut GlobalData wird der Marktwert des Kleiderverleihs in Großbritannien bis 2029 voraussichtlich 2,3 Milliarden Pfund erreichen – ein ziemlich drastischer Anstieg im Vergleich zu den geschätzten 400 Millionen Pfund im Jahr 2019. Covid-19 hat unsere Art und Weise verändert, wie wir einkaufen und wie wir Mode konsumieren. Die Ungewissheit rund um größere Events und die sich verändernde Arbeitswelt hat dazu geführt, dass der Kauf eines Kleidungsstücks dazu führen kann, dass man es zwar besitzt, aber es nirgendwohin ausführen kann. Mit dem Verleih können Sie etwas einmal tragen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Der Verleih von Mode gibt uns den ersehnten Dopamin-Kick, erkennt dabei aber die Neuheiten und Trends an, von denen die Industrie abhängt, und schont gleichzeitig die Umwelt. Es funktioniert für Verbraucher und Designer gleichermaßen; Designer müssen nicht so viele Kleidungsstücke produzieren und Verbraucher müssen nicht den vollen Preis für ein Teil zahlen, das sie nur einmal oder einige wenige Male tragen. Doch das ist nicht das Ende der Kreislaufwirtschaft in der Modeindustrie.

 

 

Der Markt für den Weiterverkauf von Kleidung, insbesondere im Luxus-Segment, hat in letzter Zeit ebenfalls einen enormen Boom erlebt. Laut Vogue Business wird dieser Teil des Marktes bis 2023 einen Wert von 51 Milliarden Dollar erreichen. Bei neuen Kleidungsstücken sind Marken wie Stella McCartney führend bei der Investition in neue Technologien für eine umweltverträglichere und das Tierwohl berücksichtigende Produktion von Kleidung (wie z. B. im Labor gezüchtete Seide und nachbearbeitetes Kaschmir) und reduzieren nicht nur den Abfall, sondern verarbeiten auch Reststücke zu neuer Kleidung.

 

 

Der Markt für den Weiterverkauf von Kleidung, insbesondere im Luxus-Segment, hat in letzter Zeit ebenfalls einen enormen Boom erlebt. Laut Vogue Business wird dieser Teil des Marktes bis 2023 einen Wert von 51 Milliarden Dollar erreichen. Bei neuen Kleidungsstücken sind Marken wie Stella McCartney führend bei der Investition in neue Technologien für eine umweltverträglichere und das Tierwohl berücksichtigende Produktion von Kleidung (wie z. B. im Labor gezüchtete Seide und nachbearbeitetes Kaschmir) und reduzieren nicht nur den Abfall, sondern verarbeiten auch Reststücke zu neuer Kleidung.

 

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Über die Autorin – Holly McGlynn

 

 

Die in Dublin geborene Fotografin und Friends with Vision Mitglied Holly McGlynn ist in London ansässig. Hollys Werke werden in Magazinen wie Cosmopolitan, Grazia und Glamour vorgestellt. Sie hat auch an Projekten für führende Marken wie Faberge, Chanel, Playboy und Levi’s gearbeitet. Farbe spielt eine große Rolle in der Art und Weise wie sie Weiblichkeit und die Wahrnehmung von Frauen in der Modebranche darstellen möchte. In diesem Blog spricht sie über ihre Reise in die Modefotografie und über Fragen der Präsentation in dieser Branche.

   

Weitere Artikel von Holly McGlynn


Wie bist du zur Fotografie gekommen?

 

Als Jugendlicher hatte ich auf dem Speicher meiner Eltern einen alten Scharz-Weiß-Vergrösserer und Fotopapier gefunden. Ich kaufte mir für wenig Geld eine gebrauchte Spiegelreflexkamera und richtete mir eine Dunkelkammer ein. Das war der Beginn meiner Leidenschaft für Fotografie die bis heute anhält.

 

 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?

 

Über viele Umwege bin ich schließlich bei der Reise- und Strassenportrait-Fotografie gelandet. Mich begeistert der Kontakt zu den Menschen. Für ein gutes Portrait reichen manchmal wenige Minuten, manchmal muss über mehrere Tage Vertrauen aufgebaut werden. Ein Lächeln eines alten Menschen ist dabei genauso motivierend wie lachende und glückliche Kindergesichter.

 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?

 

Mittlerweile bin ich Teil einer weltweiten Community im Bereich der Reisefotografie und werde zu Buchprojekten, Kalendern und Ausstellungen eingeladen. Das möchte ich natürlich gerne weiter pflegen und intensivieren.

 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?

 

Zweifelsohne die Magnum Fotografen und Steve McCurry im Besonderen

 

 

Was ist deine Herangehensweise?

 

Für erfolgreiche Reise- und Strassenportrait-Fotografie benötigt man Zeit. Wichtig ist die Menschen und Gesichter zu finden, dafür muss man viel unterwegs sein. Der nächste Schritt ist der Kontakt, hier benötigt man viel Erfahrung. Natürlich muss man ab und zu auch mit Ablehnung rechnen, das muss man respektieren. Kleine Geschenke helfen, wichtig ist aber auch in der jeweiligen Landessprache einige Sätze zu lernen. Für spezielle Fälle, beispielsweise Naturvölker, ist ein Guide unerläßlich.

 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?

 

Akkurate Farben sind vor allem für Hauttöne wichtig. Hier kann es leicht passieren dass man einen leichten Blau- oder Grünstich erhält, der bei der Bildbearbeitung oft nicht sofort auffällt. Wird das Bild veröffentlich und der Farbstich ist im Vergleich zu den anderen Bildern erkennbar dann ist das sehr ärgerlich. Deshalb sollte man immer auf akkurate Farben achten und den Monitor kalibrieren.

 

 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

 

Die Technik sollte in den Hintergrund treten. Ein gutes Bild ensteht nicht auf Grund von technischen Spezifikationen moderner Digital Kameras, die oft gerne ausführlich in Foren diskutiert werden. Natürlich hilft die Beherrschung des fotografischen Handwerks. Es sind aber oft andere Faktoren die ein Bild aus der Masse der Bilderflut herausstechen lassen. Jedes Genre der Fotografie hat dabei ganz eigene Anforderungen, so dass man keinen allgemeinen Ratschlag geben kann. Hilfreich ist, sich von Vorbildern inspirieren zu lassen, aber auch großen Wert auf seinen eigenen wiederkennbaren Stil zu legen.

 
 

Über den Autor – Dietmar Temps

 

Dietmar Temps ist diplomierter Medien- und Photoingenieur sowie ausgebildeter Fotograf mit über 20 Jahren Berufserfahrung in der Medienbranche. Er lebt in Köln, Deutschland. Seine ersten beruflichen Schritte in der Fotografie konnte er als Fotoassisent in ganz Europe sowie in Amerika sammeln. Im Anschluss studierte er Photo- und Medientechnik an der Technischen Hochschule Köln. Aktuell liegt sein Hauptaugenmerk auf der Realisierung von Foto- und Internetprojekten mit einem starken Fokus auf Reisefotografie, Social Networking und Video Streaming.

 

Auf seinem Travel-Blog schreibt er über seine Fotoreisen an die schönsten Flecken dieser Erde, die er in den zurückliegenden Jahren unternommen hat. Darunter waren viele Reisen nach Afrika, Süd Amerika und Asien.

 

Auf seiner Webseite finden sich zahlreiche Foto-Serien seines fotografischen Schaffens das in Bildbänden, Magazinen und Travel Blogs veröffentlicht wurde.

   

Die Planung und Durchführung eines Fotoshootings kann wie eine Mammutaufgabe wirken. Es ist ein bisschen so wie ich mich gerade fühle, wenn ich auf dieses leere Dokument auf meinem Computermonitor starre und weiß, dass ich die Seite mit Worten füllen muss. Dieser Startmoment ist durchaus entmutigend! Aber das muss so nicht sein – jede einzelne Phase eines Shootings kann angenehm, erfreulich und etwas ganz Besonderes sein. Sie können jeden einzelnen Schritt davon genießen und lieben – Sie müssen nur lernen, wie.
 

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Planung

 

Manche Menschen planen für ihr Leben gern, andere hassen es. Ich bin eine bekennende Planungsliebhaberin. Es gibt nichts, was ich mehr liebe, als am Anfang des Jahres ein neues Tagebuch aufzuschlagen und meine Ziele aufzuschreiben. Aber vielleicht graust es Ihnen bei dem Gedanken! Wie kann man also lernen, den Planungsprozess zu genießen? Egal, ob Sie ein persönliches Projekt aufnehmen oder etwas für einen Kunden planen, Sie müssen sich dafür Zeit und Raum geben. Ich weiß, dass das nicht immer möglich ist, denn manchmal finden Shootings unfassbar kurzfristig statt. Die Planung eines Shootings kann eine Mammutaufgabe sein und viele unbekannte Variablen mit sich bringen, die sich auf das Shooting selbst auswirken. Tun Sie sich selbst und Ihrem Kunden einen Gefallen, indem Sie sich so viel Zeit wie möglich nehmen, jeden Aspekt Ihres Shootings in Ruhe und ohne Stress zu planen, damit das Shooting selbst möglichst reibungslos abläuft.

 

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Genauso wichtig ist es, darüber nachzudenken, wann Sie sich am besten konzentrieren können. Sind Sie ein Morgenmensch oder ein Nachtschwärmer? Ich weiß, dass ich morgens am produktivsten bin, also plane ich für meine Vormittage die Aufgaben, die mehr Konzentration erfordern. Alles, was schwierig ist und viel Energie erfordert, wird in der Regel als erstes am Morgen erledigt. Wenn ich um etwas Schwieriges gebeten werde (z. B. einen Kostenvoranschlag für einen Auftrag zu erstellen) und es ist spät am Tag, funktioniert mein Gehirn einfach nicht und ich empfinde die Aufgabe als kompliziert und frustrierend. Wenn ich aufwache und sie gleich morgens erledige, fällt es mir viel leichter. Ich mag es auch, wenn mein Büro ruhig ist (etwas, worüber mein Freund und ich uns damals in Lockdown 1.0 unterhalten mussten, als er zum ersten Mal von zu Hause aus arbeitete!). Wenn ich plane, kann ich keine Musik laufen lassen und keine Podcasts hören. Vielleicht ist das bei Ihnen anders! Denken Sie darüber nach, wie Ihre Umgebung sein sollte, und tun Sie Ihr Bestes, um Ihren Arbeitsbereich so gut wie möglich auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen.

 

Shooting

 

Es wäre schön, wenn jedes Shooting, das wir durchführen, nichts als reine Freude wäre, aber leider kann die Arbeit am Set sehr stressig sein. Es gibt Dinge, die Sie tun können, um Shootings so stressfrei wie möglich zu gestalten. Der Schlüssel liegt in der Planung. Um einen möglichst entspannten Shooting-Tag zu haben, muss man gut organisiert sein. Ich dachte immer, ich könnte einfach mit einer vagen Vorstellung von dem, was wir machen würden, am Set auftauchen, improvisieren und etwas Tolles produzieren. Damit habe ich mich allerdings geirrt. Die Magie nimmt dann ihren Lauf, wenn man sich vor dem Shooting die Zeit nimmt, alles zu planen. Ich spreche davon, die Belichtung zu planen, zu wissen, wie viele Aufnahmen nötig sind, sich schon im Vorfeld Gedanken über die Storyline zu machen und sicherzustellen, dass man nicht nur alle benötigten Utensilien dabei hat, sondern auch, dass das Equipment einwandfrei funktioniert. Ich persönlich bin ein Freund davon, Shotlists für mich selbst zu erstellen. Meine Zeichnungen sind zumeist schrecklich (meist von Strichmännchen), aber es ist egal, wie sie aussehen. Wichtig ist nur, dass ich mir vor dem Shooting-Tag die Zeit genommen habe, mir für jede Aufnahme Komposition, Posen, Requisiten und Belichtung zu überlegen. Wenn es dann an der Zeit ist, die Kamera in die Hand zu nehmen, weiß ich genau, was ich zu tun habe.

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Zudem empfehle ich Ihnen, sich einen Zeitplan für den Tag zu erstellen, sofern das möglich ist. Ich habe vor etwa zwei Jahren damit angefangen, und diese Vorgehensweise hat sich für mich absolut bewährt. Ich plane den Tag komplett durch, angefangen damit, wann jeder einzelne am Set ankommen sollte, von wann bis wann Make-Up und Haare gemacht werden sollten, bis hin zur Planung, wie viel Zeit jede Aufnahme in Anspruch nehmen sollte. Ich weiß, das klingt nach einer Menge Arbeit, aber es lohnt sich zu 100 %, sich die Zeit dafür zu nehmen. Ich schicke meine Timeline an alle, die am Shooting beteiligt sind, und alle sagen, dass sie unglaublich hilfreich ist und ihnen hilft, den Überblick zu behalten. Mein zusätzlicher Tipp: Nehmen Sie sich mehr Zeit, als Sie denken. Es ist besser, früh fertig zu werden, als Überstunden zu machen!

 
 

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Nachbearbeitung

 

Ich muss gestehen, dass die Nachbearbeitung eines Shootings der Schritt ist, mit dem ich am meisten zu kämpfen habe. Generell bin ich kein Fan davon, stundenlang am Computer zu sitzen und ich mag Hautretusche überhaupt nicht. Aber auch hier habe ich Mittel und Wege gefunden, diesen Teil des Workflows angenehm zu gestalten. Ich habe gelernt, was für mich funktioniert, und Sie können das auch. Zuallererst sollten Sie sich einen guten Schreibtischstuhl besorgen. Wenn Sie stundenlang am Schreibtisch sitzen, müssen Sie es nicht nur bequem haben, sondern auch Ihr Rücken wird es Ihnen danken! Legen Sie gute Musik auf oder hören Sie sich einen tollen Podcast an (ich genieße gerade sehr „The Exposed Negative“ von Greg Funnell und Tom Barnes). Ich weiß, dass manche Leute gerne Filme oder Youtube-Videos anschauen… das geht mir ein bisschen zu weit. Das schaffe ich nicht ganz! Aber wenn das für Sie funktioniert, machen Sie es.

Und schließlich: Investieren Sie in Ihre Fähigkeiten. Nehmen Sie sich die Zeit, zu lernen, wie Ihre Software funktioniert und sie wirklich zu verstehen. Wenn Sie genau wissen, wie etwas funktioniert, sind Sie tausend Mal schneller fertig und empfinden viel weniger Frustration. Investieren Sie also diese Zeit, um zu lernen, wie Sie die Ihnen zur Verfügung stehenden Werkzeuge richtig benutzen.

 
 
Model: Lindsey Isla

 

Lange Zeit wusste ich, dass in meiner Fotografie etwas fehlte, aber ich wusste nicht, was es war. Ich schaute mir meine Arbeit an und hatte das Gefühl, dass etwas einfach nicht stimmte. Es war frustrierend, und als ich mir die Bilder anderer Fotografen ansah, fragte ich mich, was das war: „Was hat ihre Arbeit, was meine nicht hat?!“
 

Erst als ich zu einer Coachingsitzung mit der Fotoberaterin Zoe Whishaw ging, machte etwas klick.
 

Mir fehlte das Element der Geschichte in meinen Bildern.
 

Zoe erklärte mir, dass meine Bilder zwar hübsch waren, aber das war leider auch irgendwie alles, was sie waren. Nur hübsche Fotos von hübschen Mädchen in hübschen Kleidern. Es fehlte meinen Fotos an Tiefe, Charakter und Zweckgerichtetheit.
 

Am Anfang war das natürlich schwer zu verdauen. Wir wollen immer hören, dass unsere Arbeit großartig ist und den Betrachter fesselt! Nicht, dass sie, na ja… ein bisschen langweilig sei.
 

Aber anstatt zu schmollen, hörte ich aufmerksam zu was sie sagte, und als ich an diesem Abend nach Hause kam, begann ich wirklich tief in das Storytelling mit Hilfe der Kunst als Stilmittel einzutauchen. Wie erzählt man eigentlich eine Geschichte durch Kunst? Wo findet man diese Geschichten? Was machen andere Künstler?
 

Für mich kam die Antwort darauf von innen. Ich schnappte mir ein Notizbuch und einen Stift und schrieb oben auf die Seite die Überschrift: „Was macht mich aus?“ Innerhalb weniger Minuten hatte ich Dutzende von Notizen und mit diesen Notizen Hunderte von Ideen für Fotoshootings. Mir wurde klar, dass das fehlende Element in meiner Arbeit nicht nur die Geschichte, sondern auch ich selbst gewesen war. Ich versuchte, Bilder zu kreieren, von denen ich dachte, dass andere Leute sie sehen wollten, während ich in Wirklichkeit darüber hätte nachdenken müssen, wer ich bin und wie ich das in eine visuelle Geschichte übertragen konnte.
 
 

 
 

Die erste Geschichte, die ich erzählen wollte, war die meines Kindheitstraums, Künstlerin zu werden. Solange ich mich erinnern konnte, wurde ich als „ein künstlerischer Mensch – eine kreative Person“ bezeichnet. Und, ehrlich gesagt, gefällt mir diese Beschreibung sehr gut.
 
 

 
 

Als Kind hatte ich die wildesten Träume, z.B. mit Staffelei und Pinsel in einen Wald zu laufen, den Tag im Sonnenschein zu verbringen und schöne Landschaften zu malen. Ich weiß nicht, woher diese Fantasie kam, denn ich konnte nicht besonders gut Malen und es machte mir nicht einmal besonders viel Spaß, aber irgendwie gefiel mir dieser Traum.

Daher stammt auch die Idee für meine redaktionelle Geschichte „Der Künstler“.
 

Um diese Geschichte zum Leben zu erwecken, fertigte ich zunächst ein Moodboard an, das mit Bildern von Künstlern gefüllt war, die in der Natur malten. Mir wurde nämlich schnell klar, dass es viel interessanter war, statt nach Fashionfotos von malenden Models zu suchen, nach Bildern von echten Künstlern zu suchen, die auch wirklich malten, und sich von ihnen inspirieren zu lassen.

Als das Moodboard fertig war, rief ich ein kreatives Team zusammen und teilte ihnen meine Vision sowohl in schriftlicher als auch in visueller Form mit, indem ich eine sorgfältig kuratierte PDF-Datei zur Verfügung stellte. Ich fügte Stichwörter für die Stimmung und das Gefühl des Shootings ein und auch über Aussehen und Handlungen des Models. Ich fügte Notizen und Inspirationsbilder zu Styling, Make-up und Haaren hinzu. Ich erstellte eine Liste von Requisiten, die ich zur Verfügung haben wollte, und habe so meine gesamte Vision so weit wie möglich zum Leben erweckt.
 

Ich fand heraus, dass je mehr Details ich vor dem Shooting in die Planung und Gestaltung der Geschichte einfließen ließ, desto mehr verstand das Team die Richtung, die ich einschlagen wollte, und desto leichter war es, die Shootingidee in die Tat umzusetzen. Tatsächlich lief das Shooting unglaublich gut und zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich mit meiner Arbeit eine echte Geschichte erzähle.

Wie können Sie also Elemente der Story in Ihre eigene Arbeit einbringen? Es muss nicht lang und kompliziert sein – werden Sie so kreativ und detailliert, wie Sie möchten.

Schnappen Sie sich zunächst einen Stift und ein Notizbuch und lassen Sie Ihre Ideen einfließen – notieren Sie sich Dinge, die Sie interessieren – Geschichten über Sie und Ihre Vergangenheit oder alles andere, was Sie Ihnen in den Kopf kommt. Es gibt hier kein richtig oder falsch, schreiben Sie einfach alles auf. Als ich meine Liste schrieb, habe ich Dinge aufgenommen wie:
 

  • Meine Kindheit in der Schweiz
  • Künstler sein
  • Meine Liebe zu Pferden
  • Umzug ins Ausland
  • Meine Liebe zur Farbe Blau
  • Lange Kleider
  • Heiße Sommer

 

Wenn Sie Ihre Liste geschrieben haben, wählen Sie ein Konzept, das Ihr Interesse wirklich fesselt, und beginnen Sie, diese Idee in Form einer Fotostory zu konkretisieren. Suchen Sie bei Pinterest oder in Zeitschriften nach Bildern, die Ihre Idee einfangen und erstellen Sie eine visuelle Sammlung. Wenn Sie stattdessen lieber mit Papier und Stift arbeiten, erstellen Sie eine Mind Map darüber, wie Sie Ihre Geschichte zum Leben erwecken würden.
 

 
 

Eine wichtige Sache, die man nicht vergessen sollte, sind die Requisiten. Die passenden Requisiten erwecken ein Bild wirklich zum Leben. Wenn Sie die Geschichte eines Künstlers erzählen wollen, ist es durchaus sinnvoll, Werkzeuge mit einzubeziehen, die ein Künstler benutzen würde, wie eine Leinwand, Farben oder eine Staffelei. Wenn Sie die Geschichte eines heißen Sommertages erzählen möchten, könnten es Dinge wie Eiscreme oder Liegestühle sein.
 

 
 

Auch die Location spielt eine wichtige Rolle und muss gut gewählt sein. Wenn Sie einen bestimmten Ort nicht zur Verfügung haben, könnten Sie ihn in einem Studio über das Setdesign nachbilden?

Wenn Sie mit einem Team zusammenarbeiten, müssen Sie Ihren Teammitgliedern ihr Konzept so klar und einfach wie möglich darlegen, damit sie Ihre Idee und Ihre Geschichte dahinter verstehen. Gehen Sie äußerst detailliert vor! Meiner Erfahrung nach sind Fotoshootings am besten, wenn ein Team von talentierten Leuten an Ihrer Seite arbeitet, die Ihre Vision wirklich verstehen. Nehmen Sie sich die Zeit, einen kurzen Text zu schreiben, in dem Sie erklären, worum es in Ihrer Geschichte geht, wie sich die Bilder anfühlen sollen, wie sie aussehen sollen usw.
 

 
 

Am wichtigsten aber ist, dass Sie Spaß an der Sache haben! Sie sollten eine Verbindung zu dem spüren, was Sie schaffen. Nur so können nicht nur Sie selbst, sondern auch die Menschen, die Ihr Werk später betrachten, eine stärkere Verbindung dazu herstellen. Versuchen Sie es – Sie werden es nicht bereuen!

 

Da ich als Konzertfotograf mit Acts wie AC/DC, Rammstein, Genesis und vielen anderen mehr weltweit auf Tournee gehe, sind Konzerte bzw. Tourneen eine wichtige Einnahmequelle für mich. Insoweit hat Covid19 nicht nur einen großen, sondern einen fast fatalen Einfluss auf mein Kerngeschäft und damit auf mein Einkommen. Auch meine Arbeit als Lead Photographer für das weltweit wohl erfolgreichste Make-Over-Event „Princess for One Day“ ist durch den vorzeitigen, gesetzlich vorgeschriebenen Tourneeabbruch zum Erliegen gekommen.

 

 

Obwohl die meisten diesjährigen Workshops abgesagt wurden und es unwahrscheinlich scheint, dass es dieses Jahr wieder internationale Konzerte geben wird, habe ich meinen Erfolg aus meiner umfangreichen Business-Lecture Tour auf 1:1 Coachings ausgeweitet, um meine 40+ Jahre Erfahrung an junge Talente weiter zu geben. Unser ehrgeiziges Ziel ist es, trotz Corona den Umsatz des Vorjahres in den nächsten 12 Monaten um 25% zu steigern, und zwar jeweils für die nächsten drei Jahre.

 

 

Glücklicherweise besteht ein großer Teil meines Geschäftsmodells darin, meine Bilder weltweit zu lizensieren und ich konnte in dieser auf vielen Ebenen recht ruhigen Zeit diesen Teil meines Business weiter ausbauen. Da auch meine Workshops abgesagt wurden, hatte ich etwas mehr Zeit, mich auf neue Themen zu fokussieren und mein Ziel, mit anderen Fotografen ein neues, nie da gewesenes Fotoportal aufzubauen, wieder aufnehmen (nach meinem Schlaganfall letztes Jahr musste ich mich aus diesem Projekt zurückziehen).

 

Ich habe neue Techniken in der Postproduktion erforscht und an völlig neuen fotografischen Themen – so z.B. der Foodfotografie – gearbeitet, die ich bis dahin nie verfolgt habe.

 

 

Mein Rat an andere Fotografen in diesen schweren Zeiten ist, den Kopf nicht hängen zu lassen! Es ist eine harte Zeit für alle, und es besteht kein Zweifel, dass uns noch weiterhin herausfordernde Zeiten bevorstehen. Glauben Sie weiterhin an Ihre Arbeit und schaffen Sie weiterhin Bilder, die Sie glücklich machen! Nutzen Sie diese Zeit, um über Ihre Kunst nachzudenken und vielleicht die Postproduktion nachzuholen. Diese Zeiten können sich auch bestens dafür eignen, alte Bilder neu zu bearbeiten. Ich empfehle auch, einen Teil dieser Zeit damit zu verbringen, etwas Neues zu lernen, egal ob es sich dabei um fotografische Techniken oder geschäftliche Dinge handelt. Versuchen wir, uns auf die positiven und nicht nur auf die negativen Aspekte dieser Pandemie zu konzentrieren. Wir werden das schaffen!

 
 

Über den Autor – Guido Karp

 

Guido Karp, geboren 1963 in Rheinland-Pfalz, ist einer der international erfolgreichsten Musik-Fotografen. Er lebt und arbeitet mit seiner Frau Nicole in Los Angeles, Kalifornien. Über 5000 Konzerte und mehr als 1000 LP/CD/ DVD Cover hat er bislang fotografiert, u.a. für Robbie Williams, Michael Jackson, AC/DC, Rolling Stones, Tina Turner, Rammstein, Genesis, PUR, Helene Fischer, Die Flippers…

   

Weitere Artikel von from Guido Karp

 

Da die globale Pandemie all unsere Reiseabenteuer vorerst auf Eis gelegt hat, werfen wir hier einen Blick zurück auf einen meiner Lieblingsorte der Erde, die wunderschöne Insel Mljet. Die südlichste kroatische Insel ist reich an Geschichte und Naturschönheiten. Ich hatte das Glück, dieses Juwel der Adria viele Male zu besuchen, daher hier meine Einschätzung eines perfekten Tages auf einer Insel, die einen der acht Nationalparks Kroatiens beherbergt.

 

Ich beginne meinen Tag gern bei Frühstück und Kaffee im Konoba Ogigija in Polače mit Blick auf den Hafen, in dem täglich die Fähre vom Festland ankommt.

 

 

Im Kroatischen bedeutet „polače“ „Festung“, und die Überreste eines antiken Baus sind ein herausragendes Merkmal der Landschaft.

 

 

Sie können ein Nationalparkticket bei den Ruinen kaufen und zu Fuß, mit dem Fahrrad, einem kostenlosen Bus oder mit dem Auto zum Eingang des Parks fahren. Das Ticket ist so lange gültig, wie Sie sich auf der Insel aufhalten. Auf etwa zwei Dritteln der Strecke von Polače zum Nationalpark sehen Sie auf der rechten Seite die malerische Stadt Govedjari.

 

 

Zur überwältigenden Schönheit der Insel tragen auch zwei Seen bei, von denen der größere die winzige Insel St. Maria und ein wunderschönes Kloster aus dem 12.Jahrhundert beherbergt, das noch immer nahezu perfekt erhalten ist.

 

 

Es ist möglich, mit einem Boot des Nationalparks nach St. Maria zu gelangen – die Anlegestelle befindet sich nur einen kurzen Spaziergang vom Parkeingang entfernt. Das Schiff nach St. Maria fährt stündlich ab, und die Kosten für die Überfahrt sind im Eintrittspreis für den Park enthalten.

 

 

Ein Spaziergang oder eine Radtour um die Seen ist ein absolutes Muss. Kürzlich wurde eine Brücke restauriert, damit Besucher die komplette Runde fahren können.

 

 

Auf dieser Straße sind keine Kraftfahrzeuge erlaubt, mit Ausnahme von Park-Rangern und einigen Einheimischen. Außerdem wurde vor einigen Jahren eine kleine elektrische Eisenbahn gebaut, damit Besucher die Seen auf eine neue Art und Weise erkunden können- auch sie ist im Eintrittspreis enthalten.

 

Nach dem Besuch der Seen und der Insel St. Maria speise ich gerne in einem meiner Lieblingsrestaurants in Pomena. Dieses kleine Küstenstädtchen kann mit dem Auto oder Fahrrad erreicht werden – es liegt etwa 30 Minuten zu Fuß von den Seen entfernt. Das Restaurant heißt Agroturizam Dalmatino und findet sich unter der Adresse: Pomena 10C. Obwohl es nicht erforderlich ist, schlage ich vor, im Voraus anzurufen und zu reservieren. Ich bestelle am liebsten frische heimische Meeresfrüchte – Fisch oder Tintenfisch mit Kartoffelsalat. Ein absolutes Muss ist ein lokaler Aperitif namens Travarica – ein mit Kräutern versetzter Traubenschnaps.

 

 

Nach dem Mittagessen ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der Zugang zum Meer unweit von Pomena. Die Hauptstraße endet und verwandelt sich in einen Feldweg, der an alten Militärkasernen vorbeiführt. Das Meer mit Blick auf die Halbinsel Peljesac ist vollkommen klar und einladend.

 

 

Schwimmen in der Adria ist die perfekte Art, den Tag ausklingen zu lassen. Danach können Sie zurück nach Pomena fahren und eine Fähre zum Festland nehmen.

 

Sollten Sie sich für eine Übernachtung entscheiden, gibt es zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten – vom Hotel bis zu Privatzimmern und Wohnungen. Ich würde Ihnen wärmstens empfehlen, mehr Zeit auf Mljet zu verbringen, aber wenn Sie nur einen Tag Zeit haben, dann ist das, was ich hier beschrieben habe, das Beste was Sie daraus machen können.
Um nach Mljet zu gelangen, müssen Sie eine Fähre von Bari nach Dubrovnik nehmen, zwei der größeren Häfen auf dem kroatischen Festland. Die Fahrpläne ändern sich in der Hochsaison, also erkundigen Sie sich unbedingt vor Ihrer Abreise. Sretanisch Put! (Gute Reise!)

 

Als Fotografen haben wir viel Einfluss und, wie man so schön sagt, viel Verantwortung. Die Art und Weise wie wir unser Thema darstellen, ist, wie es von einem großen Publikum gesehen wird. Wie etwas porträtiert wird, wird in der öffentlichen Psyche verinnerlicht. Geschlechtsspezifische, rassistische und heteronormative Stereotypen können ebenso verstärkt werden wie es möglich ist, Randgruppen zu ignorieren. Selbst Fotojournalisten mit der Aufgabe, etwas so zu dokumentieren, wie es ist, projizieren ihre eigenen Vorurteile, Erfahrungen, Überzeugungen in den Aufbau eines Bildes. Es ist unmöglich, es nicht zu tun.

 

 

Als Modefotografin und lebenslange Konsumentin von Modemagazinen wäre es für mich ein Leichtes, das fortzuführen, was jahrzehntelang vor mir getan wurde. Ich habe die von der Mode- und Schönheitsindustrie seit Jahrzehnten aufrechterhaltenen Schönheitsstandards verinnerlicht. Aber ich muss daran denken, dass Frauen mein Publikum für die Bilder sind, die ich mache. Ich erweise den Frauen, der Gesellschaft und mir selbst einen schlechten Dienst, wenn ich Fotos mache, die die Vorstellung verstärken, dass man dünn, weiß und übernatürlich jung sein muss, um schön zu sein, um eine Daseinsberechtigung zu haben, um gesehen zu werden. Denken Sie darüber nach, wie das Selbstwertgefühl junger Mädchen und Frauen durch die Medien, die sie konsumieren, geprägt wurde und welche Auswirkungen diese Prägung auf ihr ganzes Leben hat.

 

 

Der erste und offensichtlichste Ansatz für Veränderung ist ein auf Vielfältigkeit ausgelegtes Modelcasting; Frauen mit unterschiedlicher Größe, Abstammung und Alter. Dies darf auch keine symbolische Geste sein oder etwas, das ab und zu passiert. Es muss ein konsistenter und nachhaltiger Ansatz seitens der Casting-Abteilung, Fotografen, Zeitschriftenredakteure oder jeder anderen Person sein, die Einfluss darauf hat, an wen der Job vergeben wird. Es ist enorm wichtig, sich selbst in den Medien vertreten zu sehen. Die Medien, die Sie konsumieren, prägen die Welt, in der Sie leben.

 

Ein möglichst vielfältiges Casting ist allerdings ist nur ein Puzzlestück in diesem Gesamtgebilde. Was ist, wenn der Fotograf, der das Modell fotografiert, Vorurteile oder Stereotypen verinnerlicht hat? Deshalb ist Vielfalt hinter der Kamera genauso wichtig wie davor.

 

Ich habe nie verstanden, warum das Zielpublikum von Modemagazinen Frauen sind, aber überwiegend Männer damit beauftragen werden, Frauen zu fotografieren. Zeitschriften, Modemarken und Agenturen müssen nicht nur ihre Casting-Praktiken kritisch hinterfragen, sondern auch Fotografen unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlicher Rasse und unterschiedlichen Alters mit Jobs beauftragen. Geschieht dies nicht, wird uns weiterhin nur eine einzige Sicht der Dinge vermittelt.

 

 

Als Fotografin muss ich mir meine Entscheidungen genau überlegen und problematische Briefings von Kunden in Frage stellen. Wenn zum Beispiel teilweise Nacktheit gewünscht wird, müssen wir als Fotografen nachhaken und nach dem Grund fragen. Wenn es nicht notwendig oder irrelevant für die Story ist, dann fotografieren Sie es so nicht. Wenn der Inhalt oder die Stimmung der Bilder für eine Zielgruppe von über 18 Jahren gedacht ist, dann können wir keine 15-Jährigen dafür casten. Minderjährige Models sollten bei Shootings immer eine Aufsichtsperson dabei haben. Dann sind beim Shooting selbst Entscheidungen über Haare und Make-up wichtig. Wenn Sie ein schwarzes Model gecastet haben, stellen Sie sicher, dass Sie einen Friseur am Set haben, der sich mit schwarzem Haar auskennt. Dann ist da noch die Bedeutung von Photoshop. Das Verschlanken von Models ist in der gesamten Branche allgegenwärtig, aber völlig inakzeptabel. Ich habe Geschichten darüber gehört, dass die Nasen der Models verkleinert, die Hautfarbe aufgehellt, die Beine verlängert und natürlich die Hauttextur geglättet werden.

 

Für Fotografen ist es wichtig, sehr klare Grenzen für die Retusche zu ziehen und das Aussehen des Modells nicht völlig zu verändern. Sagen Sie nein zu einer Veränderung der Hauttextur eines Modells, verweigern Sie das Verschlanken von Körperteilen. Sagen Sie Nein zu einer Anpassung der Gesichtszüge oder des Hauttons, dies ist besonders in der Retuschephase für farbige Models wichtig.

 

 

Ich habe eine Liste mit einigen Dingen erstellt, die wir als Fotografen tun können, um das Gleichgewicht wieder herzustellen:

 

  • Casten Sie vielfältig und das vor allem ständig. Ein schwarzes Model von Zeit zu Zeit reicht nicht aus.
  • Wenn Sie nicht über das Modelcasting zu entscheiden haben, überzeugen Sie Ihren Kunden, dass er anders castet. Wenn Sie eine Absage erhalten, fragen Sie, warum. Drängen Sie weiter, stellen Sie weiter Fragen.
  • Verweigern Sie eine Retusche, die das Model verschlankt, Gesichtszüge oder Hauttöne verändert.
  • Casten Sie altersgerecht. Ein 17-jähriges Model sollte nicht für ein Hochzeitsshooting engagiert werden.
  • Stellen Sie die Notwendigkeit von Nacktheit oder teilweise nackten Bildern in Frage.
  • Wenn Sie selbst einen Auftrag nicht annehmen können und nach einer Empfehlung gefragt werden, empfehlen Sie einen Fotografen, der aus einer Randgruppe oder einer unterrepräsentierten Gruppe stammt.
  • Wenn Sie selbst keinen Fotografen au seiner Randgruppe kennen, recherchieren Sie welche – die Suche dauert gerade einmal 2 Minuten.
  • Stellen Sie ein möglichst vielfältiges Team ein und hören Sie unvoreingenommen auf das Feedback Ihrer Teammitglieder.
  • Wenn Sie unangemessenes Verhalten am Set sehen oder jemand unhöflich angesprochen wird, sagen Sie etwas dazu. Geben Sie Ihrem gesamten Team auf allen Ebenen die Zuversicht, dass sie genauso handeln können.

 

Diese Liste ist keineswegs vollständig, aber wenn wir alle weiter auf Veränderungen drängen, wird sich auch etwas ändern. Lassen Sie uns gemeinsam die aktuelle Situation verbessern!

 
 

Über die Autorin – Holly McGlynn

 

 

Die in Dublin geborene Fotografin und Friends with Vision Mitglied Holly McGlynn ist in London ansässig. Hollys Werke werden in Magazinen wie Cosmopolitan, Grazia und Glamour vorgestellt. Sie hat auch an Projekten für führende Marken wie Faberge, Chanel, Playboy und Levi’s gearbeitet. Farbe spielt eine große Rolle in der Art und Weise wie sie Weiblichkeit und die Wahrnehmung von Frauen in der Modebranche darstellen möchte. In diesem Blog spricht sie über ihre Reise in die Modefotografie und über Fragen der Präsentation in dieser Branche.

   

Weitere Artikel von Holly McGlynn


Wie bist du zur Fotografie gekommen?
 
Ich begann meine fotografische Reise während meines Ingenieurstudiums in Computerforensik. Was als HDR-Projekt für eine polizeiliche Untersuchung begann, wurde sehr schnell zu meiner größten Leidenschaft. Ich begann zu forschen, mit jedem Genre zu experimentieren, und sehr schnell wurde meine Leidenschaft für die Fotografie immer größer.
 
Seitdem haben sich viele Dinge geändert. Ich habe meinen Bürojob als Berater aufgegeben, aus der Leidenschaft für Fotografie meinen Traumberuf gemacht und die Schweizerische Hochschule für Fotografie mitbegründet. Ich liebe es, dass ich als Lehrer und während meiner Fototouren rund um die Welt die schönsten Orte erkunden und mein Wissen und meine große Leidenschaft für die Fotografie teilen kann.

 

The secret ice cave of the Vatnajokull glacier>

Die geheime Eishöhle des Vatnajokull Gletschers

The Landwasser Viadukt

Das Landwasser Viadukt

The beautiful lavender fields of Provence

Die wunderschönen Lavendelfelder der Provence

 
 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?
 
Mein Lieblingsgenre ist die Landschaftsfotografie. Eine Kamera in der Hand zu halten, motiviert mich, unsere wunderbare Welt zu erkunden und auf Reisen alles zu geben, früh aufzustehen und abgelegene Orte zu besuchen.

 

Da ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich auch mein Wissen immer wieder ausgebaut, indem ich viele Stile und Techniken erforscht und mit ihnen experimentiert habe: von Porträts bis zur Produktfotografie, von Luftaufnahmen bis zur Lebensmittelfotografie.

 

Meine beiden neuen großen Leidenschaften sind die Luft- und Autofotografie. Mit Drohnen entdeckte ich eine neue Welt der Möglichkeiten, während Autos schon immer eine Leidenschaft für mich waren, und die Verschmelzung mit Fotografie und Videografie war eine natürliche und großartige Entwicklung. Drohnenaufnahmen sind auch auf meinem @mixyourshot Instagram Kanal zu sehen. Mein Auto-Projekt, Cinematicars, findet sich auf dem Kanal @cinematicars.ch und meiner Webseite.
 
 

Drohnenaufnahme des Berggasthaus Aescher-Wildkirchli

Drohnenaufnahme des Berggasthaus Aescher-Wildkirchli
 

The View, Dubai

Die Aussicht, Dubai
 

Cinematicars lightpainting car shooting

Cinematicars Lightpainting Auto-Shooting
 

 
 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?
 
Meine größte Herausforderung war die Aufgabe eines guten und regelmäßigen Einkommens, das mein früherer Beratungsjob mit sich brachte, um mich ganz in meine fotografische Leidenschaft einzubringen. Viele Jahre lang war die Fotografie eine Nebenbeschäftigung, aber 2017 geschah etwas, das mich zum nächsten Schritt trieb. Innerhalb weniger Monate wurde ich mit der prestigeträchtigen Goldmedaille des Trierenber Super Circuit in der Kategorie Reisefotografie ausgezeichnet, erhielt vier lobende Erwähnungen beim Wettbewerb International Photographer of the Year und wurde mit einem Gold- und zwei Silberpreisen in den Kategorien Landschafts- und Stadtbildfotografie beim Moscow International Foto Awards Wettbewerb ausgezeichnet. Das war der letzte Anstoß, den ich brauchte, und von da an änderte sich mein Leben.
 
 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?
 
Der aufregendste Aspekt meiner Arbeit ist das Reisen und die Erkundung neuer Orte, auf der Suche nach der nächsten beeindruckenden Aufnahme. Die Schönheit der Natur ist es, die mich inspiriert und dazu treibt, früh aufzustehen, weite Strecken zu gehen und Nächte in der Kälte zu verbringen. Alles für diesen Entdeckermoment. Alles, um die beste Perspektive zur richtigen Zeit zu erhaschen.

 

Das hält mich als Landschaftsfotograf mit Leidenschaft bei der Stange. Aber das ist nicht alles. Ich habe das große Glück, dass meine Lebensgefährtin @nikkie.one mindestens ebenso begeistert fotografiert wie ich und es genießt, unsere Welt zu erforschen und einzufangen. So ist mein Job nie einsam, wir erforschen gemeinsam und motivieren uns gegenseitig, damit wir für unsere nächste Aufnahme über uns hinauswachsen.
 
 

Was ist deine Herangehensweise? Gibt es etwas, was du während eines Shootings erreichen möchtest (wie zum Beispiel bestimmte Gefühle auszulösen o.ä.) oder spezielle Techniken, die du verwendest?
 

Landschaftsfotografie ist die perfekte Kombination aus Planung, Können und Technik (und ein bisschen Glück). Atemberaubende Landschaften sind nichts ohne das richtige Licht. Für meine Aufnahmen plane ich die Jahreszeit, die Tageszeit, den Ort und hoffe auf dieses herrliche und dramatische Licht… Ich liebe es, Langzeitbelichtungen zu machen, die zeigen wie die Zeit vergeht und Bewegung von Wasser weich und fließend macht oder die bunten und flauschigen Wolken am Himmel einfängt. Ich verwende diese Technik, um den Lauf der Zeit festzuhalten und meinen Aufnahmen gleichzeitig ein entspannendes Gefühl zu verleihen.

 
 

Nusa Penida, Indonesia's Jewel

Nusa Penida, Indonesiens Juwel

The beauty of Dolomites<

Die Schönheit der Dolomiten

A frozen heart

Ein gefrorenes Herz

 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?
 
Seit der Zeit, als ich als Student der Ingenieurwissenschaften meine eigene Bildbearbeitungssoftware programmierte und Mühe hatte, Tonemapping- und Weißabgleich-Algorithmen auszuarbeiten, verstehe ich die Bedeutung von Farbe für das menschliche Auge sehr gut. Farben lassen uns entspannen, einen Sonnenuntergang genießen, eine Marke erkennen (denken Sie an den roten Sportwagen), sie machen uns stolz, wenn wir die Farben der Nationalmannschaft im Fernsehen sehen, … Hinter den Farben und ihrem Management steckt eine Menge Wissen. Hier spielt Datacolor eine wichtige Rolle. Datacolor kümmert sich um diese ganze Wissenslast und macht es uns Fotografen, Künstlern und Wissenschaftlern leicht, Farben mit höchster Genauigkeit zu erfassen, zu pflegen und zu reproduzieren, insbesondere mit ihren Monitorkalibrierungsgeräten.
 
 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?
 
Investiere viel Zeit in dein Wissen und übe viel! Versuche, nicht jahrelang alleine zu lernen, sondern lass dich von anderen Fotografen inspirieren und beraten und investiere weiter Zeit in deine Weiterbildung. Ich brauchte Jahre, um all das Wissen zu sammeln, das ich benötigte, um die Fotos zu machen, die ich mir vorgestellt hatte, während meine Partnerin innerhalb weniger Wochen alle Grundlagen von mir lernte und ihre Fähigkeiten innerhalb weniger Monate ausbaute. Der Hauptgrund, warum ich eine Fotoschule eröffnet habe, ist, dass ich wollte, dass die Leute diesen steinigen Weg abkürzen und sich auf die wirklich wichtigen Techniken und das Wissen konzentrieren, die zählen. Aber egal, ob du aus einem Buch, einem Youtube-Video oder einem Präsenzkurs lernst, setze dein neues Wissen in der Praxis um!

 

 
 

Über den Autor – Raffaele Cabras Keller

 

 

Raffaele Cabras Keller ist ein preisgekrönter Landschaftsfotograf, der an der wunderbaren sardischen Küste und in den schönen Schweizer Bergen aufgewachsen ist.

 

Er ist Mitbegründer der Schweizerischen Hochschule für Fotografie, wo er zusammen mit anderen talentierten Fotografen Fotokurse in Zürich, Bern und Genf anbietet. Raffaele leitet auch Fototouren in der Schweiz und an den schönsten Orten dieser Welt, wo er Landschaftsfotografie vor Ort unterrichtet.

 

Raffaele begann seine fotografische Reise während seines Ingenieurstudiums im Bereich der Bildbearbeitung für forensische Anwendungen. Damals machte er seine Leidenschaft für die Fotografie zu seinem Traumberuf und fand in Datacolor einen zuverlässigen Partner, um sein Bedürfnis nach Farbgenauigkeit bei der Aufnahme, Bearbeitung und im Druck zu erfüllen.

 

Fotografisches Genre: Landschaftsfotografie

 

 
Wie bist du zur Fotografie gekommen?
 
Ich bin in einer sportlichen Familie aufgewachsen und habe die meiste Zeit meines Lebens in den Bergen trainiert. Vor neun Jahren erkannte ich, dass das, was ich am meisten liebe, nicht der Bergsport an sich ist, sondern die Schönheiten, die mich umgeben. Ich begann, mögliche Bildkompositionen zu sehen, noch bevor ich die Fotos machte. Alles begann in diesen Momenten. Seit dem Kauf meiner ersten Kamera hat mich nichts mehr aufgehalten.

 
 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?
 
Die Fotografie ist das beste Medium, um nicht nur einen Standpunkt, sondern auch ein Gefühl, einen perfekten Moment zu zeigen. Die Möglichkeit, ihn zu teilen und anderen Menschen zu zeigen, ist einer der Aspekte, die ich an der Fotografie am meisten schätze. Wahrscheinlich wäre ich ohne sie nicht in der Lage, meine Leidenschaften und meine Gefühle zu vermitteln, oder das zu teilen, was ich an der Welt, die mich umgibt, liebe.

 

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Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?
 
Auf jeden Fall die Postproduktion. Ich habe in der Schule nie Fotografie gelernt und nie einen Kurs besucht. Deshalb war die Bildbearbeitung in den ersten Jahren für mich sehr mühsam. Dann fand ich meinen Stil und das, was mir am besten gefällt, und ich habe in dieser Richtung weitergemacht. Auch heute noch liebe ich es, mehr zu lernen und mich dahingehend weiter zu verbessern.
 
 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?
 
Es ist schwer, dazu etwas Genaues zu sagen. Ich denke, dass einige Fotografen da draußen sicher eine große Inspiration sind, aber gleichzeitig ziehe ich es vor, das Abenteuer einiger Athleten an einem der entlegensten Orte der Welt zu verfolgen. Das gibt mir immer die richtige Motivation, mehr zu erforschen und mehr zu tun.
 
 

Was ist deine Herangehensweise? Gibt es etwas, was du während eines Shootings erreichen möchtest (wie zum Beispiel bestimmte Gefühle auszulösen o.ä.) oder spezielle Techniken, die du verwendest?
 
Jedes Mal versuche ich mich auf die Linienführung der Landschaft zu konzentrieren, die ich aufnehme, und auf einen Bildaspekt, der die Größenordnung der Umgebung ins richtige Verhältnis setzt.
Bei der Sportfotografie versuche ich, immer das Gefühl einer unbegrenzten und instabilen Situation zu vermitteln. Manchmal ist es großartig, dieses triggernde Gefühl bei einer Aufnahme zu vermitteln, aber das Wichtigste ist, alles zu organisieren und sich nie in eine gefährliche Situation zu begeben.

 

 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?
 
Seit ich die richtige Farbpalette gefunden habe, die meinen Fotostil ausdrückt und darstellt, können auch andere Menschen meine Arbeiten unter einer Vielzahl anderer Bilder erkennen. Mir ist es elementar wichtig, dass meine Bilder immer meinen Markenfarben und meinem Stil folgen. Genaue Farben auf all meinen Monitoren und Computern zu haben, während ich arbeite, ist die Grundlage für die Kreation einer guten Arbeit.
 
 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?
 
Das mag banal klingen, aber folgen Sie Ihrem Bauchgefühl und glauben Sie immer an sich selbst und versuchen Sie immer, mehr zu tun und es besser zu machen. Je mehr Sie tun, desto besser werden Sie.
 

 
 

Über den Autor – Camilla Pizzini

 

 

Camilla Pizzini wurde 1996 in Rovereto, Trentino-Südtirol, Italien, geboren. In ihrer Teenagerzeit hat sie sich in die Fotografie verliebt. Sie erwarb einen Bachelor-Abschluss in Design an der Freien Universität Bozen, der es ihr ermöglichte, ihre Kenntnisse in visueller Kommunikation und zeitgenössischer Kunst zu erweitern.

 

Seitdem arbeitet sie als Fotografin für kommerzielle Aufträge (Firmen-, Event-, Porträt-, Outdoor- und Sportfotografie) und arbeitet an eigenen Projekten.

 

Ihre tägliche Inspiration findet sie in der freien Natur, in den Bergen oder beim Sport.

 

Fotografisches Genre: Outdoor, Landschaft, Sportfotografie

 

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
 

Als ich 16 Jahre alt war, hat mir mein Vater eine Voigtländer geschenkt. Die Kamera habe ich natürlich mitgenommen, als ich im selben Jahr mit meinem Mokick nach Marokko gefahren bin, um die Reise zu dokumentieren. Seitdem hat mich die Fotografie nicht mehr losgelassen und ich habe immer weiter daran gearbeitet.

 

Knapp 20 Jahre lang hat auch die Malerei in meinem Leben eine große Rolle gespielt; bis zum Jahr 2000 habe ich mich intensiv mit abstrakter Malerei, vorwiegend mit Acryllacken, beschäftigt und im Laufe der Zeit entstanden viele Collagen, die die Fotografie und die Malerei miteinander verbunden haben. Ich habe zum Beispiel Fotos auf Overhead-Folie gedruckt und in die Malerei mit eingebracht, oder sie auf Messingplatte fixiert, was den schönen Effekt hat, dass sich das Bild im Laufe der Zeit verändert. Ich mag Veränderung und vor allem den Alterungsprozess – sowohl im Leben als auch in der Fotografie und im Druck.

 

 

Über diese Art der Malerei stieg ich immer tiefer in die Fotografie ein und weil ich davon leben konnte, wurde die Malerei im Laufe der Zeit immer weniger präsent.
2006 war für mich noch einmal ein entscheidender Wendepunkt, denn damals bin ich alleine in die Republik Togo gefahren, was mich stark beeinflusst hat. Anschließend habe ich für ein Unternehmen in Köln gearbeitet und für sie erst Workshops konzipiert und veranstaltet, später dann selbst damit begonnen, Fotoworkshops zu geben. Inzwischen gehören auch viele Stammkunden zu meinen Auftraggebern, für die ich Veranstaltungen dokumentiere, Filmprojekte oder etwa Porträts erstelle.

 

Von der Fotografie zu leben nimmt zwar viel von der Kreativität (insbesondere, wenn es um die Erfüllung von Aufträgen geht), aber ich liebe meinen Job und lebe meine Kreativität gerne in freien Projekten aus.

 
 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?
 

Reportage- und Reisefotografie sind meine Schwerpunkte, wobei ich mich selbst als Fotokünstler sehe. Fotokunst bedeutet für mich, eine andere, tiefere Ebene der Fotografie zu erreichen und eine Verbindung zum Motiv zu schaffen.

 

Die Motivation für meine Arbeit entstand 2006 auf meiner Reise von Köln in den Togo. Damals fuhr ich auch mit einer Polaroidkamera im Gepäck los und wollte Menschen fotografieren. Ich habe dort immer darauf gewartet hat, dass jemand mich angesprochen hat, ob ich sie oder ihn fotografiere. Dann habe ich ein Bild gemacht und es der Person geschenkt. Darüber kam ein Gespräch zu Stande und ich konnte anschließend ein Bild mit der Person und dem Polaroid machen – so entstand eine Verbindung zwischen uns und auch eine Geschichte. Aus dieser Reise nach Togo sollte dann später ein Buch entstehen.

 

 
 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?
 

Eigentlich lebe ich von Herausforderungen. Jeder Auftrag birgt eine Herausforderung und regt mich dazu an, mich weiter zu entwickeln. Daher fällt es mir schwer, mich wirklich auf die „größte“ Herausforderung zu reduzieren.

 

Ein Beispiel ist, als ich Untertage in 800 Metern Tiefe einen Film drehen sollte. Es gab dort keinen Strom und somit musste das ganze Lichtequipment mit in die Tiefe. Ich durfte nichts vergessen und musste auf die Technik vertrauen. Trotzdem bleibt immer ein Rest Unsicherheit und Wagnis.

 

 

Ein zweites Beispiel liegt schon einige Zeit zurück, aber ich denke es hat immer noch Aktualität. Ein Kurzfilm, der aus knapp 2000 Fotografien entstanden ist: https://www.youtube.com/watch?v=IBkL_VsquoE

 

Zunächst stand hier die Entwicklung einer Idee im Vordergrund, dann begann die Suche nach besonderen Locations und die Herausforderung, selbst bei Langzeitbelichtungen die Person (den Darsteller) in Bewegung zu bringen. Dann folgten der Bildschnitt und die Aufgabe, immer wieder fehlende Details hinzu zu fügen.

 

 

Ein weiteres Beispiel ist meine Reise nach Äthiopien, um dort Fotografien zu machen, die dem Betrachter einen Eindruck davon geben, wie dort die Welt aussieht. Ich wollte die Menschen in ihrer Umgebung portraitieren und musste mir dafür das Vertrauen der Bevölkerung erarbeiten. Aus der Vielzahl von Eindrücken das Richtige herauszufiltern und dann das bestmögliche Bild zu machen, sehe ich als eine Aufgabe, die mich fordert. Es ist nicht immer einfach, eine Reportage über einen Bauern zu machen und mit Bildern einen Einblick in sein Leben zu geben, seine Probleme und Herausforderungen auf das Foto zu bannen. Doch genau das macht meinen Job so spannend.

 

 
 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?
 

Die Welt und ihre Menschen.

 
 

Was ist deine Herangehensweise? Gibt es etwas, was du während eines Shootings erreichen möchtest (wie zum Beispiel bestimmte Gefühle auszulösen o.ä.) oder spezielle Techniken, die du verwendest?
 

Am Anfang eines Fotos oder einer Fotoserie steht für mich immer die Entwicklung eines Konzepts, bei dem ich mich auf die Aufgabe und die Herausforderung einlasse. Es bedarf einer guten Vorbesprechung, um auf den Kunden eingehen zu können und dann schließlich den Einsatz der nötigen Hilfsmittel und Gegebenheiten wie Licht, Sonne und Schatten, um zum Teil aus wenig und mit wenig am Ende viel zu machen.

 

Ich versuche immer, eine Geschichte im Bild zu erzählen und dafür lasse ich mich auf die Geschichte und die Personen ein. Dann betone ich das, was mich besonders an der Szene anspricht und nutze oftmals die Perspektive, um Beziehungen im Bild zu inszenieren.

 
 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?
 

Farben (oder die Abwesenheit von Farben bei Schwarzweiß-Aufnahmen) sind für die Wahrnehmung besonders wichtig, denn sie erzeugen Gefühle. Daher sind sie auch für mich sehr wichtig, schließlich möchte ich mit meinen Fotografien Gefühle wecken.

 

In der Auftragsarbeit ist die korrekte Abbildung der Farben natürlich besonders wichtig, weil sonst der Kunde, dem die Arbeit am Ende übergeben wird, unzufrieden ist.

 
 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?
 

Ich rate allen, sich ihre Neugier zu erhalten. Bleibt neugierig und geht immer mit offenen Augen und offener Einstellung an die Situation heran. Arbeitet euch tiefer ein und geht weiter, verbleibt nicht bei dem, was euch oberflächlich anspricht oder befriedigt. Hinterfragt was ihr tut und dann findet eure eigene Handschrift.

 
 

 
 

Über den Autor – Klaus Wohlmann

 

 

Klaus Wohlmann fotografiert bereits seit er 16 Jahre alt ist und obwohl er eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hat, schlug sein Herz schon immer für die Malerei und Fotografie. Seit 2007 ist er selbstständiger Fotograf und Workshopleiter. Als weit gereister Künstler liegt sein Fokus vor allem auf Projekten, die mit Menschen und ihrer Kultur zu tun haben.

 

Photography Type: Reportage und Reisefotografie

 

 
Wie bist du zur Fotografie gekommen?
 
Ich bin schon immer ein sehr kreativer Mensch gewesen, welcher stets von visuellen Eindrücken aller Art fasziniert war. Während meines Studiums in Kalifornien fand ich schließlich meinen Weg zur Fotografie, hauptsächlich um die erlebten Momente für Familie und Freunde daheim festhalten zu können. Nach und nach ergab sich hieraus jedoch eine persönliche Leidenschaft und das Fotografieren wurde zunehmend Teil meines Lebens, insbesondere trieb es mich dazu an draußen unterwegs zu sein und alltägliche Momente mit anderen Augen zu sehen.

 
 

Welche Art Fotografie betreibst du und was hat dich motiviert, dich auf dieses Genre zu konzentrieren?
 
Meine Fotografie beschäftigt sich weitestgehend mit futuristisch anmutender Architektur und abgelegenen urbanen Umgebungen. Auch meine Street- und Lifestyle-Fotografie ist üblicherweise sehr von städtischen Einflüssen geprägt. Da ich schon immer sehr von Großstädten, ihrem Chaos und den besonderen architektonischen Strukturen fasziniert gewesen bin, hatte dies natürlich einen entsprechend großen Einfluss auf meine eigene Fotografie. Man weiß nie, welcher spannende Moment hinter der nächsten Ecke auf einen wartet und die schier unendlich wirkenden Möglichkeiten mit Perspektiven spielen zu können haben einen besonderen Reiz für mich.
 

 
 

Was ist bisher dein größter Erfolg oder deine größte Herausforderung?
 
Bezogen auf meine Karriere gibt es da tatsächlich keine alleinstehende größte Errungenschaft für mich, sondern eher viele einzelne. Wichtig ist, dass man sich realistische Ziele setzt, welche man auch in einer bestimmten Zeit zu erreichen versucht. Der Weg zum Erfolg als Fotograf ist also ein inkrementeller Prozess, in welchem man nicht nur seinen eigenen Stil, sondern auch seine persönliche Nische finden sollte.
 
Ich denke eines der größten Hindernisse für Fotografen der heutigen Zeit ist die kreative Blockade. Wir werden tagtäglich auf sozialen Medien mit einer Vielzahl von Fotos bombardiert und sehen zeitgleich nur die Erfolgserlebnisse anderer, nicht aber die Niederlagen hinter manch einer Karriere. So kann sich schnell das Gefühl breitmachen, dass man selbst nicht gut genug ist oder mit den eigenen Vorhaben nicht vorankommt.
 
 

Wer oder was inspiriert dich am meisten?
 
Es gibt so einiges, das mich inspiriert. Zum einen sind das natürlich die fremden Kulturen jener Länder, die ich bereise als auch besondere architektonische Bauwerke überall auf der Welt. Insbesondere auch der Community-Gedanke innerhalb der Szene spielt eine große Rolle für meine Kreativität. Es war noch nie so einfach wie heutzutage, Fotografen und andere Kreative aus aller Welt kennenzulernen und zusammenzuarbeiten, dem Internet sei Dank.

 

 
 

Was ist deine Herangehensweise?
 
Das hängt natürlich immer stark vom eigentlichen Vorhaben ab. Persönlich ist mir jedoch wichtig, nicht nur das Offensichtliche, sondern insbesondere das Unbekannte einer Stadt einzufangen, sozusagen immer einen Schritt weitergehen als man das üblicherweise tun würde. Das bringt einen natürlich gerne mal an die persönlichen Grenzen und raus aus der eigenen Komfortzone, aber genau das macht den Reiz der Fotografie für mich aus. Ein einzigartiges Foto muss man sich verdienen und es gibt nichts Schöneres als das Erfolgsgefühl im Anschluss.
 
 

Warum sind akkurate Farben in deinem Workflow wichtig?
 
Eine akkurate Farbwiedergabe spielt schon zu Beginn meines kreativen Prozesses, bis hin zum fertigen Endprodukt eine sehr große Rolle in meinem in meinem Workflow. Eine korrekt eingestellter Weißabgleich der Kamera zur Aufnahmezeit erspart mir beispielsweise im Nachgang mühselige Anpassungen. Doch auch während der Nachbearbeitung spielen akkurate Farben eine große Rolle. Daher kalibriere ich beispielsweise meinen Monitor in regelmäßigen Abständen. So kann ich mich stets darauf verlassen, eine gleichbleibende Qualität im gesamten Kreativprozess zu erhalten. Weiterhin bin ich im Bereich des Druckens sehr aktiv. Um sicherzugehen, dass die Farbechtheit von der Aufnahme bis hin zum fertigen Druck nicht abweicht, benötige ich personalisierte ICC Profile, welche genauestens auf meinen Drucker und die jeweilige Papiersorte abgestimmt sind.

 

 

Hast du Tipps oder Ratschläge für Fotografen, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?
 
Als Beginner sollte man sich trauen alles Mögliche auszuprobieren und vor allem sollte der Spaß an der Sache im Vordergrund stehen. Viele Anfänger vergleichen sich zu schnell mit anderen Fotografen und setzen sich damit nicht nur sehr unter Druck, sondern berauben sich auch der Chance frühzeitig einen eigenen Stil zu entwickeln. Teures Equipment spielt anfangs ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle. Wir besitzen heutzutage alle ein Smartphone mit einer extrem fähigen eingebauten Kamera. Alle Grundlagen der Fotografie lassen sich damit problemlos erlernen und das beste: Man hat die Kamera immer dabei.

 
 
 

Chris Martin Scholl kalibriert seinen Monitor mit einem SpyderX Elite.
 
 

 

 

 
 

Über den Autor – Chris Martin Scholl

 

 

Chris Martin Scholl ist ein professioneller Fotograf aus Berlin. Er spezialisiert sich hauptsächlich auf Architektur und urbane Umgebungen. Zusätzlich ist Chris im Bereich der Lifestyle-Fotografie tätig.

 

Er bereiste in den letzten Jahren viele internationale Großstadtmetropolen und konnte sich so ein umfangreiches Portfolio von einigen der architektonisch eindrucksvollsten Schauplätze dieser Erde erarbeiten.

 

Chris zählt weltbekannte Marken und Organisationen zu seinen Kunden, darunter Namen wie Four Seasons, Grand Hyatt, G-Technology, Master & Dynamic und visitBerlin.

 

Weiterhin ist er offizieller Markenbotschafter von Canon Deutschland und Western Digital sowie Mitglied des MOAB Masters Programms.

 

Seine Fotografie vermittelt häufig das Gefühl des Unbekannten und nimmt seine Betrachter mit auf eine Reise zu Orten, welche meist im Verborgenen der Öffentlichkeit liegen.

 

Wir haben uns an einige unserer Friends with Vision gewandt, um zu sehen, wie sie sich in Covid19-Zeiten angepasst haben. Wir fragten sie, ob und wie sie ihre Arbeit angepasst haben, ob sich ihre Geschäftsmodelle geändert haben, ob sie neue Techniken ausprobieren und welche Ratschläge sie anderen Fotografen geben könnten. Von innovativen Ansätzen für herkömmliche Aufträge bis hin zum Erlernen neuer Fähigkeiten, im Leben wie in der Fotografie, macht manchmal ein Wechsel der Perspektive einen großen Unterschied.

 

 

 

Chris Lin

 

Bei Lin and Jirsa werden wir neue Shooting- und Sicherheitsverfahren einführen. Die meisten basieren auf staatlichen und bundesstaatlichen Richtlinien, wie z.B. die Verwendung von Gesichtsmasken und Handdesinfektionsmitteln. Einige sind jedoch speziell auf die Fotografie zugeschnitten, wie z.B. freihändiges Posing, wann immer es möglich ist, und der Einsatz längerer Brennweiten, sofern möglich, um Abstand zu wahren.

 

Wir behalten dasselbe Kerngeschäftsmodell bei, probieren aber einige neue Werbeaktivitäten aus, wie z.B. Rabatte auf Wandbilder, Geschenkgutscheine und die Vorausbuchung ermäßigter Coachings während der Ferien.

 

Mein Rat an andere Fotografen ist, weiterhin positiv zu denken! Die Pandemie hat unser Geschäft hart getroffen, aber wir sehen allmählich einen Aufwärtstrend bei den Buchungen für Hochzeiten und Veranstaltungen im Jahr 2021. Dies hat uns gezwungen, viele unserer Ausgaben zu evaluieren und zu reduzieren, was uns viel schlanker und profitabler machen wird, wenn unsere Kunden wieder zum normalen Tarif buchen. Nutzen Sie diese Zeit, um sich neue Marketingtechniken anzueignen, Ihre Webpräsenz aufzubauen und Ihr Wissen zu erweitern.
Weitere Fotos finden Sie unter linandjirsa.com.

 


 

Mark Mawson

 

Diese Pandemie erweist sich als eine sehr schwierige Zeit, was die Arbeit angeht. Als Fotograf von Flüssigkeiten musste ich bei meiner Arbeit oft die Hilfe einiger Mitarbeiter in Anspruch nehmen, die Flüssigkeiten warfen oder eingossen, da es nicht immer möglich ist, dies selbst zu tun und gleichzeitig die Kamera zum perfekten Zeitpunkt mit einer Hand auszulösen.

 

Ich besinne mich auf einfachere Set-ups und habe Bilder in meinem Heimstudio aufgenommen, um die Arbeit von zu Hause aus zu fördern, in der Hoffnung, dass die Kunden meine Bilder mögen und diesen Weg zukünftig beschreiten wollen.

 

Ich versuche, mich anzupassen, und mein Rat an andere wäre, aus der Sicht eines Kunden darüber nachzudenken, welche Art von Bildern er sich wünschen könnte, die die aktuellen Zeiten repräsentieren, die wir durchleben. Ich hoffe, wir werden in nicht allzu ferner Zukunft zu einer Art Normalität zurückkehren.
Weitere Fotos finden Sie unter Markmawson.com.

 


 

Luke Stackpoole

 

Mein Geschäftsmodell hat sich gewaltig verändert. Ein normaler Monat dreht sich bei mir darum, dass ich einige Reiseziele bereise und dort Content für einige Marken und die örtlichen Fremdenverkehrsämter schaffe. Da das Reisen jetzt natürlich nicht möglich ist, konzentriere ich mich darauf, Lehrmaterial für Leute zu erstellen, die meinen Arbeitsablauf besser verstehen möchten. Das gibt mir auch die Zeit, einen Schritt zurückzutreten und meine Ziele als Unternehmer zu überprüfen und an der Verbesserung meines eigenen fotografischen Stils zu arbeiten.

 

In den letzten Monaten habe ich mich immer wieder in die Videoproduktion vertieft, was sich sowohl als Herausforderung als auch als aufregendes neues Projekt erwiesen hat. Ich habe bereits das Gefühl, dass Video als Medium eine Schlüsselrolle in meinen Projekten spielen wird, wenn der Lockdown beendet ist. Eine interessante Entwicklung der letzten Zeit ist die der Fpv-Drohnen, und eine dieser Drohnen zu kaufen und mir die notwendigen Techniken anzueignen, wird die nächste Herausforderung für mich sein!

 

Fotografen haben immer einen vollen Terminkalender, daher würde ich Ihnen raten, diese Zeiten als Gelegenheit zu begreifen, sich selbst etwas Zeit zum persönlichen Nachdenken zu geben, zu versuchen, Ihr Geschäft zu diversifizieren, um der „neuen Normalität“ gerecht zu werden – sei es durch verstärktes Online-Marketing oder durch die Veränderung Ihres Bildstils. Ich habe diese Gelegenheit genutzt, um mein Fotoarchiv zu durchforsten und ich habe ein paar Bilder gefunden, die ich übersehen habe und deren Bearbeitung mir viel Spaß gemacht hat!
Weitere Fotos finden Sie unter withluke.com.

 


 

Holly McGlynn

 

Als die Pandemie zuschlug, hat sich meine Auftragslage über Nacht in Wohlgefallen aufgelöst. Shootings wurden abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben, und da die Kindertagesstätte meines Sohnes geschlossen wurde, musste ich mich voll und ganz um ihn kümmern. Ich habe mir jedoch immer wieder ein wenig Zeit für meine Arbeit und die Analyse meines Geschäftsmodells genommen. Jetzt biete ich Portfoliobesprechungen für andere aufstrebende und etablierte Fotografen an. Ich habe auf meiner Website eine E-Commerce-Seite eingerichtet, auf der Fotografen eine Portfoliobesprechung buchen, mir ihre Fotos per WeTransfer schicken können und wir eine Videokonferenz vereinbaren, um das Portfolio zu besprechen und zu bearbeiten. Es hat Spaß gemacht, auf diesem Weg neue Fotografen kennenzulernen, neue Arbeiten zu sehen und meine Bildbearbeitungsfähigkeiten einzusetzen.

 

Ich bin Modefotografin und Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig. Während dieser Zeit habe ich einen Online-Kurs über Mode und Nachhaltigkeit belegt, der vom Centre for Sustainable Fashion am London College of Fashion angeboten wird. Es war faszinierend, mehr über die Komplexität des Problems zu erfahren und zu sehen, welches Potenzial für Lösungen sich abzeichnet.

 

Ich habe mir auch Zeit dafür genommen, meine Website und die sozialen Medien zu aktualisieren. Ich habe über Fotografie-Workshops für Kunden durch Instagram durchgeführt, aber hauptsächlich habe ich Bücher gelesen und die Zeit mit meiner Familie genossen und versucht, mich nicht auf die missliche berufliche Lage zu konzentrieren, an der ich ohnehin nichts ändern kann. Ich glaube nicht, dass die Dinge je wieder so sein werden wie vorher, aber ich denke, dass das alles gut und notwendig ist. Voller Hoffnung blicke ich in die Zukunft.
Hollys Arbeit finden Sie unter www.hollymcglynn.com.

 


 

Markus van Hauten

 

Wenn ich als Landschaftsfotograf an meine letzte Islandreise im Januar zurückdenke, wäre es mir damals nie in den Sinn gekommen, dass Verreisen für eine längere Zeit nicht möglich ist. Ich denke, das ist uns allen so gegangen.

 

Als dann die ersten Einschränkungen in anderen EU-Ländern kamen wurde mir langsam bewusst, welches Ausmaß ein Virus für uns Menschen haben kann.
Zwei Reisen musste ich auf Grund der Corona-Pandemie absagen und daher auf andere Art und Weise überlegen, wie ich mein Portfolio erweitere.

 

Ein großer Vorteil war, dass es in meiner Heimatregion keine Ausgangssperren gab. Daher entschied ich, mich meiner Heimatregion mehr zu widmen. Etwas was ich immer schon machen wollte, wofür ich aber nie die Zeit gefunden habe. So lernte ich meine Heimat noch etwas besser kennen und erlebte das Motto „Social Distancing“ auf meine eigene Art! (Alle 3 Bilder sind im Umkreis von 30 min. mit dem Auto erreichbar plus Fußweg…)

 

Ein weiterer Aspekt der Coronakrise ist die deutlich häufigere Nutzung der Onlinekonferenzen und Onlinediskussionen: Ich erreiche meine Kunden durch Webinare und Onlinevorträge.

 

Aber ich möchte damit nicht sagen, dass die Krise spurlos an der Fotobranche vorübergeht. Es sind harte Zeiten und wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Ebenso nutze ich die Zeit um mich Online fortzubilden. Die Nutzung dieser Medien ist derzeit von entscheidender Bedeutung und wird in Zukunft weiterhin wertvoll und wichtig sein.
Weitere Fotos finden Sie unter www.van-hauten.eu.

 


 

Christian Høiberg

 

Da ich von den beliebten Lofoten-Inseln vor Norwegen aus operiere und Fotografie-Touren eine wichtige Einnahmequelle für mich sind, hatte Covid19 großen Einfluss auf meine Arbeit und mein Einkommen. Obwohl die meisten diesjährigen Workshops abgesagt wurden und es unwahrscheinlich scheint, dass es dieses Jahr wieder internationalen Tourismus geben wird, hoffe ich, stattdessen einigen meiner Landsleute in dieser wunderschönen Umgebung die Fotografie beibringen zu können.

 

Glücklicherweise besteht ein großer Teil meines Geschäfts darin, Fotografie online zu unterrichten, und da viele Fotografen derzeit zu Hause hocken, nimmt das Interesse an Video-Tutorials, eBooks und kostenlosen Lehrartikeln spürbar zu. Da meine Workshops abgesagt wurden, hatte ich etwas mehr Zeit, mich auf meine Texte zu fokussieren und ich konnte ein neues eBook und andere Produkte auf meiner Webseite veröffentlichen.
Mein Geschäftsmodell hat sich nicht viel verändert, da ich verschiedene Einkommensquellen habe. Ich habe mich jedoch mehr auf meinen Online-Unterricht konzentriert und Projekte und Produkte abgeschlossen, an denen ich schon länger gearbeitet habe.

 

Ich habe neue Techniken in der Postproduktion erforscht. Ich habe an Fotoprojekten gearbeitet, mit denen ich mich schwergetan habe, aber jetzt ist es mir gelungen, den Stil zu erreichen, den ich mir für sie gewünscht habe.

 

Endlich bekommen wir auch hier im Norden etwas Sonne und der Schnee schmilzt langsam, so dass die Wandermöglichkeiten immer besser werden. Ich freue mich darauf, mehr zu wandern und zu campen und mehr Bilder von den herrlichen Bergen zu machen, die wir hier oben haben.

 

Mein Rat an andere Fotografen ist, den Kopf nicht hängen zu lassen! Es ist eine harte Zeit für alle, und es besteht kein Zweifel, dass uns herausfordernde Zeiten bevorstehen. Glauben Sie weiterhin an Ihre Arbeit und schaffen Sie weiterhin Bilder, die Sie glücklich machen. Nutzen Sie diese Zeit, um über Ihre Kunst nachzudenken und vielleicht die Postproduktion nachzuholen. Diese Zeiten können sich auch bestens dafür eignen, alte Bilder neu zu bearbeiten. Ich empfehle auch, einen Teil dieser Zeit damit zu verbringen, etwas Neues zu lernen, egal ob es sich dabei um fotografische Techniken oder geschäftliche Dinge handelt. Lassen Sie uns versuchen, uns auf die positiven und nicht nur auf die negativen Aspekte dieser Pandemie zu konzentrieren. Wir werden das schaffen!
Weitere Fotos finden Sie unter capturelandscapes.com

 


 

Jeff Cable

 

Als jemand, der sich auf Eventfotografie und Fototouren spezialisiert hat (ganz zu schweigen von der Berichterstattung über die Olympischen Spiele), ist dies eine wirklich schwere Zeit. Alle diese Veranstaltungen wurden abgesagt. Bei Events ist noch immer unklar, ab wann größere Menschenansammlungen wieder möglich sein werden. Ich wende mich derzeit vermehrt an Kunden, die nie Bilder verwendet haben, die ich für sie gemacht habe, und ermutige sie, Bilder und Alben anzusehen und für zukünftige Werbeaktivitäten zu kaufen. Ich kann nicht sagen, dass sich an meinem Geschäftsmodell viel geändert hat – nur der Umfang.

 

Letzten Monat habe ich begonnen, Video-Tutorials für meinen YouTube-Kanal zu drehen. Die Leute haben mich jahrelang damit genervt und ich hatte nie Zeit dafür. Jetzt habe ich endlich die Zeit. Früher habe ich iMovie zum Bearbeiten meiner Videos verwendet, wollte aber Adobe Premier lernen. Ich habe den letzten Monat damit verbracht, Premier zu lernen, und jetzt fühle ich mich darin ziemlich versiert. Ich habe 32 Videos fertig gestellt, die ich jetzt nach und nach veröffentliche. Sie werden auch von B&H und anderen beworben.

 

Mein Rat an andere Fotografen: Halten Sie durch – das geht alles vorbei. Wenn Sie das Geld dringend brauchen, versuchen Sie zu fotografieren, wo immer Sie können, um ein Einkommen zu erzielen. Wenn nicht, halten Sie durch und lernen Sie neue Dinge, die Sie zu einem besseren Fotografen machen. Dies ist eine großartige Zeit, um Ihre Marke aufzubauen, Ihre Marketing-Bemühungen zu verstärken und den Sturm zu überstehen. Gehen Sie gestärkt daraus hervor!
Weitere Fotos finden Sie unter Jeffcable.com

 


 

Marcus Schwier

 

In Coronazeiten ändert sich sehr viel. Der urbane Raum wird anders genutzt und die Städte wie New York oder Paris zeigen eine nie gesehen Leere.
Das ist ein Anlass als Architekturfotograf, meine Heimatstadt in der Serie „Düsseldorfer Stilleben“ als ein Stadtportrait mit einem weiteren Kapitel zu ergänzen.

 

Besonders frequentierte Orte wie das Stadtzentrum, die Altstadt und der Flughafen sind menschenleer und sind außerdem Ihrer Funktion oder Bestimmung entleert. Die „Rheinische Post“ berichtete über diese Arbeit. Meine grundsätzliche Arbeitsweise ist das Reagieren auf meine Umgebung; wie ein Seismograf zeichne ich sie auf. Wenn ich etwas für mich Interessantes entdecke, stelle ich häufig fest, dass ich tiefer einatme, eine Überraschung, meist ein Indiz für ein richtiges Bild.
Weitere Fotos finden Sie unter http://original-photos.de.

 


 

Sascha Hüttenhain

 

In Coronazeiten hat sich meine Arbeit nicht wirklich grundlegend, sondern nur zeitlich geändert. Ich arbeite mehr oder weniger wie zuvor – aber verändert. Es findet eine Verlagerung statt, aber die sollte sich auch über die Zeit wieder normalisieren.

 

Glücklicherweise habe ich unter meinen Kunden einige, für die ich Stills und Produktaufnahmen in der aktuellen Zeit tätige. Dies ist per Versand und mit einen Briefing und einer Sykpe-Konferenz auch ganz gut zu machen. Peopleaufnahmen sind im Moment ja ein bisschen schwieriger durchzuführen und es gibt Auflagen, die diese sehr einschränken. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis wir wieder in den normalen Rhythmus zurückkehren können.

 

Dadurch, dass sich einige neue oder veränderte Projekte ergeben haben, setze ich auch z.T. neue Techniken ein. Es ist spannend, durch diese Corona Veränderung zu neuen Sicht- und Arbeitsweisen zu gelangen. Dies hatte man vielleicht nicht unbedingt auf dem Schirm und so erwartet, aber man kann es auch positiv sehen, da man sich als Fotograf dadurch eigentlich nur weiterentwickeln kann.

 

Mein Rat an andere Fotografen: Ruhe bewahren und abwarten, man kann eh nicht wirklich etwas ändern… die Zeit ist natürlich schwierig, da vieles neu und ungewiss ist. Freie Kapazitäten kann man gut für freie Projekte nutzen, die man in der Vergangenheit aus zeitlichen Gründen nicht umsetzen konnte.
Weitere Fotos finden Sie unter https://www.huettenhain.com

In der digitalen Fotografie erhalten wir den ersten Eindruck eines Motives auf dem Display der Kamera. Aber wie zuverlässig ist diese Bildvorschau und das Histogramm, das im Display der Kamera angezeigt wird? Kommt es vor, dass Sie das Gefühl haben, zu wenig verlässliche Information zu erhalten. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf diese Frage und konzentrieren uns auf den Zusammenhang zwischen Belichtung und RAW-Dateien.

 

Die Vorschau der Kamera gibt nicht die RAW-Datei wider

Das erste, was man über ein Kameravorschaubild wissen muss ist, dass es in den meisten Fällen keine Ansicht der eigentlichen Rohdatei ist. Es ist eine kleine JPEG-Vorschau, die im laufenden Betrieb erstellt wird. Je nachdem, wie Ihre Kamera ausgestattet ist, können zusätzliche Einstellungen vorgenommen werden, um den Kontrast und manchmal auch die Sättigung etwas zu verstärken. Dies ist vergleichbar mit den Bildoptimierungen, die eine Kamera im JPEG-Modus an den Aufnahmen vornimmt. Bei den meisten Kameras können Sie diese Einstellungen ausschalten oder Ihre eigenen Einstellungen für Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Schärfe vornehmen. Beachten Sie, dass diese Einstellungen nicht auf RAW-Dateien angewendet werden, selbst wenn Sie diese Einstellungen konfiguriert und aktiviert haben.

 

 

Überbelichtung und Clipping in den Lichtern

Eine der nützlichsten Eigenschaften von Digitalkameras ist die Fähigkeit, ein Histogramm der Aufnahme zu sehen, sowie eine Anzeige, in dem Überbelichtungen, also Bereiche, in denen keine Zeichnung mehr vorhanden ist (Clipping), angezeigt werden können. Dies wird normalerweise als eine blinkende schwarze Fläche auf den abgeschnittenen hellen Bereichen dargestellt. Beachten Sie jedoch, dass das Clipping in den Lichtern (und in einigen Fällen auch das Clipping in den Schatten) sowie die Anzeige auf dem Histogram möglicherweise nicht korrekt sind. An meiner Kamera ist mir z. B. aufgefallen, dass diese zwar Clipping anzeigt, dass aber in der RAW-Datei durchaus noch Zeichnung vorhanden ist, wenn ich mir diese in Lightroom oder Adobe Camera Raw betrachte.

 

 

 

Dies ist ein Foto des Kamera-Displays einer Aufnahme, die einige Schattentöne, viele Mitteltöne sowie sehr helle Lichter enthält. Das Kameradisplay zeigt das Clipping in den Lichtern als blinkendes Schwarz im Brandungsbereich an. Darüber hinaus scheinen die Lichter auch im Histogramm der Kamera abgeschnitten zu sein.
 
Nehmen Sie das Histogramm und die Clipping-Warnung als Bewertungsgrundlage, verkürzen Sie wahrscheinlich die Belichtungszeit. Ich mache das nicht mehr, da ich weiß, dass das, was ich auf dem Display meiner Kamera angezeigt bekomme mit der Information, die ich in der RAW-Datei letztendlich vorfinde, nicht ganz übereinstimmt. Ein Clipping im Kameradisplay bedeutet nicht unbedingt, dass dieses auch in der RAW-Datei vorzufinden ist.
 
Sie können dies unten sehen. Die Raw-Datei in Lightroom zeigt überhaupt keinen Maximalausschlag auf der rechten Seite des Histogramms, der auf ein Clipping hinweisen würde (der Clipping-Warnhinweis über dem Histogramm ist nicht eingeschaltet). Das Histogramm unterscheidet sich merklich vom Histogramm der Kamera, in dem auf der rechten Seite deutlich ein Maximalausschlag zu sehen ist. Diese Aufnahme liefert trotz einer 1/3 Blende Überbelichtung eine ausgezeichnete Bilddatei ohne Clipping in den Lichtern, obwohl die Kamera Clipping anzeigt. Die Abweichung kann natürlich von Kamera zu Kamera variieren. Der Punkt ist herauszufinden, wie groß die Varianz ist, sodass Sie genauer interpretieren können, was Ihnen das Histogramm und die Vorschau der Kamera sagen und was das wiederum für die Bild-Datei bedeutet.

 

 

Um dies herauszufinden, ist es hilfreich, einige Tests durchzuführen, um Ihre Kamera besser kennen zu lernen. Diese Information kann nicht hoch genug eingestuft werden, da sie zur Beurteilung der Belichtung anhand der Bildansicht und des Histogramms der Kamera elementar ist. Die Aufnahme der Küsten-Szene beispielsweise ist die hellste Aufnahme einer HDR-Sequenz mit drei Belichtungen. Wenn ich diese einzelne Aufnahme, ohne meine Kamera genau zu kennen, gemacht hätte, hätte ich sicherlich die Belichtung entsprechend geändert, um dem Rechnung zu tragen. Basierend auf der tatsächlichen Rohdatei weiß ich, dass das Clipping nicht so schlecht ist, wie die Kamera mir anzeigt. In der RAW-Datei steckt noch genügend Information, um ggf. Korrekturen vornehmen zu können.

 

 

 


 

Bio:

Seán Duggan ist Kunstfotograf, Autor, Pädagoge und Adobe Certified Photoshop Expert mit umfangreicher Erfahrung in der traditionellen und digitalen Dunkelkammer. Durch sein Schreiben und Lehren hilft er Fotografen seit über 15 Jahren, digitale Fotografie und digitale Dunkelkammertechniken zu meistern. Seine Kernphilosophie besteht darin, den Menschen zu helfen, die Bildmöglichkeiten in jeder Situation zu sehen, nach dem Außergewöhnlichen im Gewöhnlichen zu suchen und nach einzigartigen persönlichen Interpretationsmöglichkeiten einer Szene zu suchen, sowohl mit der Kamera als auch in der digitalen Dunkelkammer.

 

Er hat über 20 Online-Kurse für Fotografie, Photoshop und mobile Bildbearbeitung bei LinkedIn Learning / Lynda.com, einschließlich der regelmäßigen Reihe Mobile Photography Weekly. Er ist Co-Autor von Photoshop Masking & Compositing (2. Auflage, 2012), Real World Digitalfotografie (3. Auflage, 2010), The Creative Digital Darkroom (2008), Photoshop Artistry (2006) und seiner Lightroom-Tipps-Spalte gesehen in Lightroom Magazine von Kelby Media.

 

URL:seanduggan.com